SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wünscht sich ein höheres Kanzler-Geld. (Bild: picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück greift nur zu Rotwein über fünf Euro, lässt sich seine Vorträge gut entlohnen und wünscht sich nun noch ein höheres Kanzlergehalt. Kaum zu glauben, meint Norbert Seitz vom Deutschlandfunk, aber der Medienprofi macht einen Fehler nach dem anderen - und alle haben sie mit Geld zu tun.
Fast scheint es so, als seien seine Tage bereits gezählt. Denn der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schaffte es binnen weniger Wochen, selbst von der ihm nahestehenden Presse nicht mehr verstanden zu werden. Was zunächst wohl wie eine Lobesfanfare auf den enormen Aktionsradius der Kanzlerin klingen sollte, geriet beim hanseatischen Herumposaunisten Peer Steinbrück zum schrillen misstönigen Eklat.
Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdiene in Deutschland zu wenig - so Steinbrück - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen müsse, und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten wie der eines Sparkassendirektors in Nordrhein-Westfalen mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.
Der Politprofi hätte wissen müssen, dass es sich beim Thema der angeblich unterbezahlten Politik um eine unpopuläre ewig aufkeimende Debatte handelt, die gerade von opulenten Nebenverdienern und Parlamentsschwänzern in der Politik immer wieder gerne losgetreten wird. Wo schon das Thema Diätenerhöhung traditionell für erhitzte Gemüter an den Stammtischen sorgt, sind Steinbrücks Gedankenspiele in Zeiten der öffentlichen Empörung über gigantische Gehälter und unverschämt hohe Boni erst recht unstatthaft. Zumal wenn es bei der geforderten Gehaltserhöhung um einen Job geht, den der vollmundige Kritiker gerade anstrebt
Besonders schmerzlich dabei für die demoskopisch stagnierenden Sozialdemokraten, dass ihr Kandidat der eher wunschlos glücklichen Kanzlerin eine maßgerechte Steilvorlage präsentierte, die sich Merkel nicht entgehen ließ, als sie zufrieden verkündete, sie werde vollkommen ausreichend bezahlt. Als deprimierend muss der Kandidat auch die schroffe Absage ihres Amtsvorgängers empfunden haben. Wem die Bezahlung als Politiker zu gering sei, der könne sich um einen anderen Beruf bemühen. So der bisherige Steinbrück-Förderer Gerhard Schröder, der es schließlich wissen muss.
Kaum zu glauben, aber der Medienprofi Steinbrück macht einen Fehler nach dem anderen. Und alle haben sie mit Geld zu tun. Selbst dann, wenn er nur seinen bei Aldi kaufenden Stammwählern versichert, keinen Rotwein unter fünf Euro anzurühren. Vor allem hat ihm seine Inszenierung "Ich lebe selbst Transparenz" weder einen Ehrlichkeitsbonus noch bessere Sympathiewerte eingebracht, obwohl er mit gutem Beispiel vorangehen wollte und zugab, für 89 Vorträge 1,2 Millionen kassiert zu haben.
Und noch drei Tage vor seiner offiziellen Krönung zum Kanzlerkandidaten kam er wegen eines geplanten Vortrags ins Gerede, den er bei einer in die Prüfung geratenen Schweizer Bank hätte halten sollen. Man muss wohl eher ein Psychologe der Macht sein, um ergründen zu können, welche Motive sich hinter den fast unerklärlichen Flops des häufig großmäulig auftretenden Spitzenmannes verbergen könnten. Ist es die stille Enttäuschung, mit seiner Kandidatur bisher - außer seiner eigenen Anpassung an die Partei - kaum etwas bewegt zu haben? Oder fühlt er sich vom absoluten Vorrang des Wahlkampfthemas "Gerechtigkeit" von seinen Genossen zusehends programmatisch eingemauert, sodass er seine Lieblingsrolle als Brückenschläger zu Wählern der neuen Mitte kaum noch wird wahrnehmen können?
Oder stören ihn am Ende gar die lästigen Bodyguards von links à la Ralf Stegner, die jede sachpolitische Äußerung Steinbrücks auf Parteilinie nachzukommentieren pflegen, um dem Kandidaten damit auch die Illusion der beanspruchten Beinfreiheit zu nehmen? Noch ist nicht daran zu glauben, dass sich die SPD im Jahr der Bundestagswahl und ihres 150-jährigen Bestehens den bislang einzigartigen Flop eines vorzeitigen Verzichts ihres Kanzlerkandidaten wird leisten können. Um solchen Gau zu verhindern, wird aber der Spitzenmann mit dem ausgeprägten Ego wohl noch mehrmals über seinen Schatten springen müssen.
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Ein Kandidat mit Gehaltsvorstellungen - Die Debatte um Kanzlereinkünfte
Sendezeit: 05.01.2013 13:20
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