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02.04.2009
Der Biathlon-Sport in Deutschland ist durch die jüngsten Doping-Aufdeckungen in Verruf geraten. (Bild: AP) Der Biathlon-Sport in Deutschland ist durch die jüngsten Doping-Aufdeckungen in Verruf geraten. (Bild: AP)

Zurück in die Vergangenheit

Gewissenskonflikt beim DSV-Generalsekretär wegen DDR-Dopingfällen

Von Thomas Purschke

Der Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes Thomas Pfüller muss sich als Personalchef derzeit mit den zwei Biathlon-Trainer-Personalien Frank Ullrich und Wilfried Bock und deren Verstrickung in das DDR-Dopingsystem beschäftigen. Dies könnte Pfüller in einen Gewissenskonflikt bringen.

Man wolle den Fall Bock prüfen - so lautete die knappe Antwort, die Thomas Pfüller über seinen Sprecher auf die konkrete Frage geben lies, warum Wilfried Bock beim Deutschen Skiverband (DSV) ab 2006 wieder eine Anstellung fand. Und das, obwohl Bock wegen seiner Stasi-Vergangenheit ab 1992 als Nachwuchstrainer des DSV nicht weiterbeschäftigt worden war, wie der damals verantwortliche DSV-Spitzenfunktionär Helmut Weinbuch bestätigte. Vor drei Jahren aber wurde Bock wieder in den Verband, der inzwischen unter der Leitung seines ehemaligen Trainerkollegen Pfüller stand, zurückgeholt. Ähnlich wie Bock hatte auch Pfüller seine Trainerkarriere in der DDR in den 70er Jahren in Zinnwald begonnen.

Der ab 1985 amtierende, einstige DDR-Biathlon-Verbandstrainer Wilfried Bock vom Polizei-Sportclub Dynamo Zinnwald, der heute als Biathlontrainer am Bundesstützpunkt des Deutschen Skiverbandes in Altenberg tätig ist, war nicht nur in das DDR-Dopingsystem einbezogen. Der 62-jährige Bock, der derzeit neben anderen den Staffel-Olympiasieger von Turin, Michael Rösch und die zweifache Junioren-Weltmeisterin, Nicole Wötzel betreut, hat auch über 15 Jahre lang als Inoffizieller Mitarbeiter für den DDR-Geheimdienst gearbeitet.

Im März 1974 hatte sich Bock handschriftlich zur Unterstützung des Ministeriums für Staatssicherheit verpflichtet. Zum Zweck der Konspiration wählte er sich den Decknamen "Klaus Berger". In einem seiner ersten Berichte informierte Bock die Stasi schriftlich über einen DDR-Biathleten, der bei der Weltmeisterschaft in Minsk mit Sportlern und Trainern der Bundesrepublik getrunken habe.

Kurz darauf wurde Bock bereits als sogenannter Führungs-IM eingesetzt. In dieser herausgehobenen Position instruierte Bock laut Aktenlage zehn Jahre lang mehrere Inoffizielle Mitarbeiter. Darunter auch den damaligen Biathlon-Staffel-Weltmeister Eberhard Rösch, der heute Wettkampfbeauftragter des DSV ist. Bis zum Mauerfall informierte der Stasi-Zuträger Bock über Westkontakte, politische Unzuverlässigkeiten, Alkoholdelikte, Eheprobleme und Intim-Kontakte von Athleten, Trainern und Funktionären. Von der Stasi erhielt Bock, der den Dienstgrad "Major der Volkspolizei" trug, zahlreiche Geldprämien und Präsente als Anerkennung für seine inoffizielle Zusammenarbeit.

Mit den Doping-Vorwürfen gegen den heutigen Herrn-Biathlon-Trainer Frank Ullrich beschäftigte sich auch die Sendung Sport am Samstag im Deutschlandfunk.

Zu dem Thema äußerte sich auch der ARD-Dopingexperte Hans-Joachim Seppelt und der Ex-Biathlet Jens Steinigen im DLF-Gespräch.

Die ehemalige Sportfunktionärin Sylvia Schenk hält es im DLF-Gespräch für ein falsches Signal, wenn ohne Diskussion und ohne Aufarbeitung Personen im Sport Verantwortung tragen, die früher auf Doping gesetzt haben.


 
 

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