In Barcelona tagt die Vorbereitungskonferenz zum Klimagipfel im Dezember - und die Teilnehmer werden mit Sicherheit viele klimaschädliche Gase produzieren: Die meisten dürften per Flugzeug angereist sein. Für eine etwas andere Veranstaltung in dieser Woche gilt das nicht: Die zweite e-Klimakonferenz "Klima 2009" findet komplett im Internet statt - die Teilnehmer müssen also gar nicht reisen.
"Sehr geehrter Nutzer, nutzen Sie die Gelegenheit, die Ihnen angeboten wird: Wir haben eine sehr interessante Reihe von Beiträgen, sie können sich informieren, sie können sich austauschen und sich vernetzen. Wir wünschen ein gutes Gelingen mit unserer Online-Veranstaltung."
Klima2009 - der Name ist simpel, und die Idee eigentlich auch: zum zweiten Mal veranstaltet die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg unter Anleitung von Professor Walter Leal diese weltweite Online-Klimakonferenz:
"Bangladesh is suffered from yearly floods and storms. But many scientists have concluded, that climate change is now making these events worse."
Videos auf der Website www.klima2009.net zeigen die Folgen des Klimawandels: In Bangladesh, Kambodscha oder Mosambik. Die Videos sind jedoch nur ein Randaspekt. In erster Linie sollen sich die User über die aktuelle Klimaforschung aus aller Welt informieren - größtenteils in wissenschaftlichen Beiträgen, und sich vor allem austauschen, sagt Professor Walter Leal. 100 Beiträge, sogenannte Papers, haben Wissenschaftler für diese Konferenz erstellt:
"Die Experten stellen ihre Arbeiten dar. Wir hoffen aber, dass dieser Austausch nicht nur zwischen Experten, sondern auch zwischen Experten und Regierungsbehörden stattfindet. Zwischen Experten und Firmen, die sich für den Klimawandel interessieren."
Die Konferenz ist also zum einen ein wissenschaftliches Symposium, was von einem öffentlichen Diskussionsforum begleitet werden kann. So finden bis zum 6. November täglich live-Chats mit Experten statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die ökonomischen, sozialen und politischen Aspekte des Klimawandels. Eine Klimawandel-Bibliothek soll eine vertiefte Recherche ermöglichen - auch Schulen sollen angesprochen werden. Walter Leal, der in Brasilien geboren wurde, hofft, dass neue Partnerschaften und Projekte angestoßen werden, die den Klimawandel einzudämmen versuchen. Ein virtuelles schwarzes Brett soll helfen, geeignete Partner zu generieren - globale Vernetzung mit wenigen Mausklicks. So findet ein internationaler Austausch statt, ohne dabei das Klima zu belasten:
"Die Konferenzen im Netz sind zwar ein Trend, sie werden aber nie - das hoffe ich auch persönlich - nie die herkömmlichen Veranstaltungen ersetzen"
, macht Walter Leal deutlich:
"Der Nachteil ist natürlich, dass man die Art von direktem Gespräch nicht führen kann. Also die persönlichen Kontakte würden darunter leiden. Deshalb ist der Gedanke nicht, die normale Veranstaltung zu ersetzen, sondern nur zu ergänzen."
Eine Idee, die ankommt: Renommierte Partner von Klima2009 sind unter anderem die Weltorganisation für Meteorologie WMO, Das Umweltprogramm der vereinten Nationen oder die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit. Am Vorabend der Klimakonferenz in Kopenhagen kann eine solche Veranstaltung im Netz die Menschen noch einmal sensibilisieren: Klimaexperte Walter Leal ist sich sicher, dass…
"…Kopenhagen kann nur gelingen, wenn die Industrieländer - unter anderem auch Deutschland - sich darauf einigen, Mittel zur Verfügung zu stellen, so dass all die armen Länder sich an der Klimawandel-Bekämpfung beteiligen können. Ansonsten wird es kein großer Erfolg werden."
Damit die e-Klimakonferenz ein Erfolg wird, hofft Leal auf eine große Teilnehmerzahl. Im vergangenen Jahr, bei der ersten Klimakonferenz im Netz konnten mehrere hundert Tausend Menschen erreicht werden. In diesem Jahr hoffen die Veranstalter, die eine Millionengrenze zu erreichen.
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