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02.06.2013 · 11:30 Uhr
Abendstimmung an der U-Bein-Brücke in Amarapura. (Bild: picture alliance / dpa / Lothar Ferstl) Abendstimmung an der U-Bein-Brücke in Amarapura. (Bild: picture alliance / dpa / Lothar Ferstl)

Strom in der Basthütte

Die langsame Elektrifizierung in Myanmar

Von Dieter Bauer

Myanmar, auch Birma oder Burma genannt, ist ein Land im Umbruch. Nach Jahrzehnten der Junta-Herrschaft gaben die Militärs 2010 einen Teil der Macht an eine zivile Regierung ab. Inzwischen ist möglich, was vor ein paar Jahren noch undenkbar war: Die Burmesen beschweren sich sogar öffentlich über ihre Stromrechnungen.

Mitten in der burmesischen Metropole Rangun geht es lebhaft zu: Neben Einheimischen drängen sich Touristengruppen aus Europa und den USA, um Buttons und Bücher der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zu kaufen. Kein Zweifel: Die Parteizentrale ihrer "Nationalen Liga für Demokratie" hat sich zu einer Sehenswürdigkeit entwickelt. Früher standen hier vor dem Eingang Polizisten, Agenten und Soldaten des Militärregimes, die jeden einzelnen Besucher überprüften. Heute schaut jeder, der möchte, einfach vorbei. Auch ein westlicher Reporter mit einem langen Radiomikrofon in der Hand.

Beim Hereinkommen wirkt der große Empfangsraum zuerst sehr nüchtern: Die Betonwände und -pfeiler erinnern an ein Parkhausdeck. Doch in dem Raum tobt das Leben: Bürotische stehen kreuz und quer - Parteiarbeiter wälzen dicke Aktenbündel. Bürgergruppen sitzen beisammen und diskutieren. Weiter hinten ist durch einen Türrahmen eine Garküche zu erkennen: Helfer kommen von dort heraus geeilt und verteilen Schüsseln mit Reis und Gemüse an Hungrige.

Ich bin neugierig, was sich die Menschen zu erzählen haben. Denn diskutierende Gruppen wurden noch vor zwei, drei Jahren von Häschern des Militärregimes auseinandergejagt: überall im Land und in angeblich "staatsfeindlichen" Parteizentralen sowieso. Nun trete ich auf eine achtköpfige Gruppe zu, die vor dem Schreibtisch eines älteren NLD-Herrn hockt: Der trägt ein weißes Hemd mit Kragen, ein graues Jackett sowie eine teure Brille mit Edelmetallrahmen und hört geduldig zu. Die Männer aus der Gruppe tragen statt Hosen die traditionellen Wickelröcke, Lungis genannt, und kragenlose Hemden. Die Frauen haben Strickjacken an. Es ist zwar um die 25 Grad warm. Aber über uns kreist ein Ventilator, und da wird hitzegewöhnten Burmesen schon mal kalt. Nun schaut die Gruppe mich an, den Eindringling. Deren Sprecher - Herr Ang Jon Mo, wie er sich sogleich vorstellt - nutzt die Gelegenheit:

"Alle Menschen sollen von unserem Problem wissen, der Präsident und auch die Ausländer: Unsere Stromrechnungen stimmen einfach nie. Da werden einfach irgendwelche Zuschläge erhoben. Dabei mussten wir vorher sogar die Kabel selbst beschaffen, um überhaupt endlich Stromanschlüsse zu bekommen."

Früher äußerten sich Burmesen äußerst zurückhaltend, wenn sie mit Ausländern sprachen. Probleme anzusprechen, das war praktisch ausgeschlossen - und gefährlich für die Einheimischen. Nun zeigt der Wortführer eine Stromrechnung, auf die jemand zusätzlich ein paar Zahlen mit der Hand gekritzelt hat. Die Gruppe kommt aus dem Dorf Pokan: Dort wurde vor zwei Wochen einigen Familien der Strom abgestellt, nachdem sie ihre Rechnungen nicht bezahlt hatten. Aber so etwas bräuchte man sich heutzutage in Burma nicht mehr bieten lassen, meint Ang Jon Mo: Die NLD habe gerade versprochen, sich zu kümmern.

