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21.02.2012
Der herkömmlichen Zigarette oft zum Verwechseln ähnlich: die E-Zigarette. (Bild: dpa) Der herkömmlichen Zigarette oft zum Verwechseln ähnlich: die E-Zigarette. (Bild: dpa)

Steigende Nachfrage nach E-Zigaretten

Diskussion um mögliche Gesundheitsschäden hält an

Von Wolf-Sören Treusch

In den USA hat schon ein Raucher ein Stück seiner Zunge verloren, weil ihm die elektrische Zigarette aufgrund eines Batteriedefekts im Mund explodiert ist. Auch die nikotinhaltigen Flüssigkeiten der E-Zigarette sind umstritten. Dennoch rauchen nach Angaben des Herstellerverbandes rund zwei Millionen Deutsche elektrisch.

Ein Tabakladen in Berliner Kiezlage. Hier gibt es alles, was das Raucherherz begehrt: auch E-Zigaretten. "Die neue Art des Rauchens" verspricht die Werbung an der Schaufensterscheibe. Wilfried Radloff verkauft die elektrischen Glimmstängel seit eineinhalb Jahren. Mit wachsendem Erfolg.

"Jeder Raucher hat den Grundgedanken: Ich möchte damit aufhören. Und er denkt, dass er mit diesem Teil aufhören kann. Was natürlich völliger Quatsch ist, weil das hat was mit dem Kopf zu tun. Aber weil es neu ist, ist es natürlich so, dass es ankommt bei den Leuten. 20 Prozent vielleicht meiner Raucher, die hierher kommen, rauchen die elektrische Zigarette. Das sind Kunden von überall."

Fünf verschiedene Modelle hat der Händler im Angebot: vom simplen Einsteigermodell bis zum ambitionierten e-Smoker-Gerät, das eher wie ein edler Füllfederhalter ausschaut.

"Ich bin Händler. Für mich ist alles gut, was den Umsatz steigert."

Kundin:

"Ich habe das gerade gesehen, und deswegen wollte ich mich mal erkundigen nach Elektrozigaretten."

Der Verband des E-Zigarettenhandels schätzt, dass inzwischen zwei Millionen Deutsche elektrisch rauchen. Verglichen mit den 20 Millionen, die auf herkömmliche Zigaretten setzen, ist das noch wenig. Aber ein Trend ist es auf alle Fälle.

"Gibt es da auch ein Einsteigerset?"
"Gibt es, so eine ganz schicke hier für 6,95."


Viele E-Zigaretten sehen den echten Zigaretten mittlerweile zum Verwechseln ähnlich. Sie bestehen üblicherweise aus drei Komponenten: einem Akku, einer Kartusche mit einer Nikotinlösung und einem elektrischen Vernebler. Man zieht an der Zigarette, das Gerät schaltet sich ein, die Flüssigkeit wird erhitzt und der dabei entstehende Dampf eingeatmet. Die E-Zigarette enthält weder Tabak noch Teer. Das ideale Aussteigermodell, so scheint es, für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen.

"Das hat mir mein Hals-Nasen-Ohren-Arzt sogar empfohlen. Er hätte das schon öfter gehört, dass es einfacher ist, damit aufzuhören und konnte deswegen auf gute Erfahrungen zurückgreifen."

"Ich habe mehrere Ärzte in meinem Kundenkreis, die auch Lungenfunktionsmessungen nach einer bestimmten Zeit und die in jedem Fall wieder sagen, dass die Lungenfunktion der Leute, die mit der E-Zigarette angefangen haben, viel besser geworden ist."


Doch gerade um die Frage, ob man elektrisches Rauchen als gefahrlos für die Gesundheit empfehlen kann, ist in Deutschland ein heftiger Streit entbrannt. Der Arzt Johannes Spatz hält die E-Zigarette für ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko:

"Es hat Propylenglykol als Verdampfer, und das ist wohl erwiesen, dass Propylenglykol die Bronchien reizt und dort eben auch eine Verengung der Bronchien bewirken kann, außerdem sind aromatische Stoffe dabei, die bei Erhitzung zerfallen in Einzelprodukte, deren Wirkung man auch nicht genau kennt, und schließlich das Nikotin. Nikotin ist ein Nervengift, und schließlich ist es ein Suchtmittel."

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Deutsche Krebsforschungszentrum warnen vor der E-Zigarette. Dagegen verweist der Herstellerverband auf etliche Gutachten, die belegen, wie ungefährlich ihr Produkt sei.

Noch einmal Johannes Spatz. Der Mediziner engagiert sich im "Forum Rauchfrei", einer bundesweiten Initiative für Nichtraucherschutz.

"Ich bin überrascht darüber, dass solche neuen Produkte einfach so auf den Markt kommen, obwohl man den Verdacht hat, dass sie gesundheitsgefährdend sind. Bei der E-Zigarette gibt es eben eine Untersuchung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, da wird gesagt: Es ist ein zulassungspflichtiges Arzneimittel. Und es ist in der Bundesrepublik aber nicht zugelassen, und daher gehört es verboten."

Die Rechtslage ist auf alle Fälle umstritten. Weil immer noch unklar ist, auf welcher Rechtsgrundlage man E-Zigaretten verbieten könne, duldet man den Handel mit ihnen.

"Ich merke gar nichts, ehrlich gesagt."
"Ziehen Sie noch mal richtig."


Aber nicht jeder ist sofort überzeugt vom elektrischen Glimmstängel. Die Kundin im Berliner Tabakladen legt das Testexemplar wieder zurück. Ihr fehlt vor allem der Coolnessfaktor.

"Man kommt sich auch ein bisschen komisch vor, an so einem Ding zu ziehen."


 
 

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