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03.02.2007
Eine Moschee in Bagdad. (Bild: AP) Eine Moschee in Bagdad. (Bild: AP)

Von Pressefreiheit weit entfernt

Ismael Zayer ist Chefredakteur einer Zeitung im Irak

Von Igal Avidan

Trotz Terror, Stromausfall, Eingriffen der Regierung und der amerikanischen Militärbehörden, trotz der harschen Konkurrenz und des Niedergangs der Presse in der Ära Saddam Husseins, floriert die irakische Medienlandschaft.

Rund 50 Publikationen, darunter sechs Tageszeitungen, erscheinen regelmäßig, die meisten von ihnen werden von politischen Parteien oder religiösen Gruppen finanziert. Nur die auflagestärkste Tageszeitung Al-Sabah wird von der US-Armee unterstützt.

Der Mangel an Sicherheit verhindert die Entwicklung einer freien Presse. Auch Ismael Zayer, Inhaber und Chefredakteur der unabhängigen Zeitung Al-Sabah Al-Jadeed (Der Neue Morgen), muss sehr viele wichtige Informationen zurückhalten, um sich und seine Mitarbeiter nicht zu gefährden.

Ich würde mich sehr schuldig fühlen, wenn ich unnötig das Leben eines jungen Reporters gefährden würde. Daher entschuldige ich mich oft in meiner täglichen Kolumne vor den Lesern dafür, dass wir über sehr vieles nicht berichten können. Es ist einfach zu gefährlich. Würde ich darüber schreiben, würde das Verlagshaus am nächsten Morgen in die Luft gesprengt. Zum Beispiel haben wir einmal eine Studie mit einer Landkarte vorbereitet über die ethnische Säuberung im Lande - von Sunniten und Schiiten. Wir wurden bedroht und mussten die Karte drei Wochen lang immer wieder modifizieren. Manchmal wussten wir zum Beispiel wer wen erschossen hatte, durften aber nichts sagen.

Ismael Zayer gründete "Al Sabah al-Jadeed" im Mai 2004, nachdem er wegen der amerikanischen Einmischung in die redaktionelle Arbeit "Al Sabah" zusammen mit vielen Redakteuren verlassen hatte. Seitdem waren er und seine Mitarbeiter ständig Opfer gewalttätiger Angriffe. Kurz nach der Einweihung der neuen Zeitungen wurden Zayers Chauffeur und sein Bodyguard getötet. Dreimal wurde er selbst beinahe entführt, die Druckerei wurde abgebrannt, Polizisten versuchten ins Verlagshaus einzubrechen, das daher durch eigene Bodyguards geschützt wird.

Nachdem vier Reporter nach Jordanien und Syrien geflohen waren, hat das Blatt das Redaktionsbüro in Amman erweitert und richtet ein neues in Erbil, im kurdischen Nordirak ein. Weil die Zentralregierung so schwach ist, mischen sich ausländische Regierungen in die irakischen Medien ein, sagt Ismael Zayer:

Die irakische Administration hat kaum Kontrolle über das Land und daher beeinflussen der Iran, die Türkei, Syrien, die USA, Großbritannien und Saudi Arabien das Land. Um dies zu erreichen, wollen sie Zeitungen besitzen oder finanzieren. Entweder gründen sie Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksender oder sie schalten Werbung ein. Zum Beispiel wurde unsere Redaktion in Bagdad mehrmals von einer iranischen staatlichen Organisation angesprochen, Anzeigen gegen die iranische Gruppe Mujahedin-e-Khalk zu veröffentlichen. Wir haben den Text jedoch abgelehnt, weil er gegen unseren ethischen Kodex verstößt. Sie boten uns sehr viel Geld für die Werbung an, um uns von ihnen abhängig zu machen.

Welche irakischen Medien werden vom Iran kontrolliert? Diese Frage will Zayer nicht vor dem Mikrophon beantworten. Dies könnte ihn zu sehr gefährden. Mujahedin-e-Khalk wird übrigens vom Europaparlament als Terrorgruppe eingestuft.

Die irakischen Parlamentarier kritisiert Zayer hingegen in seiner täglichen Kolumne schon. Diese ist einflussreich, weil sie, wenn besonders spitz formuliert, von bis zu sechs Fernsehsendern zitiert wird. Als Zayer kürzlich kritisierte, dass 176 Abgeordnete das brennende Land verlassen, um die mehrtägige Pilgerfahrt nach Mekka, Hadsch, zu unternehmen, erntete er Drohungen vom Büro des Premierministers.

Einmal träumte Ismael Zayer davon, dass im Irak eine moderne Zivilgesellschaft entsteht. Inzwischen fallen seine Träume viel bescheidener aus. Jetzt will er nur seine Zeitung und damit den Lebensunterhalt der 120 Familien der Mitarbeiter absichern. Gleichzeitig will er Tausende von Lesern über die Realität informieren, auch Zehntausende Irakis im In- und Ausland, die "Al-Sabah al-Jadeed" im Internet lesen. Dafür brauche er jedoch Hilfe aus Deutschland.

Wir versuchen unsere europäischen Freunde zu ermuntern, den unabhängigen irakischen Medien wirklich unter die Arme zu greifen. Wir brauchen kein Geld, sicherlich nicht die Millionen von Dollars, die die Amerikaner hineinpumpen. Wir brauchen Ausbildung, Know-how im Bereich Marketing, Layout, Design und Druck. Wir würden uns außerordentlich freuen, eine gebrauchte Druckmaschine von einem deutschen Zeitungsverlag zu erwerben, weil wir nicht die fünf sechs Millionen Dollar für eine neue haben. Und dann in einigen Jahren werden die Irakis unsere unabhängige Haltung schätzen und Widerstand gegen den Terror und die Zerstörung von Menschenleben leisten.


 
 

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