Gut ein Jahr vor der Fußball-WM in Brasilien hat die Generalprobe, der Confederations Cup, begonnen. Das südamerikanische Land hinkt dem Zeitplan dennoch weit hinterher. Bislang sind nur 25 Prozent aller Arbeiten an Stadien und Infrastruktur fertig. Vor allem der Sportminister steht unter Druck.
Aldo Rebelo ist der Feuerwehrmann im Kabinett von Präsidentin Dilma Rousseff. Er gilt als ein Mann für die schweren Aufgaben. Etwas hemdsärmelig, ein Arbeiter eben. Schon mehrmals ist er eingesprungen, wenn es gekriselt hat. Und auch jetzt kriselt es in Brasilien. Erst rund ein Viertel aller Vorbereitungsarbeiten zur WM sind fertig. Das sagt die jüngste Regierungsstudie. Sportminister Rebelo steht unter Druck. Er ist für den Erfolg des Turniers verantwortlich. Scheitert er, scheitert Brasilien. Rebelo ist derzeit vielleicht der wichtigste Mann im Land. Wenn er das hört, huscht ein seltenes Lächeln über sein Gesicht.
"Eu gosta de fazer o trabalho."
Er mag einfach seine Arbeit, sagt er bescheiden. Gut für ihn: Denn er hat viel davon, Rebelo steht vor großen Aufgaben. Bis Ende des Jahres müssen nun endgültig alle Stadien fertiggestellt sein, sonst gibt es wieder Ärger mit dem Weltfußballverband FIFA. Offenbar keine leichte Aufgabe.
"Den Zeitplan einzuhalten und die Stadien vor der Frist fertigzustellen, das ist unser Kampf. Denn wir haben hier eine sehr komplexe Gesetzgebung. Jedes Bundesland hat eine, jede Stadt eine andere und der Staat selbst ist durch wieder eine andere Gesetzgebung geregelt. Es gibt also viele Kontrollorgane, die über die Konstruktion der Stadien bestimmen, jedes mit der Möglichkeit die Arbeiten zu stoppen und zu inspizieren. Es ist eine riesige Herausforderung zu gewährleiten, dass die Stadien keinem dieser Organe einen Grund liefern, den Bau zu stoppen, und dass alle Beteiligten perfekt arbeiten, damit alles rechtzeitig fertig wird."
In dieser Aufgabe hat Rebelo schon Erfahrung. Unter Präsident Lula war er zuständig für die Zusammenarbeit der zahlreichen Ministerien. Aber das auch nur ein Jahr lang, dann musste er als Parlamentspräsident einspringen. Eine dieser Feuerwehraufgaben. Rebelo hat sich im Laufe seiner mehr als 20 jährigen Politikerlaufbahn ein dickes Fell zugelegt. Die zahlreichen Journalistennachfragen, ob die Stadien denn auch wirklich bis Ende des Jahres fertig werden, beantwortet er mit ausdauernder Zuversicht. Schon längst vergessen ist auch der verbale "Tritt in den Hintern" von Fifa-Generalsekretär Valcke. Dass das Verhandeln mit dem Weltverband so schwierig sein würde, hatte Rebelo im Vorfeld ohnehin schon erwartet.
"Ich habe das ehrlich gesagt schon erwartet, weil die FIFA eine private Institution ist, die sich vor allem um die Interessen ihrer Sponsoren kümmert. Nichtsdestotrotz ist sie eine sehr repräsentative und intelligente Einrichtung. Sie hat mehr Mitglieder als die Vereinten Nationen. Aber die FIFA verfolgt die Interessen Ihrer Sponsoren, und die Regierung die öffentlichen und nationalen Interessen. Die wollen wir bewahren, wie zum Beispiel die Interessen der Acarajé-Verkäufer in Salvador de Bahia."
Nach langem Kampf dürfen nun wenige Einheimische in der WM-Stadt Salvador während des Turniers die traditionellen Acarajé-Kroketten verkaufen. Eine ausdrückliche Ausnahme, weil Sie kein offizieller Partner der Fifa sind. Es ist einer von vielen Kämpfen mit dem Fußballweltverband, die Rebelo zu führen hat. Und beispielhaft für die verschiedenen Interessen beider Seiten.
"Fußball ist für uns mehr als ein Sport. Hier in Brasilien war und ist er immer noch eine wichtige Plattform für soziale Integration. Einbindung in eine Gesellschaft, die sehr stark durch Ungleichheit geprägt ist. Als der Fußball nach Brasilien kam, Anfang des 20. Jahrhunderts, da hatten arme, junge Menschen, besonders Schwarze, nur sehr wenig Chancen. Eine von diesen Chancen war der Fußball. Es ist keine einfache Sache. Es ist sehr schwierig, auf dieses Land zu schauen und zu sehen, welche Dinge sich ohne Hilfe des Staates entwickeln, ohne Hilfe des Marktes. Eines dieser Dinge war der Fußball, durch die Unterstützung der Massen. Warum wurde er unterstützt? Weil die Menschen in ihm, ein Sport von so simplen Regeln, das Ideal einer Demokratie sahen. Das heißt, wenn du Talent, aber keine noble Herkunft hast, hast du trotzdem die Chance, Fußball zu spielen. Wovor wir uns einfach fürchten ist ein Fußball für die Eliten."
Die Gentrifizierung des Fußballs. Sie könnte mit der WM in Brasilien eine weitere Stufe erklimmen. Auch Rebelo scheint dagegen wenig tun zu können. Immerhin hat er versprochen ermäßigte Eintrittskarten durchzusetzen und auch den fast vergessenen indigenen Einwohnern im Land Zugang zu den Stadien zu verschaffen. Etwas verzweifelt klingt dennoch sein Apell:
"A Copa e nossa - Die WM gehört uns!"
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"Brasiliens Sportminister als Feuerwehrmann" - Porträt Aldo Rebelo
Sendezeit: 15.06.2013 20:40
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