Der Weg zur Traumfigur ist steiniger, als viele Hersteller von Fitnessgeräten glaubhaft machen wollen. (Bild: AP)
Topfit in 15 Minuten? Ohne zu schwitzen? Manche Anbieter neuer Fitnessgeräte versprechen sensationelle Erfolge. Doch die Resultate zeigen: Eine Viertelstunde Rüttelplatte oder Elektrostimulation pro Tag können Fitnessstudio oder Ausdauertraining nicht ersetzen.
Noch bis kommenden Sonntag schwitzen wieder 10.000 auf der Fitnessmesse FIBO in den Essener Messehallen. Zwängen sich in futuristisch anmutende Sportgeräte oder verharren wie erstarrt vor den Messeständen der über 600 Aussteller und reiben sich verwundert die Augen, was man doch an verschiedensten Utensilien braucht, um fit zu sein. Bleibt die Frage, die sich jeder Verbraucher irgendwann stellt. Muss Sport wirklich immer so anstrengend und teuer sein? Einige Gerätehersteller auf der FIBO sind angetreten, um sogar richtige Sportmuffel in Form zu bringen - ganz ohne Mühe und Kraft und das in gerade mal schlappen 10-30 Minuten pro Woche. Im Wesentlichen handelt es sich um zwei Verfahren. Zum Einen um eine etwas mehr als kopfkissengroße Platte, die heftig vibriert.
"So jetzt gehen wir auf die Einstellungen, 30 Hertz, 30 Sekunden lang. Schön in die Knie gehen, Kniebeuge auf 90 Grad. Und dann drücken wir Start."
"Mein ganzer Körper vibriert."
"Das war jetzt eine Übung, eine Übung dauert zwischen 30 und 60 Sekunden und ein ganzes Training ungefähr 20-25 Minuten."
Das andere Verfahren arbeitet mit Elektrostimulation. Dabei werden Manschetten um Beine, Arme oder Bauch gelegt und die Muskeln zur Bewegung angeregt. "Bauch weg mit dem Bauchgurt" wirbt vollmundig ein Anbieter. Beide Methoden, Rüttelplatte und Elektromanschetten regen die Muskeln dazu an, sich schnell zusammenzuziehen und wieder zu entspannen. Was das Muskelwachstum und den Kraftzuwachs fördern soll, ohne sich bewegen zu müssen. Zweifellos sorgt beides für eine Art Entspannungsgefühl.
Indes - bei den Resultaten kommen diese Verfahren nicht mal aus den Startlöchern: Gewonnen hat man allenfalls die Einsicht, dass sie Geld kosten. Uschi Moriabadi, Diplomsportlehrerin, Autorin zahlreicher Sportbücher und Leiterin des Studienzentrums an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in München.
"Jeder Cremehersteller, Kosmetikhersteller verspricht uns einmal die Creme zu nehmen und wir sind 50 Jahre jünger. Also von daher würde ich jetzt nicht sagen, es ist unlauterer Wettbewerb. Ich sehe es immer so, wenn ich Menschen über solche Geräte dazu bringe, etwas zu tun, und die können durch diese Rüttelplatte die Menschen überzeugen, dass sie etwas tun, und diese Betriebe gibt es schon. Die haben die Rüttelplatte, die gehen mit ihnen walken, die machen mit ihnen Yoga, die bieten ihnen rundherum alles an. Nur allein die Rüttelplatte, 15 Minuten die Woche wird nichts ändern, außer, dass man Geld ausgegeben hat."
Bewegung sei das A und O um sich fit und wohl zu fühlen, erklärt auch der Unternehmer Werner Kieser auf der FiBO. Ein Gerät allein könne das gar nicht leisten. Kieser baute bereits Anfang der 1960er-Jahre Fitnessstudios in Deutschland und der Schweiz auf, um Menschen die gesundheitsfördernde Wirkung körperlicher Betätigung nahezubringen.
"Wir haben auch diese Elektrostimulation, das hat einen Sinn bei Lähmungserscheinungen. Aber da hat der Professor Nöcker in den frühen 60er-Jahren diese Versuche mit Sportlern als gescheitert nachgewiesen."
Während Studios, die Rüttelplattengeräte anbieten, derzeit bundesweit aus dem Boden schießen, bewegen sich auch die Anbieter von Elektrostimulatoren umsatzmäßig aufs Siegertreppchen zu. Dabei lässt sich garantiertes Wohlgefühl und Fitsein auch ganz umsonst erreichen. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination kann nämlich überall trainiert werden. Ob im Büro oder zu Hause. Wer meint, Geräte könnten die Motivation beim Training steigern, ist schon mit Kleingeräten bedient, die nicht mehr als 10-15 Euro kosten müssen. Erklärt Andreas Kübler, der mit seiner Firma Schulen, Vereine und auch Endverbraucher beliefert.
"Das Thera-Band, das schon seit Jahrzehnten gut bekannt ist ein gutes Training ermöglicht, auch ein gutes Ganzkörpertraining, neue Produkte wäre zum Beispiel der Schlingentrainer, der seit zwei, drei Jahren hier auf der Messe angeboten wird, es gibt ganz viele Varianten von Bällen auch die Redondo-Bälle, die jetzt für Gymnastik eingesetzt werden, aber auch im Therapiebereich."
Unlängst wurde in einer aktuellen Studie der Uni Regensburg einmal mehr nachgewiesen, dass Bewegung heilsame Wirkung auf Körper und Seele hat. Denn Aktivität verändert eine ganze Reihe von körperlichen Parametern und übt insgesamt günstige Wirkung auf Kreislauf, Stoffwechsel, Sinneswahrnehmung, Gewicht, Atmung und Hirndurchblutung aus. Selbst wer erst im fortgeschrittenen Alter mit Training beginnt, senkt die Wahrscheinlichkeit, depressiv zu werden, fördert die Merkfähigkeit. Selbst bei Angststörungen oder Depressionen gibt es eindeutige Hinweise auf die wohltuende Wirkung leiblicher Ertüchtigung. Uschi Moriabadi, von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement.
"Was man verstehen muss, ist, dass ich mich bewege, das heißt, morgens im Bett schon die Bettdecke hoch und dreimal Rad fahren, Yoga-Atmung und meinen Teppich als Matte und mach eine Viertelstunde Übungen und wenn ich das summiere am Tag, bin ich schon bei 30 Minuten."
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