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21.04.2012
Dopinganalytiker Mario Thevis pippetiert im Labor der Deutschen Sporthochschule Köln (Bild: Deutschlandradio - Hendrik Maaßen) Dopinganalytiker Mario Thevis pippetiert im Labor der Deutschen Sporthochschule Köln (Bild: Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)

Den Wachstumshormon-Dopern auf der Spur

Kölner Labor entwickelt Nachweisverfahren gegen HGH-Releaser

Von Heinz Peter Kreuzer

Wachstumshormon gilt bei Spitzen- und Breitensportlern als beliebtes Dopingmittel. Das Peptidhormon fördert den Kraftaufbau und verkürzt die Regeneration. Und ist dabei kaum nachweisbar. Jetzt werden im Internet Wachstumshormon-Releaser angeboten, die das HGH-Doping vereinfachen. Die Kölner Doping-Analytiker sind dem neuen Dopingmittel auf der Spur.

Das Kölner Doping-Kontroll-Labor hat zahlreiche Anfragen von internationalen und nationalen Anti-Doping-Agenturen. Es soll den Gebrauch von Wachstumshormon-Releasern nachweisen. Diese Substanzen haben überwiegend keine klinische Zulassung, sie sind aber auf dem Schwarzmarkt leicht zu erwerben. Die so genannten GHRP's steigern die Ausschüttung der körpereigenen Menge an Wachstumshormon, bis hin zu einer zehnfachen Menge. Schon das ist nach der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ein Dopingverstoß. Aber die Releaser können auch für die Maskierung von Wachstumshormon-Doping eingesetzt werden. Das Analyseverfahren ist auf Grund des kleinen Zeitfensters von zwei Tagen schon schwierig genug. Professor Mario Thevis vom Kölner Zentrum für präventive Dopingforschung:

"Man kann den Nachweis des körperfremdem Nachweishormons damit manipulieren. Eine Studie der japanischen Kollegen hat gezeigt, das kurzfristig über wenige Stunden die Fremdzugabe von Wachstumshormon mit Hilfe dieser GHRP's verwässert werden kann und dementsprechend den Nachweis des Wachstumshormon als Fremdgabe verkompliziert."

Der Test auf körperfremdes Wachstumshormon basiert auf der Tatsache, dass das Wachstumshormon, das man in der Apotheke erhält, aus einer besonderen Form des Wachstumshormons besteht. Die körpereigene Wachstumshormonzusammensetzung besteht dagegen aus vielen so genannten Varianten. und das unterscheidet künstliches vom körpereigenen Wachstumshormon. Wenn also eine Mischung von HGH-Varianten festgestellt wird, sind diese in der Regel natürlichen Ursprungs.
Aber Professor Thevis hat jetzt eine Nachweismethode entwickelt. Die Substanzen sind körperfremd, so dass konventionelle analytische Möglichkeiten wie Massenspektrometrie angewendet werden können. Die notwendigen Instrumente, auch für eine zusätzliche Methodik, sind in allen Dopingkontroll-Laboratorien verfügbar.

"Die Nachweisfenster sind immer abhängig davon, wie oft und in welchen Mengen diese Präparate verabreicht werden. Eine grobe Schätzung, die jetzt abgegeben werden kann, ist, dass die Nachweisfenster sich etwa im Zeitraum von fünf bis sieben Tagen liegen."
Da die HGH-Releaser nicht bei Patienten angewendet werden, musste das Kölner Labor die Referenzwerte für die verschiedenen Substanzen in Studien selbst erarbeiten. Professor Thevis:

"Man kann die aktiven und intakten Substanzen in Blut und Urin finden, das haben kürzlich veröffentlichte Studien gezeigt. Und zudem ist bekannt geworden, das zahlreiche Abbauprodukte, so genannte Metaboliten, detektiert werden können."

Die Wachstumshormon-Releaser sind klinisch nicht zugelassen, lediglich GHRP2 ist in Japan für diagnostische Zwecke zugelassen. Damit wird die Funktionalität der Hirnanhangdrüse überprüft. Trotzdem wird es auf dem Schwarzmarkt und im Internet gehandelt und ist so relativ einfach verfügbar für Doper. Das beweisen auch Beschlagnahmungen von Zoll und Landeskriminalämtern.


 
 

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