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18.11.2009
Überschwemmungen im Norden Indiens (Bild: AP) Überschwemmungen im Norden Indiens (Bild: AP)

Verantwortung für den Klimaschutz

Hilfsorganisationen fordern konsequente Klimapolitik

Von Verena Kemna

Über die entwicklungspolitische Sicht auf die Klimaverhandlungen in Kopenhagen diskutieren seit Dienstag Vertreter von verschiedenen Hilfsorganisationen - und fordern besonders von der deutschen Bundesregierung, sich wieder mehr für das Klima einzusetzen.

Vertreter von Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen erörtern hier in Berlin vor allem die entwicklungspolitischen Aspekte der Klimaverhandlungen. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, sieht für Kopenhagen zwei mögliche Szenarien. Eine bloße politische Absichtserklärung wäre eine umweltpolitische Katastrophe. Das zweite Szenario ist ein rechtlich verbindliches Klimaabkommen mit klaren Reduktionszielen für die Industrieländer und Klimaschutzverpflichtungen für die Schwellenländer.

"Wo die finanziellen Verpflichtungen für den Regenwaldschutz und für die Anpassungsbemühungen der besonders Betroffenen für die Industrieländer festgestellt werden. Wo ein ambitioniertes Frühstartpaket, was am 1.1.2010 beginnt, beschlossen wird und wo eine Nachbesserungsmöglichkeit nach dem nächsten IPCC Bericht 2015 festgelegt wird, wo dann die Emissionsziele, die Finanzziele, noch mal nachgebessert werden können."

Ein fix und fertig ratifizierbares Abkommen hält er allerdings für unrealistisch. Doch Christoph Bals hofft, dass in Kopenhagen klare Entscheidungen fallen. Im Vorfeld der Verhandlungen könnten Deutschland und die EU eine Vorreiterrolle übernehmen. Der Vertreter von Germanwatch setzt auf eindeutige politische Signale vor allem seitens der Bundesregierung.

"Das sie klar macht, wir sind bereit unsere Finanzverpflichtungen für die Ärmsten der Welt, die heute und erst recht in der Zukunft das ausbaden, was wir losgetreten haben. Dass wir dieser Verantwortung gerecht werden und bereit sind, jetzt das notwendige Geld zur Unterstützung dieser Menschen auf den Tisch zu legen. So ein Signal von Deutschland und der EU kann der entscheidende Durchbruch sein, um andere Industrieländer mitzuziehen, um zu sagen wir können tatsächlich jetzt noch diesen Felsblock in dem reißenden Fluss hinbekommen."

In Kopenhagen geht es um eine Weltrevolution, meint Christoph Bals.

"Das passiert nicht einfach ohne Bremsklötze und Verzögerungen. Wir stehen vor einem reißenden Fluss, wo wir die einzelnen Steine ertasten müssen. Ganz zentral ist, dass Kopenhagen in diesem reißenden Fluss ein Felsbrocken wird und nicht ein Sandhaufen."

Für Nicole Piepenbrink vom Hilfswerk Misereor sollte in Kopenhagen das Schicksal der Menschen in den Entwicklungsländern im Mittelpunkt stehen. Als Referentin für Klimawandel und Ernährungssicherheit ist sie weltweit unterwegs. Sie weiß aus eigener Anschauung, wie in Bangladesch immer häufigere Stürme und anhaltende Überflutungen das Überleben der einheimischen Bevölkerung bedrohen:

"Also ich bin da mit Booten über ehemalige Reisfelder gefahren. Die Ernten sind komplett zerstört, die Leute sind aber natürlich in ihrer Existenz davon abhängig. Deren Häuser sind zerstört, sie müssen teilweise Schutz suchen in Schulen, die völlig überfüllt sind, wo natürlich kein Schulunterricht mehr stattfinden kann. Die Leute haben keine sanitären Anlagen und das über einen sehr langen Zeitraum. Das heißt, eine Katastrophe kann deren Leben für die nächsten zehn, zwanzig Jahre massiv beeinflussen."

Sie hofft auf ein gerechtes und ambitioniertes Klimaabkommen. Auch Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung erwartet die Verhandlungen beim Klimagipfel mit Zweckoptimismus.

"Kopenhagen ist wichtig, auch den Druck beizubehalten. Weil wir dann hoffen, dass wenigstens ein halbes Jahr nach Kopenhagen so etwas wie ein gutes völkerrechtlich verbindliches Abkommen herauskommt."


 
 

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