Beim Herausgehen lädt die Gruppe in ihr Dorf ein. Pokan scheint etwa 70 Kilometer nördlich der Fünfmillionen-Metropole Rangun zu liegen. Eine gute Gelegenheit, fernab der Metropole ein abgeschiedenes Dorf zu besuchen. Zurück im Hotel entdecke ich, dass der ländliche Bezirk Taik Kyi bis vor Kurzem für Ausländer komplett gesperrt war: wie viele andere Bezirke, die keine touristischen Sehenswürdigkeiten vorweisen und deshalb, wenn überhaupt, nur durch Armut, Rückständigkeit und Zwangsarbeit für das Regime auffallen können.

Drei Tage später erreiche ich mithilfe einer Dolmetscherin den Anführer der Dorfbewohner auf seinem Handy - nach vielen Versuchen, die Empfangsqualität soll auch von der Wetterlage abhängen. Ang Jon Mo erklärt am Telefon den Weg nach Pokan: zuerst zwei Stunden mit dem Bus über eine Straße, dann eine weitere Stunde mit dem Motorradtaxi über eine Piste. Nun sitze ich mit der Dolmetscherin Moe im Bus. Wir verlassen Rangun Richtung Norden: über breite Straßen, auf denen nun immer öfter neue Autos aus Europa und Japan fahren.

Burma hat wirtschaftlich viel nachzuholen: Viele internationale Sanktionen wurden bereits aufgehoben, weil die Regierung politische Gefangene freiließ und die Menschenrechte nicht mehr so stark verletzt wie zuvor. Internationale Consulting-Firmen sondieren die Lage für ausländische Investoren. Bald fährt der Bus über eine große Ausfallstraße, den Naypyidaw-Boulevard, der laut einem Bericht der Vereinten Nationen von politischen und kriminellen Häftlingen gebaut wurde.

Hinter der Stadtgrenze sieht es zuerst aus wie im Norden Thailands: Die Straße führt an großen, satt-grünen Reisfeldern vorbei. Ab und zu tauchen Vororte auf mit Wohnhäusern und Geschäften, von denen viele neu-chinesisch aussehen: schmucklos rechteckig, mit Fassaden aus weißen Kacheln, die an überdimensionierte Badezimmer erinnern. Burma grenzt an Thailand, das hundert Kilometer weiter östlich beginnt, und oben, im Osten und Norden, an China. Doch auf der Busfahrt ist vor allem zu erkennen, was Burma von den beiden boomenden Nachbarländern unterscheidet: Bald lassen wir die letzten landwirtschaftlichen Fahrzeuge und Maschinen hinter uns. Landwirtschaft wird zur reinen Handarbeit: Mitten am Morgen säen Kinder im besten Schulalter neue Reissetzlinge; andere Kinder reiten auf großen Wasserbüffeln zu ihren Arbeitsplätzen, mit Sensen in der Hand.

Auf dem Land sind nur noch wenige Privatfahrzeuge und ein paar Überlandbusse unterwegs. Von der großen, asphaltierten Straße führen Feldwege in die Dörfer ab. Wer den Bus einmal verlässt, muss sehen, wie er weiterkommt. Wir haben Glück: Als wir aus unserem Bus steigen, treffen wir gleich ein paar junge Männer mit Motorrädern. Der Fahrpreis ist schnell ausgehandelt, da fahren wir auch schon bedenklich schnell über sandige Wege Richtung Pokan. Deshalb kommen wir früher an als vereinbart: Prompt wartet noch niemand am Dorfeingang, wo wir eigentlich abgeholt werden sollen.

An der ersten Hütte sind die ahnungslosen Dorfbewohner misstrauisch. Kein Wunder: Ang Jon Mo hatte erzählt, dass noch nie ein Ausländer im Dorf gewesen sei - jedenfalls nicht seit 1948, als Burma unabhängig wurde und die britischen Kolonialbehörden abzogen. Nun taucht hier plötzlich ein Europäer aus dem Nichts auf. Die Dolmetscherin Moe beruhigt die jungen Eltern, in deren Hütte ein Baby liegt.

Mit Erfolg: Die beiden erzählen, dass sie vom Reisanbau, der Schweinezucht und der Erdnussernte leben. Ihre Hütte sei ein Geschenk der Schwiegermutter mütterlicherseits. Auf den abgestellten Strom können wir die beiden allerdings nicht ansprechen: Hier, am Dorfrand, sind offensichtlich noch gar keine Stromkabel angekommen. Als wir Ang Jon Mo auf seinem Handy anrufen wollen, kommen wir nicht durch.

