Ein Nährwertprofil soll zeigen, wie gesund oder ungesund ein bestimmtes Lebensmittel ist. Weniger positiv ist die Bilanz natürlich bei Süßigkeiten und Naschereien. Zu fett, zu süß, zu salzig - das sind die Hauptvorwürfe. Kein Wunder also, dass Nährwertprofile ein Reizthema für die Branche sind.
Die deutsche Süßwarenindustrie hält diese von der EU geplanten Nährwertprofile für "praxisfern" und fürchtet "überbordende Anforderungen". Streitpunkt ist eine von der EU geplante Lebensmittelinformationsverordnung. Wie genau Nährwertprofile aussehen werden, ist noch unklar.
Die Idee ist, für Nahrungsmittel eine Standard-Zusammensetzung festzulegen: Ein Brot enthält üblicherweise soundsoviel Salz, Mehl und Zucker. Und nur wenn in einem Brot deutlich weniger Salz enthalten ist, soll es von der Industrie als "salzarm" beworben werden dürfen. Das lehnt der Verband der Deutschen Süßwarenindustrie ebenso ab, wie die sogenannte Ampelkennzeichnung von Produkten.
Dabei würden auf Lebensmitteln wichtige Nährwerte wie Zucker- und Fettgehalt mit Farben hinterlegt: Rot gleich sehr viel Zucker, grün gleich sehr wenig Zucker. Süßwaren wären da eher rot. Das sei irreführend und unwissenschaftlich, kritisiert Thorben Erbrath vom Verband der Süßwarenindustrie.
"Wir als Verband lehnen die Nährwertampel ab. Sie ist zu einfach und bringt dem Verbraucher gar nichts. Wenn sie Produkte grün, gelb und rot kennzeichnen, ist das wenig hilfreich, denn es kommt auf die Gesamternährung an, das gesamte Ernährungsverhalten und nicht auf die Betrachtung einzelner Lebensmittel isoliert."
Richtig, entgegnet Martin Rücker von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, Verbraucher müssten ihre gesamte Ernährung ausgeglichen gestalten:
"Um die Gesamternährung aber an dem eigenen Bedarf auszurichten, kommt es darauf an, dass man bei einem einzelnen Lebensmittel erkennen kann, wie viel ist denn dort drin. Denn nur dann kann man zusammenrechnen. Und die Ampelkennzeichnung ist das Instrument, das die Möglichkeit gibt, bei den einzelnen Lebensmitteln zu erkennen, wie viel dort drin ist und dann muss man zusammenrechnen. Aber diese Aufgabe kann den Verbrauchern nicht abgenommen werden, das kann auch die Kennzeichnung, die die Industrie vorschlägt, mit ihren verwirrenden Prozentangaben nicht leisten."
Doch im Kampf gegen Übergewicht könne eine Ampelkennzeichnung, ja Verbraucherinformation insgesamt, wenig ausrichten, sagt der Sprecher der Süßwarenindustrie.
"Die Verbrauchergruppen, die Sie eigentlich kriegen wollen, wo das ein großes Problem ist, nämlich sozial schwächere Gruppen und auch Migranten, die bekommen Sie so gar nicht. Die erreichen Sie auch nicht mit einer verbesserten Verbraucherinformation."
Gleichzeitig läuft das Konzept der Industrie gegen Übergewicht aber auf genau das hinaus: Verbraucherinformation.
"Ernährungserziehung, Ernährungsaufklärung ist ganz wichtig, dass man den Verbrauchern also einen gesunden Lebensstil vermittelt und denen klar macht: Wenn du Dich nicht bewegst, wenn du nur vorm Fernseher sitzt und nur isst, ist das der falsche Weg."
Die geplante Lebensmittelinformationsverordnung soll auch die Herkunft von Lebensmitteln deutlicher erkennen lassen. Kommen Spreewaldgurken aus dem Spreewald? Kommt der Schwarzwälder Schinken aus dem Schwarzwald? Den Ansatz findet die Süßwarenindustrie richtig - aber nicht für Süßwaren. Marzipan etwa sei aus vielen Produkten zusammengesetzt, auch wenn die Industrie nur aufdrucken müsste, woher die Hauptzutat stammt, sei das nicht zumutbar, erklärt Süßwaren-Lobbyist Erbrath.
"Sicherlich soll der Verbraucher wissen, woher sein Apfel kommt, woher seine Tomate kommt, Obst, Gemüse - da ist das alles richtig. Aber bei zusammen gesetzten Lebensmitteln wie Süßwaren ist es dem Verbraucher doch völlig egal, woher die Hauptzutat kommt. Nehmen Sie zum Beispiel Lübecker Marzipan. Da wollen Sie doch nicht wissen, woher der Zucker kommt. Kommt er aus Dänemark, aus Polen, aus Deutschland? Völlig egal. Wichtig ist, dass das Endprodukt, das Marzipan, aus Lübeck kommt."
Verbraucherlobbyist Martin Rücker von Foodwatch kann diesen Einwand tendenziell nachvollziehen.
"Man sollte es bei der Herkunftskennzeichnung nicht komplizierter machen als es ist. Für Verbraucher ist es hier insbesondere wichtig, dass sie keine irreführenden Herkunftsbezeichnungen vorfinden, wie das heute teilweise der Fall ist. Ein Schwarzwälder Schinken muss heute nicht aus dem Schwarzwald kommen, weil die Schweine irgendwo in Dänemark auf Spaltenböden gehalten werden und dann wird das Fleisch nur mal kurz in den Schwarzwald geliefert, um da geräuchert zu werden."
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