6. Januar 1990. Der DDR-Schriftsteller Christoph Hein zu einer möglichen Wiedervereinigung:
"Wiedervereinigung ist ein Agreement, ein Kompromiss von Geben und Nehmen. Zur Zeit aber sieht sich Westdeutschland durch nichts veranlasst der DDR irgendetwas zuzugestehen. Und die DDR dürfte kaum in der Lage sein, noch mehr ihrer Substanz an Westdeutschland abzugeben, ohne sich völlig aufzugeben. Selbstverständlich ist ein künftiges Agreement der beiden deutschen Staaten, das zu einer Konföderation oder auch zu einer Vereinigung führt, denkbar. Eine der Voraussetzung dafür jedoch ist, dass beide Partner der Übereinkunft als Souveräne verhandeln. Dass die westdeutsche Seite das Thema in dem Moment auf den Tisch legt, in dem die DDR erhebliche Schwierigkeiten mit ihrer gesellschaftlichen und staatlichen Identität hat, stimmt bedenklich. Mit der Wiedervereinigung der Nation kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur die Einverleibung der DDR gemeint sein."
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