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06.02.2007
Ganz schön laut: "Die Walküre" bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth (Bild: AP) Ganz schön laut: "Die Walküre" bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth (Bild: AP)

Tannhäuser mit Stöpseln im Ohr?

Wie Profimusiker vor Schwerhörigkeit bewahrt werden

Von Thomas Wagner

Anfang des Jahres hat die Europäische Union eine neue Richtlinie gegen Lärm am Arbeitsplatz erlassen. Die Richtlinie soll auch Musiker schützen. Das Problem ist nur: Die Richtlinie ist im Orchestergraben alles andere als einfach umzusetzen.

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Werk von Vivaldi in normaler Qualität, also wahrgenommen mit ungeschädigtem Gehör. - Und jetzt hören wir die Simulation eines Gehörschadens, wie er zu erwarten ist bei einem Posaunisten von 60 Altersjahren, der während seiner ganzen Berufsbelastung der typischen Lärmbelastung von 90 dB ausgesetzt war und ein wenig zu den lärmempfindlichen Personen gehört.

so der Schweizer Physiker Beat Hohmann. Im Auftrag der Schweizerischen Unfallversicherung hat Hohmann ungezählte Konzertsäle, Opernhäuser und Probenräume mit speziellen Mikrofonen bestückt. Seine Messungen hoben immer auf die gleiche Fragestellung ab: Wie hoch ist die Schallbelastung für den einzelnen Musiker?

Also leider muss man sagen, dass im Orchester, im klassischen Symphonieorchester, alle Instrumente über den Grenzwerten liegen. Besonders stark ist das naturgemäß bei den Blechblasinstrumenten der Fall, also Trompeten und Posaunen. Die erreichen einen Langzeit-Mittelwert von 95 Dezibel. Der Grenzwert wäre bei 85; erste Maßnahmen wären aber schon ab 80 Dezibel zu ergreifen.

Ergebnis: Viele langjährigen Berufsmusiker leiden an Hörschäden. Frank Wahl ist Berufsmusiker in Wiesbaden. Seit Jahrzehnten spielt er Oboe.

Im Orchester selber wird nur geäußert, dass sie zum Betriebsarzt gehen, dass sie merken: Das Gehör wird schlechter. Und gerade in diesem Kreis, unter den Kollegen, die Gehörprobleme bekommen, wird das ständig diskutiert.

Nach einer Erhebung des Freiburger Institutes für Musikermedizin klagen zwei Drittel aller Berufsmusiker über mehr oder minder schwere Hörschäden. Allerdings verwenden nur etwa ein Sechstel auch tatsächlich eigens entwickelte Hörhilfen, die den Schalldruck mindern sollen. Dies hängt damit zusammen, dass sich technologisch ausgereifte Lösungen entweder noch in der Entwicklungsphase befinden oder relativ neu auf dem Markt sind. Verhältnismäßig verbreitet sind die so genannten "Tannenbäumchen". Professor Bernhard Richter, Leiter des Freiburger Zentrums für Musikermedizin:

Als Tannenbäumchen wurden von uns hier bestimmte Gehörschutzhilfen, die die Form eines Tannenbäumchens haben, bezeichnet. Das sind Gehörschutzmittel, die über verschiedene Lamellen verfügen, Lamellen verschiedener Durchmesser, damit sie sich an verschiedene Gehörgangsgrößen anpassen. Die von uns so bezeichneten Tannenbäumchen haben eine lineare Frequenzcharakteristik. Das heißt: Alle Frequenzen werden gleich abgeschwächt und nicht nur die Hochfrequenzen. Sonst gäbe es Verzerrungen. Und die sind für Musiker besonders unangenehm.

Diese "Tannenbäumchen" im Ohr arbeiten mit einer mechanischen Membrantechnik, ebenso so genannte Orchester-Schallschutzwände aus Plexiglas. Das sind Tafeln, so groß wie ein Verkehrsschild, die in einer bestimmten Anordnung zwischen den Orchestermusikern aufgestellt werden, so der Schweizer Physiker Beat Hohmann:

Sie sollen auch eine Trennung bewirken zwischen den lauten Instrumenten hinten und den gefährdeten Musikern vorne. Wichtig ist, dass diese Schallschutzwände den Schall nicht wieder zurückwerfen, zum Beispiel zum Posaunisten dahinter. Sondern der Schall muss nach oben abgelenkt werden. Diese direkte Reflexion nach hinten, die sofort zu Klagen führt, muss man vermeiden.

Die erfordert eine ganz bestimmte Beschaffenheit dieser Schallschutzwände im Orchester.

Man kann das durch einen zweischichtigen Aufbau erreichen, bei dem die hintere Platte gelocht ist und die vordere, die ist dann durchgängig. Oder man kann mit einer dünnen Absorptionsschicht doch den Schall gezielt hinten blocken.

Schließlich wird derzeit auch eine Neuentwicklung aus Schweden erprobt.

Das ist eine Art Lärmschutz-Kopfstütze. Sie umschließt den Kopf des Musikers von hinten und seitlich und schützt ihn damit vor lauten Instrumenten, die hinter ihm sitzen, zum Beispiel Trompeter, Posaune. Der große Vorteil bei diesem System ist, dass der Musiker, wenn er sich etwas nach vorne bewegt, aus dem Schutzsektor herauskommt und dann völlig unbehindert hört. Und das kommt dem Wunsch der Musiker, dass sie selbst situativ über die Schutzwirkung bestimmen können, sehr nahe.


 
 

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