Mein lieber Vater, dramatische und ereignisreiche Tage liegen hinter uns, mancherlei Gefahren gingen vorüber, man war jeden Tag froh, das Leben neu geschenkt erhalten zu haben. Heute nun komme ich zu Dir, unserem geliebten alten Herrn, weil ich ausser Dir nur mit Liesl so ein ernstes Wort sprechen kann. Am 13. Januar schreibt der Gefreite Anton Rieser einen letzten Brief aus dem Kessel von Stalingrad. Der Ring um die Reste der 6. deutschen Armee ist undurchdringlich geworden, der Versuch, ihn von Süden her zu durchbrechen, ist kurz vor Weihnachten gescheitert. Der Gefreite Anton Rieser nimmt Abschied; später erfahren seine Angehörigen, dass er vermisst wird.
Liebe Lies! Unsere Kompanie ist nicht mehr, und wir werden mal sehen, was es in den nächsten Tagen gibt, und dann werden wir vorn in Stellung bei anderen Einheiten sein. Der Gefreite Heinz Risse am 13. Dezember an seine Frau. Er kommt nicht nach Hause. Irgendwo zwischen Wolga und Don, im Kessel um Stalingrad ist er verschollen. Wie Tausende seiner Kameraden der 6. Armee in jenem Winter 1942/43.
Es ist dem Russen zwar schonmal gelungen, die Deutschen einzukesseln, aber bisher ist der Kessel immer durchbrochen worden. Und wir werden auch wieder herausgepaukt werden. Dessen bin ich sicher. Zumal ein Tagesbefehl des Führers uns bestimmte Hilfe versprochen hat. Du brauchst Dir also nicht die geringsten Sorgen zu machen, das ist völlig unnötig.
Unser aller größter Wunsch wird ja wohl sein, dass dieses Jahr uns das Kriegsende bringen möge. Aber das wage ich nicht zu hoffen, sondern wünsche bescheiden, dass wir weitere Siege erringen mögen. Der Neujahrsgruß des Unteroffiziers Walter Kahre an seine Familie Anfang 1943. Zehn Tage später wird Kahre als vermisst gemeldet. - Die Sehnsucht nach Frieden oder zumindest nach einem Ausweg aus ihrer prekären Lage, das ist das zentrale Thema in vielen Briefen deutscher Soldaten aus Stalingrad zum Jahreswechsel. Und der Wunsch, bald heimzukehren. Der Gefreite Heinz Risse:
Nun sind es schon drei Wochen her, dass ich keine Post von Dir erhalten habe. Ich hatte Dir doch am 14. November per Luftpost geschickt, ist der schon angekommen? Schreib mir gleich wieder, wenn Du diesen Brief erhältst. Ich warte sehnsüchtig darauf. Der Obergefreite Wolfgang Berg am 7. Dezember 1942 an seine Frau. Die Feldpost, für Soldaten immer schon wichtig, ist zu einer geradezu lebensnotwendigen Verbindung nach Hause geworden. Aber für die eingeschlossenen Soldaten wird diese Verbindung immer brüchiger.
Ihr werdet Weihnachten ohne mich feiern müssen und ich ohne Euch, weit entfernt in russischer Steppe und Einsamkeit. Mir werden keine Weihnachtsglocken läuten, aber in Gedanken werde ich dann doch bei Euch weilen, werde ich den Christbaum vor mir sehen - aber leider nur in Gedanken. Walte Gott, dass das die letzte Kriegs-Weihnachten sein wird. Der Obergefreiter Erwin Guhl, weiß schon am 11. November, zehn Tage, bevor sich der Ring um Stalingrad schließt, dass er keinen Urlaub bekommen wird. Er wird am Januar 1943 vermisst gemeldet.
Mehr zur Sendung:
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
Morgenandacht 13.02.2012
Sendezeit: 13.02.2012, 06:35
Verbrauchertipp: Wenn Mieter beim Auszug etwas zurücklassen
Sendezeit: 13.02.2012, 06:25
1 Monat nach Costa Concordia Katastrophe beginnt Abpumpen des Schweröls
Sendezeit: 13.02.2012, 06:22
dradio-Recorder
im Beta-Test: