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12.11.2009
Die meisten Haushaltsgeräte gehören der Energieklasse A an. (Bild: AP) Die meisten Haushaltsgeräte gehören der Energieklasse A an. (Bild: AP)

Warnung vor Stromfressern

Verbraucherschützer fürchten EU-Reform des Energielabels

Von Mirjam Stöckel

In Brüssel wird über derzeit eine neue Gestaltung des Energielabels verhandelt - und die könnte aus der nützlichen Entscheidungshilfe ein reines Verwirrspiel machen, fürchten Verbraucherschützer.

Seit rund elf Jahren klebt das Energielabel in ganz Europa auf Gefriergeräten, Backöfen, Klimaanlagen und anderen Haushaltsgeräten: Sieben Klassen von A bis G, farblich gekennzeichnet - die sparsamsten Geräte Klasse A und grün, die teuren Energieschleudern Klasse G und rot. So wissen die Kunden sofort, welches Modell den Geldbeutel und die Umwelt schont. Für Sylvia Maurer vom europäischen Verbraucherschutzverband BEUC eine echte Erfolgsgeschichte. Und es sei ganz offensichtlich,

"dass die Verbraucher so stark die A-Geräte nachgefragt haben, dass mittlerweile in eigentlich allen Produktgruppen die Geräte in A oder besser sind. Das heißt: Die meisten Waschmaschinen sind A, die Kühlschränke sind A. Ich glaube, bei Kühlschränken entfallen nur noch fünf Prozent des Marktanteils auf B bis G. Das heißt, die Verbraucher sind auch nicht mehr wirklich interessiert, Geräte neu anzuschaffen, die in den unteren Energieeffizienz-Klassen liegen."

Doch mit der eindeutigen Kennzeichnung der Elektrogeräte könnte schon bald Schluss sein, fürchtet Maurer: Denn der EU-Ministerrat und das EU-Parlament verhandeln im Augenblick darüber, das bisherige Label zu überarbeiten. Die wichtigste Änderung, die sich dabei abzeichnet: Es soll für viele Haushaltsgeräte Energieeffizienz-Klassen oberhalb von A geben - ähnlich wie heute schon bei Kühlschränken. A plus, A plusplus, A plusplusplus und vielleicht sogar noch mehr Pluszeichen - da könne der Käufer nicht mehr erkennen, welches das beste Gerät sei, fürchtet Sylvia Maurer.

"Und er kann auch nicht wissen, ob es in einem anderen Geschäft vier, fünf oder sechs Plus noch gibt. Das heißt, es ist nicht klar und es wird dem Verbraucher schwer gemacht, sich für die besten und energieeffizientesten Geräte auf dem Markt zu entscheiden. Das ist ein Problem, weil wir schon in den letzten Jahren gesehen haben, dass Energieeffizienz immer mehr zum kaufentscheidenden Kriterium wird und die Verbraucher sich für energieeffiziente Geräte interessieren."

Maurer fordert: die bisherige Energieeffizienz-Einteilung von A bis G beizubehalten und technisch veraltete Energiefressergeräte in regelmäßigen Abständen herabzustufen - statt neue Kategorien über A einzuführen. Die Geräteproduzenten dagegen können mit diesem Reformplan durchaus leben - auch wenn sie ursprünglich noch mehr Klassen-Freiheit wollten. Werner Scholz vom Herstellerverband ZVEI:

"Wir wollten eine Skala mit Ziffern, mit Zahlen: Eins ist die schlechteste Energieeffizienz und dann nach oben offen. Was sich jetzt abzeichnet, ist ein Kompromiss - ja, Politik ist die Kunst, Kompromisse zu schließen - und ich glaube, dass es sehr wohl in der Mitte liegt dessen, was sich die verschiedenen Beteiligten vorgestellt haben."

Doch auch aus dem Europaparlament kommt Kritik an den Reformplänen, die sich im Augenblick abzeichnen: Plusklassen oberhalb von A verwässerten das bisherige System und gäben Verbrauchern keine klare Entscheidungshilfe mehr für die energieeffizientesten, umweltfreundlichsten und CO2-sparenden Geräte, sagt die Grünenabgeordnete Rebecca Harms - ein völlig falsches politisches Zeichen, findet sie:

"Das, was sich jetzt entwickelt als Auseinandersetzung um dieses A-Plusplus-Label, zeigt noch mal, dass noch nicht wirklich richtig konsequent Politik gemacht wird hier in Brüssel, sondern dass kurzfristige Industrie- und Wirtschaftsinteressen dann doch immer wieder dem mittel- und langfristigen Klimaschutz oder Energieeffizienz-Ziel im Weg stehen."

Weniger Klarheit und dadurch weniger Klimaschutz durch mehr Energieeffizienz-Klassen? Werner Scholz vom Herstellerverband ZVEI kann diese Sorge nicht nachvollziehen:

"Wir glauben fest daran, dass das Etikett, wenn es so kommt, wie es jetzt in der Diskussion ist, zu mehr Energieeffizienz im privaten Haushalt beitragen wird."

Noch ringen die 27 EU-Regierungen und die Europaabgeordneten um den endgültigen Kompromisstext. Eine nächste Verhandlungsrunde ist für den 17. November angesetzt - und spätestens im Dezember soll die Label-Reform unter Dach und Fach sein. Eins ist dabei aber jetzt schon klar: Das neue Etikett wird in Zukunft auf deutlich mehr Haushaltsgeräten kleben als bisher - auf Staubsaugern und Fernsehgeräten zum Beispiel.


 
 

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