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28.02.2006
Wenn das Flimmern auftritt kommt erste Hilfe. (Bild: AP) Wenn das Flimmern auftritt kommt erste Hilfe. (Bild: AP)

Hightech für das Herz

Frühwarnsystem erkennt Vorhofflimmern

Von Mirko Smiljanic

Vorhofflimmern ist die häufigste und klinisch wichtigste Herzrhythmusstörung. Immerhin sind ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen, bei den über 50-Jährigen klettert der Wert auf 20 Prozent. Allerdings hat die Krankheit eine fatale Eigenschaft: Viele Menschen spüren keine Symptome. Das soll sich ändern, sagten Mediziner der Universitätsklinik Bonn, und entwickelten ein Frühwarnsystem.Der Herzschlag eines gesunden Menschen, ruhig und gleichmäßig. Manchmal aber gerät er aus dem Takt, in vielen Fällen diagnostizieren Kardiologen dann Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine schnelle irreguläre Erregung der Herzvorhöfe, diese schnelle irreguläre Erregung pflanzt sich dann auf die Hauptkammern fort und produziert einen unregelmäßigen Herzschlag und auch Blut- und Kreislaufschwankungen,...

…sagt Dr. Thorsten Lewalter, Oberarzt am Klinikum der Universität Bonn. Zu den Ursachen von Vorhofflimmern zählen Durchblutungsstörungen des Herzens und Herzklappenfehler, bei älteren Patienten tritt das Leiden aber auch schon mal ohne erkennbaren Grund auf. Unbehandelt kann das Blut in dem flimmernden Vorhöfen zu kleinen Klumpen gerinnen, die mit dem Blutstrom fortgeschwemmt ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen. Vorhofflimmern ist eine schwere, mitunter tödlich verlaufende Krankheit. Fatal ist allerdings, dass viele Patienten das Flimmern nicht bemerken.

Das macht das ganze zu einer tückischen Angelegenheit: Ein Teil der Patienten spürt sehr gut, wann und ob er Vorhofflimmern hat, bei einem anderen Anteil von Patienten gibt es aber gar kein Empfinden für das Vorliegen von Vorhofflimmern.

Für diese Gruppe hat die Universität Bonn ein weltweit einmaliges Frühwarnsystem entwickelt. Dabei machen sich die Mediziner zunutze, dass viele Patienten mit Vorhofflimmern Herzschrittmacher tragen.

Diese Herzschrittmacher haben neben der Herzschrittmacherfunktion eine Zusatzmöglichkeit, indem sie im Herzinneren ableiten, ob Vorhofflimmern auftritt, das kann man sehr exakt definieren und über die Elektrode, die der Schrittmacher im Herzen hat, sehr genau erfassen.

Unmittelbar im Herzen messen Sensoren die elektrischen Impulse, speichern die Daten auf einem winzigen Chip und senden sie anschließend nach außen. Mediziner sprechen vom Homemonitoring.

Der Schrittmacher hat noch eine Antenne zusätzlich in seinem Gehäuse und diese Antenne funkt zu einem genau definierten Zeitpunkt, in der Regel wird sie das nachts tun, an einen Empfänger, der befindet sich in der Nähe des Patient, vielleicht auf dem Nachttisch, und dieser Empfänger sendet dann in Handytechnologie diese Nachricht eben weiter an das Servicezentrum, das ist die eigentliche Meldekette.

Im Servicezentrum analysiert eine Software die Daten und schlägt bei Bedarf Alarm. Glücklicherweise ist Vorhofflimmern keine akut gefährliche Krankheit wie etwa ein Herzinfarkt, sodass dem Patienten noch ein paar Stunden für medizinische Hilfen bleiben.

Entscheidend ist, wenn das bei dem Patienten nicht bekannt war und der Patient auch nicht geschützt ist durch eine Blutverdünnung, entscheidend ist, dass dann innerhalb weniger Tage eine Reaktion erfolgt. Ich sage mal, das tritt auf, das wird in der Nacht gemeldet und am Folgetage oder innerhalb von 48 Stunden wird das ganze registriert und dann kann man zeitnah Maßnahmen einleiten wie zum Beispiel eine Blutverdünnung.

Das System funktioniert überall, wo es Mobilfunknetze gibt, also fast weltweit. Technisch ist es ausgereift, trotzdem gibt es noch ein paar unbeantwortete Fragen, die zurzeit im Rahmen einer Studie mit 1000 Patienten beantwortet werden sollen. Zunächst geht es darum, ob die Zahl der Schlaganfälle tatsächlich sinkt. Und es geht in einem zweiten Schritt…

…natürlich auch um eine ökonomische Komponente heutzutage, nachzuweisen, dass das ganze kosteneffizient ist, dass das eingesetzte Geld, was eine Mehrbelastung darstellt, sich auch in einer verbesserten Gesundheit der Patienten niederschlägt und deshalb auf längere Sicht reduzierte Kosten produziert.

Für den 51-jährigen Karl Stümper steht dieser Punkt nicht im Vordergrund. Er zählt zu den drei Patienten mit Vorhofflimmern, die schon heute mit dem Frühwarnsystem überwacht werden.

Für mich persönlich ist das beste, dass man den unmittelbaren Kontakt zum Arzt hat.

Eine Erfahrung, die viele Patienten machen werden: Wenn das Flimmern auftritt, ist sofort Hilfe da. Ein beruhigendes Gefühl!

Jetzt habe ich natürlich durch diesen Herzschrittmacher das Gefühl und das Empfinden, dass einerseits das Herz stabilisiert worden ist und dass ich andererseits durch das Homemonitoring laufend mit dem Arzt verbunden bin.



 
 

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