17. Juni 1964: Der Deutschlandfunk sendet die Funkerzählung "Lautloses Zwiegespräch" von Helmut Steffen, gelesen von Horst Tappert.
"Friedrichstraße, letzter Bahnhof im demokratischen Sektor", mahnt der Lautsprecher, und ich denke: letzte Perversion der Begriffe.
Der Waggon leert sich. Die Ewigkeit von 60 Sekunden will kein Ende nehmen. Fünf Minuten später hatten wir es geschafft. Es war nicht sehr gefährlich gewesen, aber es hätte auch schiefgehen können. Das Leben hätte es nicht gekostet damals, vor Jahren, aber vielleicht unsere Freiheit. Freiheit - tagsüber lebten wir fortan in Freiheit und in Fremdheit. Doch durch unsere nächtlichen Träume spukte noch sehr lange jene graue, gefährliche Umwelt, die uns nur allzu bekannt war, und der zu entfliehen wir gekommen waren. Ein Traum kehrte immer wieder: Man ging durch altvertraute Straßen und empfand die große Freude des unerwarteten Wiedersehens. Da fiel einem plötzlich ein, dass man sich als Republikflüchtling ja strafbar gemacht hatte, dass man keinen gültigen Ausweis mehr besaß und dass man bei der nächsten Kontrolle unweigerlich gefasst werden müsste. Mit pochendem Herzen schlich man an den Häuserfronten entlang, die nun dunkler und bedrohlicher wurden. Die Angst wurde größer und größer, bis man endlich erwachte. Am nächsten Morgen sagte man nur: "Ich habe wieder geträumt." Und der andere wusste Bescheid.
Sendezeichen aus 50 Jahren DLF
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[07.01.2012] Sendezeichen 1964 06 17 H. Tappert liest "Lautloses Zwiegespräch"
Sendezeit: 07.01.2012 17:28
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