Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
28.05.2004
Windräder zur Stromgewinnung (Bild: AP) Windräder zur Stromgewinnung (Bild: AP)

Energie- und Geschlechterfragen

In vielen Ländern ist die Energieversorgung eine reine Frauenangelegenheit

Von Monika Hoegen

Emissionshandel und Klimaschutz, Solartechniken und Erdwärmeförderung, Wasserkraft und Naturschutz, Windkraft und Landschaftsbeeinträchtigung - ein breites Spektrum von Themen wird auf der Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien, renewables 2004, diskutiert werden, die vom 1. bis 4. Juni in Bonn stattfindet. Auch um die Entwicklungspolitik geht es: Denn gerade in abgelegenen ländlichen Gebieten könnten Erneuerbare Energien Strom und Wärme für Haushalt, Landwirtschaft sowie kleinere und mittlere Betriebe liefern. Aber was haben eigentlich Geschlechter- und Frauenfragen mit Erneuerbarer Energie, ja mit Energieversorgung generell zu tun? Immerhin: Von den 2 Milliarden Menschen, die weltweit keinen Zugang zu modernen Energien haben, ist ein Großteil Frauen.

Erneuerbare Energien bringen dezentral Strom in Dörfer, die bislang von jeder zentralen Versorgung abgeschnitten sind. Und das verändert vor allem das Leben von Frauen. Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für Entwicklung, weiß...

...dass Frauen, die häufig eben Holzfeueröfen oder Holzfeuer benutzen müssen, erstens sehr lange das Holz sammeln müssen, zweitens aber sich über dem offenen Feuer extreme Schäden an den Atemwegen holen. Und mit dazu beizutragen, dass es andere Formen der Erneuerbaren Energien gibt, zum Beispiel eben auch die Nutzung von Biomasse etwa, führt dazu, dass die Gesundheit geschont wird, dass Frauen insgesamt auch mehr Zeit zur Verfügung haben und dass sie eigenständiger werden.

Das hat man auch auf Makaibari erkannt, einer Teeplantage im nordindischen Darjeeling.

Auf unserer Plantage haben wir 25 Biogas-Anlagen…

…erzählt Manager Deb. Und dass der Alltag der Frauen auf Makaibari leichter geworden ist, seit sie ihre Energie aus frischem Kuhmist gewinnen. Mühsames Holzsammeln in aller Frühe ist nicht mehr nötig. Verrauchte Küchen gehören der Vergangenheit an. Wie gesagt, Biogas hilft vor allem den Frauen auf Makaibari - aber Manager Deb, der Besuchern die Technik erklärt, ist - ein Mann. Das ist nichts Ungewöhnliches, wenn es sich um Energie dreht - ein Lebensmittel, mit dem Frauen in aller Welt zwar viel zu tun, aber bei dem sie aber selten etwas mitzureden haben. Das ist auch die Erfahrung von Joy Clancy, Professorin aus Holland und Direktorin des internationalen Netzwerks für Energie und Geschlechterfragen, ENERGIA. Auch im Bereich der Erneuerbaren Energien wird Technik Frauen oft nicht zugetraut, sagt Clancy, oder schlimmer noch, sie lassen von sich aus lieber die Finger davon.

Sie haben oft kein Vertrauen in sich selbst, neue Technik auch zu nutzen. Sie brauchen deshalb ein bisschen Unterstützung, zum Beispiel, wie man eine Solarzelle benutzt oder eine andere neue Technologie. Es ist nicht so, dass sie kein Interesse daran hätten. Sie brauchen nur ein bisschen mehr Unterstützung als Männer.

Allerdings: Aufklärungsarbeit ist keineswegs nur in Entwicklungsländern nötig. Tatsächlich sind die Zahlen auch im Norden deprimierend. Nur sechs Prozent der Frauen arbeiten im Energiebusiness, in leitenden Positionen sind es sogar nur vier Prozent. In Bereich der Erneuerbaren Energien, bei Solar- oder Windkrafttechnik sieht es nicht viel anders aus. Frauen engagieren sich eher in der Anti-Atomkraft- und Umweltschutzbewegung als bei Technik und Forschung, sagt Clancy. Und das sollte anders werden. Denn Männern komme es, wie so oft, auch bei der Entwicklung Erneuerbarer Energien auf eine möglichst perfekte technische Ausstattung an, heißt es bei ENERGIA. Für Frauen weltweit seien jedoch andere Fragen vorrangig: Wie können die neuen Energieformen praktisch genutzt werden? Und welche Erleichterung bringen sie konkret im Haushalt? Deutschlands Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul möchte die Frauen noch aus einem anderen Grund für den Energiesektor begeistern: Schließlich gehe es bei den Erneuerbaren Energien auch um eine gerechtere Stromversorgung für alle - und die geringere Abhängigkeit vom Öl könnte langfristig weltweit Konflikte vermeiden helfen.

Das ist unter dem Gesichtspunkt der friedenspolitischen Orientierung von großer Bedeutung und das sollte kein Bereich sein, der nur den Männern überlassen bleibt.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 13:00 Uhr
Nachrichten
Nächste Sendung: 13:10 Uhr
Themen der Woche

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Umwelt und Verbraucher

Bahnreform - Was der Wettbewerb auf der Schiene gebracht hat

Sendezeit: 25.05.2012, 11:50

Keine irreführende Werbung mehr - EU schaftt Gesundheitsangaben für Lebensmitte

Sendezeit: 25.05.2012, 11:47

Urteil in Neuseeland - Kapitän und Steuermann der Rena verurteilt

Sendezeit: 25.05.2012, 11:46

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link