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01.09.2010
Das Kernkraft Krümmel   in Geesthacht, Schleswsig-Holstein  (Bild: AP) Das Kernkraft Krümmel in Geesthacht, Schleswsig-Holstein (Bild: AP)

Teurer Schutz

Greenpeace fordert Investitionen in die Sicherheit der Kernkraftwerke

Von Philip Banse

Wenn die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert werden würde, dann müssten auch die Sicherheitsstandards erhöht werden, damit die Meiler vor einem Flugzeugabsturz geschützt wären. Eine Vorsichtsmaßnahme vor Terroranschlägen, die allerdings für die meisten alten Anlagen teuer käme.

Setzt sich das Umweltministerium mit seinen Forderungen durch, müssten die Energiekonzerne ihre Atomkraftwerke für viele Milliarden Euro nachrüsten. Umweltminister Norbert Röttgen, CDU, fordert, dass die AKW den Absturz eines kleinen Verkehrsflugzeugs der Größe des Airbus A320 überstehen müssen. So etwas hielte heute wohl keines der 17 deutschen AKW aus - die Nachrüstungskosten wären enorm: Bei zwölf Jahren Laufzeitverlängerung würden 20 Milliarden für Nachrüstungen fällig, bei 20 Jahren 36 Milliarden, bei 28 Jahren wären gar es 50 Milliarden Euro.

Errechnet haben die Zahlen drei Wirtschaftsforschungsinstitute, die für die Bundesregierung die Auswirkungen von Laufzeitverlängerungen berechnet haben. Doch 50 Milliarden für Nachrüstungen bei 28 Jahren Laufzeitverlängerung - diese Summe hatte auch EnBW-Chef Hans-Peter Villis genannt. Bei alten Kraftwerken ist der Aufwand besonders hoch, gleichzeitig müssten sie als erste vom Netz. Die Energiekonzerne haben immer angekündigt, AKW vom Netz zu nehmen, wenn der Betrieb aufgrund teurer Nachrüstungen zu teuer wird. Aus dem Energiegutachten der Bundesregierung ergibt sich jedoch nicht, dass eine anspruchsvolle Sicherheitsnachrüstung diese alten AKW unrentabel machen würde. Es stellt sich aber noch ein praktische Frage, sagt Wolfgang Renneberg, ehemaliger Abteilungsleiter Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium: Selbst wenn Röttgen seine strengen Sicherheitsanforderungen durchsetzt - so was macht man nicht von heute auf morgen, sagt der Reaktorexperte Renneberg:

"Realistisch dauert das fünf bis zehn Jahre, in der Regel acht bis zehn Jahre, bis so was realisiert ist."

Da bedeutet: Bei einer kurzen Laufzeitverlängerung von vier Jahren ließen sich viele alte AKW gar nicht mehr gegen Flugzeugabstürze sichern. Und selbst mit einer Laufzeitverlängerung von zwölf Jahren müssten einige AKW in 12, 13 Jahren vom Netz. Dann wären die milliardenschweren Nachrüstungen gegen Flugzeugabstürze gerade abgeschlossen.

"Dann macht es ja wenig Sinn, die Anlage laufen zu lassen, und nach etwa zehn Jahren einen Flugzeugabsturz implementiert zu haben. Da wäre diese Flugzeugabsturzsicherheit ja nur noch für wenige Jahre wirksam. Da rentiert sich diese Investition gar nicht. Das heißt, es ist anzunehmen, dass für die alten Kraftwerke diese Nachrüstung letztlich leer läuft - es sei denn, Röttgen meint es ernst und sagt, die Anlagen werden jetzt erst mal alle stillgelegt und dürfen nur dann ihre Laufzeitverlängerung in Anspruch nehmen, wenn sie die Nachrüstung vollzogen haben."

Ansonsten würden alte AKW zehn Jahre so unsicher wie heute weiter laufen und genau dann abgeschaltet werden, wenn sie nachgerüstet sind. Das mache keinen Sinn. Die Alternative ist aber unrealistisch: Die AKW stilllegen, bis sie gegen Flugzeugabstürze gesichert sind. Tobias Münchmeyer von Greenpeace:

"Der Bundesumweltminister hat ja zu Recht dieses Thema aufgebracht, weil es ein brennendes Thema ist, das also auch keinen Verzug erlaubt. Das heißt, die unsicheren Kraftwerke, die sieben Siedewasserreaktoren müssen sofort vom Netz."

Münchmeyer fordert darüber hinaus, die Sicherheitsanforderungen noch weiter zu erhöhen, der A320 sei das kleinste aktuelle Verkehrsflugzeug, die AKW müssten auch gegen Abstürze größerer Flugzeuge gesichert sein.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte heute keine Zeit für ein Interview, seine Sprecherin hat anders als angekündigt nicht zurückgerufen.



 
 

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