Als wir gerade überlegen, wie es denn nun weitergehen könnte, kommt querfeldein ein Mann mittleren Alters auf uns zugeschritten. Seine Garderobe passt eigentlich nicht so recht: Sein Hemd, die graue, feine Anzughose westlichen Schnitts und die eleganten Straßenschuhe sind voller Schlammspritzer.

Der Mann heißt Un Ji Win und hat gleich eine Überraschung parat: Er stellt sich als "Präsident der örtlichen Elektrizitätsgesellschaft" vor! Er habe gerade von unserem Besuch erfahren. Nun bittet er uns, mit ihm zum Transformator des Dorfes zu kommen: Der bedauerliche Stromausfall ließe sich leicht erklären. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Durch das Dorf Pokan führen Trampelpfade. In den letzten Tagen hat es immer wieder geregnet, aber zum Glück nicht viel: Die Pfade sind auch so schon glitschig genug, und kreuz und quer von Bodenwellen sowie Spuren von Fahrrad- und Mopedreifen durchzogen. Hühner, Schweine und Büffel kreuzen unseren Weg. Ab und zu kommen Zweiräder vorbei. Autos oder Traktoren sind hier nirgendwo zu sehen. An den Wegrändern stehen Holzhütten, keine Steinhäuser. Doch dann taucht hinter einer Biegung doch ein giftgrünes Betonhäuschen auf.

Das ist unser Dorf-Transformator. Er hat einen Zähler, der festhält, wie viel Strom im ganzen Dorf verbraucht wird. Außerdem gibt es in der Bezirkshauptstadt einen anderen Zähler, der ebenfalls unseren Stromverbrauch misst. Das Problem ist, dass die beiden Zähler immer unterschiedlich messen. Das Dorf soll immer für die größere Menge zahlen, die in der Stadt gemessen wird.

Un Ji Win ist im Dorf offensichtlich eine Respektsperson: Wo er vorbeikommt, nehmen viele Dorfbewohner sichtlich Haltung an. Aber er wirkt trotzdem angespannt - keineswegs so gelassen wie seine Nachbarn vor ein paar Tagen in Rangun. Auch auf meinen Fotos wird er später mürrisch aussehen. Vielleicht trägt er schwer an seiner Verantwortung, denke ich noch, als ich pflichtbewusst das Trafo-Häuschen bewundere. Es macht einen unsicheren Eindruck: Die Stromkabel quellen bündelweise durch Löcher in den Wänden nach draußen, und an vielen Stellen sind blanke Kabel zu sehen, weil die Ummantelungen fehlen. Der Zaun, der das Häuschen schützen soll, hat große Löcher, durch die Kinder leicht hineinspazieren können. Die ganze Anlage wirkt hemdsärmelig, und durchaus gefährlich. Un Ji Win erzählt trotzdem stolz:

"Ich habe alle Bauteile für den ganzen Trafo selbst besorgt, und mit einigen Nachbarn zusammengebaut. Auch die Kabel von hier bis in die Hütten haben wir alle selbst verlegt. Erst am Schluss ist einer von der Regierung gekommen und hat eine Eröffnungszeremonie veranstaltet. Dabei hat er auch den lokalen Stromzähler installiert."

"Einige Dorfbewohner schauen zu, wie der Strom-Präsident seine Geschichte erzählt. In ihren Gesichtern ist keine Regung zu erkennen. Wo ich jemanden anschaue, weicht der mit dem Blick aus. Von meinen Bekannten aus Rangun ist weiterhin nichts zu sehen: Das NLD-Büro und die Atmosphäre dort scheinen hier gerade weit weg zu sein. Die Dorfbewohner kommen gerade von ihren Feldern: Sie tragen Lungis, Gummistiefel und T-Shirts. Der Präsident passt nicht so recht zu ihnen. Als ich ihn nach seinem Beruf frage, antwortet er nicht und lädt stattdessen zu einer Limonade ein."

Die Kneipe ist zugleich das einzige Geschäft des Dorfs: eine Basthütte mit Wellblech-Dach, von dem Snack-Tüten, Batterien, Fertigsuppen und Bonbons an Kordeln hängen. Limonade wird aus Literflaschen in Bierseidel gegossen und von der Ladenfrau serviert. An der Hütte hängt ein Plakat mit der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und ihrem Vater Bogyoke Aung San: Der gilt als Nationalheld, weil er damals gegen die Briten den Kampf um Unabhängigkeit führte. Der Strom-Präsident bemerkt meinen Blick und sieht nun doch etwas schmallippig aus: Er scheint die beiden nicht zu mögen.

