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17.06.2010
Mal ein Tor... Dirk Kuyt erzielt gegen Dänemark das 2:0 für die Niederlande. (Bild: AP) Mal ein Tor... Dirk Kuyt erzielt gegen Dänemark das 2:0 für die Niederlande. (Bild: AP)

Warten auf den Fußball

Eine Zwischenbilanz der WM, nachdem alle 32 Teilnehmer gespielt haben

Von Thomas Kistner

Sportlich ist dieses Turnier keine Offenbarung, sondern ein Offenbarungseid. Mehr Party, als Fußball - das sind Tendenzen, die eine WM kennzeichnen. Sie sorgen für die totale kommerzielle Ausschöpfung des Fußballs.

Signale der Sättigung sind bereits da, es gibt leere Sitze an allen Spielorten, manchmal zehntausend. Klassefußball, mitreißender Wettkampf - das bieten nur Europas Topligen. Beim armseligen Gekicke in Südafrikas sündteuren Stadien ist bisher der Flatterball der Held: Gäbe es das unberechenbare Spielgerät nicht, gäbe es mindestens fünf Tore weniger statt der bisher 28. Das ist trostlos nach, wohlgemerkt, schon 17 Spielen.

Vier dieser Tore hat die deutsche Auswahl erzielt. Gegen eine grottenschlechte australische Elf allerdings, die in der Bundesliga völlig chancenlos wäre. Das aber interessiert nicht, der Fußballrausch hierzulande ist wieder im Grenzbereich. Kein Wunder, nirgendwo auf der Welt hat die Nationalelf eine tiefere Bedeutung für die Volksseele als hier, nirgendwo wird dieses wochenlange Weltsportereignis intensiver ausgestrahlt.

Aber was ist dieser hohe Auftaktsieg konkret wert?

Die halbe Miete, muss man sagen.

Es ist wahrlich schon ein unheimlicher Dusel, der den deutschen Fußball bei WM-Turnieren begleitet. Bereits 2002 in Japan/Südkorea und 2006 im eigenen Land hatte die DFB-Auswahl das Riesenglück, im Auftaktspiel gegen die jeweils schwächste Truppe des Turniers starten zu dürfen. Am Ende hieß es 8:0 über Saudi-Arabien und 4:2 über Costa Rica.

Nun wird auch dieses 4:0, zusätzlich begünstigt durch eine fragwürdige Rote Karte gegen Australien, das Ticket für den Achtelfinaleinzug sein. Denn wer gleich zu Beginn so hoch gewinnt, dem reicht in der Regel ein einziger Punkt aus den letzten zwei Gruppenspielen zum Weiterkommen. Das beruhigt die Psyche. Die Medien jubeln und stricken Heldengeschichten, und dem Team gibt es Zeit und Raum zur Konzentration auf die K.o.-Runde. Dank der dicken Torpolster gegen talentfreie Auftaktgegner lässt sich in aller Ruhe das zusammenbasteln, was ja gerade den Deutschen immer bescheinigt wird: Eine Turniermannschaft.

Während die hochkarätige Konkurrenz jetzt einen Zahn zulegen muss, können es Löws DFB-Jungs wieder mal gelassen angehen. Ihren legendären WM-Dusel brauchen sie erst im Achtelfinale wieder.


 
 

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