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04.03.2010
Pflanzen bestimmen mit einem Smartphone (Bild: Deutschlandradio / Bettina Straub) Pflanzen bestimmen mit einem Smartphone (Bild: Deutschlandradio / Bettina Straub)

Software im Feldversuch

Tier und Pflanzen bestimmen mit dem Smartphone

Von Ludger Fittkau

Biologen, die mit Stift und Landkarte im Wald unterwegs sind - das war einmal. In Zukunft könnte das Smartphone ihr wichtigstes Arbeitsgerät werden. Experten von Naturschutzorganisationen in Rheinland-Pfalz testen zur Zeit im Auftrag des Landesumweltministeriums eine Software namens Artenfinder. Damit soll das Vorkommen seltener Tiere und Pflanzen erfasst werden.

Ein Handy ersetzt Papier und Bleistift, Fotoapparat und Kompass - Utensilien, mit denen Oliver Röller früher in den Wald zur Artenbestimmung gegangen ist. Röller ist Geschäftsführer des 3000 Mitglieder zählenden pfälzischen Naturforschervereins Pollichia.

Der Biologe ist Spezialist für Moose. Heute hat er im Wald mit dem neuen Artenfinder gearbeitet, den er im Auftrag der Landesregierung von Rheinland-Pfalz gerade testet. Oliver Röller legt ein Smartphone auf den Tisch, eine Kombination aus Handy und Computer.

Neben den üblichen Spielereien, die ein solches erweitertes Handy bietet - vom Tagesschauempfang per Internet bis zur Wasserwaage - offeriert dieses Gerät ein zusätzliches Programm. Mit ihm kann Oliver Röller Tier- und Pflanzenarten mit Hilfe von satellitengestützter Positionsbestimmung via GPS und der virtuellen Globuskarte von Google Earth schnell und präzise fotografieren, erfassen und kartieren.

"Das ist der Artenfinder hier, damit soll man eben wild lebende Tiere und Pflanzen erfassen und da sieht man jetzt eben , welche Gruppen man in der ersten Übersicht kartieren kann."

Oliver Röller tippt mit dem Zeigefinger auf den kleinen Bildschirm des Smartphones und bewegt auf diese Weise Listen mit Tier- und Pflanzengruppen auf- und abwärts: Auf die "echten Pilze" folgen die Heuschrecken, dann Flechten, Schmetterlinge, Vögel.

"Und wenn ich jetzt auf die Vögel gehe, dann komme ich auf die Artenliste und da alle Vögel bei uns, außer vielleicht ein Fasan, alle wild lebenden Vögel eigentlich unter Naturschutz stehen und besonders streng geschützt sind, sind die auch alle hier drin."

Oliver Röller wählt die Amsel, um weitere Details des Artenfinder-Programms zu erklären. Wenn er eine Amsel in seinem Garten sieht, kann er die genauen Koordinaten des Standortes mit Hilfe eines eingebauten Kompasses und GPS eingeben und speichern.

Dann holt Oliver Röller mit ein paar Klicks ein Luftbild von Google Earth auf den Bildschirm. Es zeigt seinen Garten, und ein weißer Punkt markiert den Standort des Vogels. Ein Klick - und ein Fenster mit den Worten "eine Amsel" öffnet sich.

"Ich kann das auch ändern, wenn das jetzt fünf Amseln waren, dann kann ich auch Zusatzangaben machen: Wenn zwei Amseln, Brutverdacht, mit Nestbau beschäftigt oder auf der Futtersuche oder so was."

Die Technik könne allerdings den Sachverstand nicht ersetzen, gibt Oliver Röller zu Bedenken, zumal das Artenfinder-Programm bisher nur wenige Tierstimmen als zusätzliches Bestimmungsmerkmal anbietet. Eine Amsel sei vielleicht auch ohne akustische Hilfe von vielen Laien noch gut zu erkennen und zu erfassen. Bei einem Waldlaubsänger sei das schon anders.

Außerdem gibt es Arten, bei denen das bloße Anschauen und Eingeben von Daten in das mobile Erfassungsgerät einfach nicht ausreicht, wo es auch in Zukunft nötig sein wird, für eine präzise Bestimmung eine Probe aus dem Wald mitzunehmen und unter das Mikroskop zu legen. Bei vielen der über 650 Moosarten beispielsweise, die es allein in der Pfalz gibt, nutzt der digitale Artenfinder allein wenig, weiß Moos-Experte Oliver Röller.

"Wenn ich eine bestimmte Artengruppe, zum Beispiel die Torfmoose, kartiere, dann ist es eigentlich so, für fast jede zweite Art muss ich sie mit nach Hause nehmen, muss mikroskopisch die richtige Art bestimmen. Da brauche ich eigentlich auf dem kleinen Bildschirm hier ein Feld, wo drauf steht: Torfmoos, Art noch nicht näher bestimmt. So dass ich dann zu Hause eben nachbestimmen kann und in der Datenbank dann die korrekte Artangabe nachtragen kann. Und das Feld fehlt zum Beispiel noch, und deshalb sind wir auch in der Erprobungsphase, um dann eben dieses Programm zu optimieren."


 
 

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