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27.02.2007
Ballonsondierung in der Arktis. (Bild: Anne Hoffmann) Ballonsondierung in der Arktis. (Bild: Anne Hoffmann)

Polartagebuch - Dienstag, 27. Februar 2007

Der zweite Tag

Von Anne Hoffmann

Der heutige Tag ist von der ganz stürmischen Sorte. Die Arktis zeigt sich von ihrer rauen Seite. Schon seit den frühen Morgenstunden pfeift der Wind mit bis zu 20 Metern pro Sekunde, also über 70 km/h durch die Straßen.

Der Weg zur Messe wird allerdings nicht nur durch den Wind an sich, sondern vor allem auch durch seine Wirkung erschwert. Wo gestern noch ein Durchgang war, liegen heute fast 2m Schnee, an anderen Stellen ist der Schnee fast vollständig weggepustet und man kann den bewachsenen Boden sehen.

Außerdem hat man bei von vorne kommendem Wind ohne Schutzbrille nur die Chance rückwärts zu laufen oder nach unten zu gucken. Ich wäre dabei heute fast gegen ein parkendes Auto gelaufen. Und wenn man dann noch weiß, dass einem die -10°C mit dem Wind wie -35°C vorkommen, kann man sich vorstellen, dass ich den heutigen Tag lieber drinnen verbracht habe.

Da ich wieder nicht messen konnte, habe ich Franz Immler, einem Wissenschaftler vom AWI, geholfen, unser LIDAR um ein weiteres Teil zu ergänzen. Manchmal ändern die Moleküle in der Luft das Licht des Lasers in seiner Farbe und um Licht in verschiedenen Farben analysieren zu können, haben wir ein Spektrometer eingebaut. Als reine Trockenübung, da wir den Laser ja nicht anmachen konnten. Als wir einen Transientenrekorder, ein Gerät das der Datenspeicherung dient, einbauen wollten, begann es plötzlich komisch zu riechen. Kurz hatten wir Angst, dass uns da was durchgebrannt war, aber am Ende hat es dann glücklicherweise doch funktioniert.

Etwas frustrierender waren da schon die Versuche, die Messungen vom letzten Wochenende am Computer auszuwerten. Die Programme wollen alle nicht so wie ich, vielleicht klappt es ja morgen.

Die Norweger und andere Langzeiteinwohner sind übrigens weniger kälteempfindlich. Das norwegische Polarinstitut zum Beispiel unterhält auf dem nahe gelegenen Zeppelinberg eine gleichnamige Forschungstation. Die tägliche Seilbahnfahrt dorthin fand natürlich auch heute statt. Und auch Rainer Vockenroth, unser Stationsleiter, hat die tägliche ballongetragene Radiosonde, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst, irgendwie in die Luft gebracht. Mit diesen Sonden werden überall auf der Welt gleichzeitig Daten erfasst, die dann direkt in die Wettervorhersage einfließen.

Nach dem Abendbrot findet noch ein Treffen des Solfest-Komitees statt, dem ich angehöre. Anlässlich des ersten Sonnenscheins im Jahr, der in Ny-Ålesund am 8. März zu erwarten ist, wird hier jedes Jahr ein großes Fest gefeiert. Nach über vier Monaten ohne Sonne ist das auch kein Wunder.

Wir haben uns das Thema Afrika ausgesucht und haben vor, ein großes Zelt im Hafenlager aufzubauen. Dazu wird es afrikanische Musik, afrikanische Dekoration, afrikanisches Essen und hoffentlich viele lustige Verkleidungen geben. Ich schwanke noch zwischen Zebra und Giraffe.


 
 

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