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15.06.2013
Ob es wirklich Dunkle Materie in den Galaxien gibt, ist noch immer nicht restlos geklärt (Bild: NASA, ESA) Ob es wirklich Dunkle Materie in den Galaxien gibt, ist noch immer nicht restlos geklärt (Bild: NASA, ESA)

Andere Kraft statt Dunkler Materie?

Von Dirk Lorenzen

Die Astronomen verfolgen genau, wie Sterne und Galaxien durch das All laufen. Doch diese Bewegung lässt sich nur verstehen, wenn im Kosmos viel mehr Materie anziehend wirkt, als in den Teleskopen zu sehen ist.

Diese Dunkle Materie gehört längst zum Standardmodell der Kosmologen. Sie scheint nicht aus der uns vertrauten Materie zu bestehen, sondern aus bisher unbekannten Teilchen.

Es wird oft vergessen, dass es noch eine zweite Möglichkeit gibt, die ungewöhnliche Bewegung der Himmelsobjekte zu erklären: Vielleicht wirkt dort nicht mehr Materie, als zu sehen ist - vielleicht wirkt einfach die Schwerkraft anders.

Vor dreißig Jahren hat der israelische Astrophysiker Moti Milgrom eine neue Gravitationstheorie formuliert. Nach der Modifizierten Newtonschen Dynamik - kurz MOND - ändert sich die Schwerkraft bei sehr schwachen Werten.

Damit lassen sich manche Phänomene im Kosmos erklären, ohne dass die ominöse Dunkle Materie notwendig wäre. Allerdings ist noch völlig unklar, ob die MOND-Theorie tatsächlich Aufbau und Entwicklung des ganzen Universums erklären kann.

Den meisten Astronomen erscheint der MOND-Ansatz zu konstruiert - denn es gibt keinen offensichtlichen physikalischen Grund, weshalb sich die Schwerkraft bei geringer Stärke plötzlich ändern sollte. Aber es gibt auch keinen, der dagegen spricht - und auch das aktuelle kosmologische Standardmodell fußt zum Teil auf Phänomenen, die buchstäblich vom Himmel fallen.

Ob MOND oder eine andere Theorie: Über unsere Schwerkraft ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen.

Grundlegende Informationen zur MOND-Theorie [http://www.astro.umd.edu/~ssm/mond/]

Informationen zur Dunklen Materie [http://www.usm.uni-muenchen.de/people/saglia/dm/galaxien/alldt/node41.html]

Der israelische Astrophysiker Moti Milgrom [http://www.weizmann.ac.il/weizsites/milgrom/]