"Hier im Dorf läuft alles sauber: Die Partei für Solidarität und Entwicklung hat sich bei der Regierung dafür eingesetzt, dass alle Dörfer der Umgebung Strom bekommen. Und von den 49 Dörfern der Umgebung werden nun bereits 21 mit Strom versorgt. Wir brauchten nicht mal jemanden zu bestechen. Die Regierung hat uns auch Schulen gebaut, und das Krankenhaus erweitert. OK, nun gibt es halt das Problem mit der Stromrechnung. Aber sonst gibt es keine Probleme."

So was hört man in Burma heutzutage selten. Ich würde nun doch gerne zu den Dorfbewohnern, mit denen ich verabredet bin. Der Strom-Präsident möchte mitkommen und bei der Suche helfen. Mir wäre ehrlich gesagt lieber, er würde uns nicht weiter begleiten.

Erst recht, als meine Dolmetscherin dann doch Näheres zu seinem Beruf erfährt: Un Ji Win ist ehemaliger Stabsoffizier im Ruhestand. Solche Leute werden oft von der Junta aufs Land geschickt und dort mit dubiosen Ämtern ausgestattet - wie zum Beispiel Präsident einer Strom-Gesellschaft mit einem einzigen selbstgebastelten Trafo. Dann sehen die Armee-Pensionäre in der Umgebung nach dem Rechten, im Sinne der Junta natürlich. Doch langsam ändern sich die Zeiten: Der Strom-Präsident sieht nicht begeistert aus, aber er schickt nun einen jungen Mann los, um meine Bekannten aus Rangun zu holen. Da taucht Ang Jon Mo dann auch endlich auf.

Er entschuldigt sich, aber wir waren ja auch zu früh im Dorf aufgetaucht und dann vom Treffpunkt weitergegangen mit dem ehemaligen Stabsoffizier. Die Stimmung wirkt jetzt gleich gelöster: Wo sie Ang Jon Mo erblicken, lächeln die Passanten. Manche winken, auch ein Motorradfahrer, der eigens stehenbleibt. Er trägt zwar einen Helm nach Art der Wehrmacht, mit einem schwarzen Hakenkreuz. Doch er kennt nicht die europäische Bedeutung der Swastika, die die Nazis bekanntlich aus Asien stahlen, um sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auf dem weiteren Weg tauchen mehrfach an den Wegrändern kleine Stupas auf: ein, zwei Meter hohe Halbkugeln, auf denen ebenso hohe Türmchen in die Höhe ragen. Die Stupas zeigen, dass in Pokan viele Buddhisten leben.

Das ist normal: In Burma glauben knapp 90 Prozent der Menschen an Buddha, gerade vier Prozent sind jeweils Muslime und Christen. Das Militärregime, das trotz der jüngsten Reformen letztlich immer noch das Sagen hat, nützt dieses Gefälle: Es stuft alle Religionen außer dem Buddhismus als "ausländisch" ein und sät eifrig Zwietracht. Seit Monaten bekämpfen sich in anderen Regionen Burmas buddhistische und muslimische Gruppen mit allen Mitteln. Schon mehrfach drohten die Generäle mit der Ausrufung des Ausnahmezustands: Laut Verfassung läge dann wieder alle Macht in ihren Händen, und der Reformprozess und das neue Parlament wären am Ende. In Pokan gehen die Buddhisten anscheinend sehr gelassen mit ihrem Glauben um: Die Stupas sind grün angelaufen und von Pflanzen überwachsen; Baumwurzeln sind in einige Bauten hineingewuchert und haben sie in Teile gesprengt.

Der Strom-Präsident trabt noch eine Weile mit uns. Doch dann lädt Ang Jon Mo in ein privates Holzhäuschen und nickt dem Präsidenten zu: Der soll anscheinend draußen bleiben. Das wäre vor Kurzem noch sehr beleidigend gewesen gegenüber einem Ex-Soldaten. Ang Jon Mo wäre dafür zumindest schwer misshandelt worden. Jahrzehntelang wurden kritische Bürger für sehr viel weniger umgebracht. Nun scheint zumindest das vorbei.

