Die Sitzungen des Bundestagssportausschusses bleiben auch kurz vor Ende der Legislaturperiode skurril. Eine öffentliche Debatte über den Bericht des Innenministeriums (BMI) zur Konferenz der Spitzenverbände des Deutschen Olympischen Sportbundes wurde von der Koalition während der Sitzung kurzerhand gestoppt.
Dies, obwohl man den Tagesordnungspunkt zuvor noch genehmigt hatte. Und Nachfragen wären angebracht gewesen, immerhin ging es in dem Bericht des BMI um den Abschluss der neuen Zielvereinbarungen im organisierten Sport und die Verteilung der Projektmittel für den nächsten olympischen Zyklus. Die Koalition will die Diskussion in der letzten Sitzung Ende Juni nachholen. Ob diese öffentlich sein wird ist fraglich. Die SPD hat Öffentlichkeit schon beantragt. Der sportpolitische Sprecher, Martin Gerster:
"Dass man als Fraktion im Sportausschuss jetzt nicht einmal mehr Nachfragen stellen darf. Das halte ich doch für einen neuen Höhepunkt, der peinlichen Vorstellung von Schwarz-Gelb im Sportausschuss. Schade, so kann Demokratie nicht funktionieren."
An Johannes-Wilhelm Rörig durften zuvor noch Fragen gestellt werden. Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs betonte in seinen Ausführungen im Sportausschuss, dass Kindesmissbrauch immer noch ein gravierendes Problem sei. Vor allem Schutzkonzepte seien wichtig. Diese hätten sich im Sport verbessert, doch habe man immer noch Luft nach oben, so Rörig. Zwar haben alle Landessportbünde und dreiviertel der Spitzenverbände einen Präventionsbeauftragten benannt. Doch zeige die erste Ausweitung einer Befragung bei über 12000 Sportvereinen, dass noch viel Arbeit bei der Prävention im deutschen Sport zu verrichten sei, unterstrich Rörig. Die endgültigen Ergebnisse will er im Juli präsentieren.
Ingo Weiß, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, erklärte, dass weiter Sensibilisierungsarbeit geleistet werde müsse, der Sport sei für sexuellen Missbrauch anfällig:
"Für uns gibt es natürlich immer die Luft nach oben, dass wir irgendwann natürlich eine einhundertprozentige Sensibilität erreichen wollen. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich das nie schaffen werde, weil es immer irgendwo ein schwarzes Schaaf geben wird. Aber nichtsdestotrotz werden wir uns weiter mit diesem Thema befassen und werden weiter an diesem Thema arbeiten."