Grzimeks bedrohtes Erbe
Das zerbrechliche Gleichgewicht der Serengeti
Seit den Tagen von Bernhard Grzimek ist die Serengeti ein Mythos, ein Traum von Afrika, von Wildnis und der atemberaubenden Schönheit einer Landschaft. Auf der Erde gibt es nichts Vergleichbares mehr. Doch die Zukunft der Serengeti ist ungewiss. Dagmar Röhrlich berichtet am Freitag, 7. Dezember, 19:15 Uhr, im Deutschlandfunk über die Probleme, mit denen Afrikas berühmtester Nationalpark kämpft.
Für die Autorin war die Recherchereise in die tansanische Savanne voller unvergesslicher Begegnungen mit Tieren und Menschen. Einen Teil dieser Begegnungen hat sie in ihrem Reisetagebuch festgehalten, das im Vorfeld der Sendung, ab Montag, 26. November, täglich (außer Samstag und Sonntag) auf dieser Internetseite erscheint.
Vor fast 50 Jahren haben Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael die Savanne mit ihrem Film "Serengeti darf nicht sterben" weltberühmt gemacht und die letzte große Tierwanderung auf diesem Planeten vor dem Untergang gerettet. Doch das Paradies gerät in Gefahr. Überbevölkerung, Klimawandel, Bewässerungsprojekte Tierkrankheiten, ein in manchen Zonen überbordender Tourismus - das alles bedroht ein Ökosystem mit mehr als zwei Millionen Tieren. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt sieht die Entwicklung mit Sorge. Seit Grzimeks Zeiten hat sie einen Stützpunkt in der Serengeti. Dagmar Röhrlich hat die ZGF-Wissenschaftler besucht und ist mit ihnen ins Gelände gefahren, um die Herausforderungen zu erkunden, denen sich Afrikas Parade-Ökosystem gegenübersieht.
Serengeti darf nicht sterben - Wie der Klimawandel Grzimeks Erbe bedroht
Unsere letzten Tage im Norden Tansanias verbringen wir in Massailand, immer im Angesicht ihres heiligen Berges, des Oldoinyo Lengai. Es ist der letzte aktive Vulkan in der Gegend, die vor Kratern nur so wimmelt, und es ist der einzige Karbonatitvulkan der Erde. Seine Lava ist dünn wie Wasser und, obwohl wesentlich kälter als sonst üblich, mit 590 Grad immer noch scheußlich heiß. Seit dem Sommer ist der Vulkan wieder aktiv und auch als wir ihn zum ersten Mal sehen, steht eine große Rauchwolke über seinem Gipfel.
"Ngorongoro", das hat genauso viel Magie wie "Serengeti", vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Der Krater wird auch als achtes Weltwunder bezeichnet. Ich stelle mir vor, wie das Zebraflugzeug von Michael Grzimek über den Kraterrand fliegt und Kurs auf große Gnu- und Zebraherden unten auf dem 500 Meter tiefer gelegenen Kraterboden nimmt. Die Realität ist weniger magisch: Die Ebenen rings um den Krater sind staubig und öde, der Krater selbst ist überfüllt mit Touristen.
Geradezu ohrenbetäubender Lärm hebt an, als Ingela Jansson den Motor ihres Jeeps startet. Das Auto hört sich an wie ein Riesentraktor aus vorsintflutlicher Zeit. Wir sitzen ziemlich beengt, denn das Auto ist vollgestopft mit Geräten. Ingela ist Mitarbeiterin von "Lionresearch", dem Löwenforschungsprojekt, oder auf Suahili "Utafiti wa Simba" und führt in der Gegend von Seronera eine Langzeitbeobachtung der Löwen durch.
Es brennt in der Serengeti. An den Moru Kopjes im Süden des Nationalparks steht die Savanne auf breiter Front in Flammen. Vielleicht war es ein Blitz, der das trockene Gras in Brand gesetzt hat. Jedenfalls frisst sich das Feuer seit der vergangenen Nacht rasend schnell durch die Landschaft.
Mehr als zwei Millionen Menschen wohnen im Westen der Serengeti, und ihr Verhältnis zur Nationalparkverwaltung ist nicht immer das beste. Die Bevölkerung darf den Park nicht nutzen, aber die Wildtiere zerstören und plündern immer wieder ihre Felder, ohne dass es dafür einen Ausgleich gäbe, und vom boomenden Tourismus in der Serengeti bekommen die Menschen nur Brosamen ab, wenn überhaupt.
Heute verlassen wir die Serengeti und fahren in zwei Dörfer der Umgebung. Die Serengeti ist nicht nur der Nationalpark im Zentrum, sondern ein etwa noch einmal großes Gebiet drum herum, in dem inzwischen etwa zwei Millionen Menschen leben, in dem aber auch die Gnus und Zebras, die Löwen und Elefanten herumziehen. Zum Schutz des Ökosystems Serengeti gehört es also auch, einen fairen Ausgleich zwischen Anwohnern und Naturschutz zu erreichen.
Eine große lila Wolke ist das erste, was man von der Seronera-Station der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt sieht. Ein stattlicher Jacaranda-Baum reckt seine Krone über die ein- bis zweistöckigen Flachbauten. Jetzt in der Trockenzeit steht er in voller Blüte und hebt sich leuchtend vom Staubgrau der umgebenden Büsche ab.
Heute ist Reisetag. 330 Kilometer sind es von Arusha nach Seronera im Herzen der Serengeti und nur etwa die Hälfte davon ist geteert. Der Rest soll bestenfalls Schotterpiste sein, manchmal aber auch so aussehen, wie die Schlaglochparade, die zu unserer Lodge führt. Alles in allem läuft es auf eine Fahrt von sechs bis acht Stunden hinaus - wenn alles glatt geht.
Unser erster Morgen in Afrika. Unsere Lodge liegt am Fuß des Mount Meru, eines 4566 Meter hohen Vulkans, keine 90 Kilometer vom Kilimandscharo entfernt. Sie ist so gebaut, dass man von jedem Häuschen aus den Schnee auf Afrikas höchstem Berg sehen kann - zumindest, wenn keine Wolken den Blick versperren.
13:50 Uhr: Wir haben Afrika erreicht. Der Überflug über das Mittelmeer war erstaunlich kurz, erst vor gut einer Stunde haben wir die kalabresische Küste hinter uns gelassen. Jetzt überfliegen wir irgendwo westlich von Bengasi die Küste und das Meer verabschiedet sich mit einem schmalen türkisfarbenen Saum. Die Sahara beginnt ohne Übergang, Sand und Fels soweit man aus dem kleinen Fenster sehen kann, keine Siedlungen, kein Grün. Eintönig ist es trotzdem nicht, denn die Wüste hat viele Farben.
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