Das Holzhaus des Gastgebers steht auf etwa zwei Meter hohen Beton-Stelzen. Unten parkt ein Moped, und eine Schweinemutter döst mit ihrem Nachwuchs - beides Anzeichen für bescheidenen Wohlstand. Hinauf in den ersten Stock führt eine Treppe: Die Hauswände sind aus Holz, ein paar Anbauten nur mit Bastmatten verkleidet. Solide, hölzerne Fensterrahmen sowie ein schmiedeeisernes Balkongeländer signalisieren gehobene Wohnkultur. Drinnen haben sich 16 Dorfbewohner versammelt, und warten anscheinend auf uns: fünf Männer und elf Frauen, vom Alter her bunt gemischt. Als ich frage, wer sich hier versammelt hat, bricht gleich ein ziemlicher Tumult los.

Soviel ist zu verstehen: Die bunte Versammlung besteht aus Dorfältesten, Mitgliedern und Sympathisanten der NLD, in deren Hauptquartier wir uns damals in Rangun trafen. Einige Gesichter erkenne ich auch wieder, nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben: Es brennt kein Licht, und die meisten Fensterläden sind geschlossen. Das liegt nun aber nicht mehr daran, dass die Versammelten Angst hätten vor dem Ex-Stabsoffizier und dessen Hintermännern in Rangun, versichern die Versammelten. Man wolle damit nur die heißen Sonnenstrahlen aussperren. Dann bittet eine Frau die anderen um Ruhe.

"Wo wir Sie getroffen haben, waren wir ja wegen der Stromrechnungen in Rangun. Inzwischen wurde acht Familien der Strom ganz abgestellt, weil sie keine Zusatzgebühren zahlen wollten. Verstehen Sie uns nicht falsch: Dabei geht es letztlich nur um kleine Beträge: ein paar Euro. Aber das ist eine Frage des Prinzips: Es ist unfair, einigen willkürlich irgendwelche dubiosen Aufschläge aufzubürden und dann nicht mal zu erklären, worum es dabei geht. Die Stromgebühren sollten für alle nachvollziehbar und gleich sein."

Auch meinem Gastgeber Ang Jon Mo wurde der Strom abgedreht, als Rädelsführer der Protestgruppe. Deshalb steht auch der Ventilator still, der über ein quer durch den Raum gezogenes Kabel an einer Steckdose hängt. In diesem traditionellen Holzhaus macht das aber nicht viel: Es ist nicht zu heiß, und das gedämpfte Licht wirkt nach der vielen Sonne draußen angenehm, sobald man sich daran gewöhnt hat.

Wir hocken auf Bastmatten, die auf dem Holzboden ausgebreitet wurden. Es gibt nur einen großen Raum, keine Wände oder abgetrennte Räume. In zwei Ecken stehen Holzbetten mit dünnen, hart aussehenden Matratzen. In einem Holzschrank mit Glastüren ist Hausrat zu erkennen, in einer Vitrine ein alter Röhren-Fernseher. Aufgerollte Bastmatten warten auf noch mehr Besuch in Ang Jon Mos Haus. Ein Teil der Wände unter dem langgezogenen Wellblech-Dach besteht nicht aus Holz, sondern nur aus Maschendraht: So kommt frische Luft herein, aber Schlangen und Hühner bleiben draußen. Mit diesem Holzhäuschen gehört Ang Jon Mo zur Mittelklasse der Farmer Burmas: Er besitzt ein ansehnliches Stück Land, Nutzvieh sowie ein Moped - und wirtschaftet damit nach Landesmaßstab recht erfolgreich. Die Sprecherin hat sich mittlerweile vorgestellt: Sanda Thiri ist die Frau des Gastgebers. Aber zu Wort kommen alle.

"Aus der Bezirksstadt Taik Kyi kam ein Mann von der Strombehörde in unser Dorf und verteilte die Stromrechnungen. Bei einigen waren hier und da Zuschläge hinzugekritzelt worden, bei anderen nicht. Er sagte: Fahrt nach Taik Kyi und bezahlt dort eure Rechnungen."

"Bei den Behörden verstehen durchaus schon einige Menschen, dass sich gerade in Burma die Zeiten ändern. Und dass dies für alle gleich gilt. Diese Menschen zeigen nun Respekt gegenüber anderen. Sie verstehen, dass in dieser Übergangszeit alle zusammenhalten sollten. Andere Beamten machen allerdings weiter wie bisher: im alten Stil. Aber das lassen wir uns eben nicht mehr gefallen."

Durch ein geöffnetes Fenster ist zuerst zu sehen, wie der Präsident der örtlichen Elektrizitätsgesellschaft kurz vor dem Haus von Ang Jon Mo wartet. Dann geht er langsam weg.


 
 

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