Nach dem erfolgreichen Auftakt 2004 findet auch in diesem Jahr ein Naturathlon statt. Dahinter verbirgt sich eine Aktion, die das Bundesamt für Naturschutz ins Leben gerufen hat und mit der sich das Bundesamt dafür einsetzt, dass Sport im Einklang mit der Natur geschieht. In diesem Jahr steht das so genannte "Grüne Band" im Mittelpunkt des Naturathlons, die Naturgebiete also entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Unterwegs mit Johannes Hager, dem Leiter des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Es geht über die löchrigen Betonplatten des Kollonnenweges entlang des früheren Todesstreifens. Von den Zäunen ist fast nichts mehr zu sehen, von Minen und Schussanlagen, die Grenztürme sind fast alle abgebaut, hier an der thüringisch-hessischen Grenze zwischen Eschwege und Heiligenstadt. Bis auf die musealen Stücke:
Wir befinden uns hier am Grenzmuseum Asbach-Sickenberg. Also am Stück Grünen Band, was noch in seiner Form der letzten 40 Jahre erhalten geblieben ist mit Zaun und Graben und geackerter Fläche, was also den Besuchern den Eindruck vermitteln kann, wie das Grüne Band ausgesehen hat.
Die Fahrt geht weiter. Johannes Hager und Holger Keil von der am Grünen Band höchst aktiven Sielmann-Stiftung suchen den Weg auf den Höhenzug - der Gobert. Doch die Karten stimmen nicht. Kein Weg verläuft, wie eingezeichnet. Die beiden Fachleute fahren nach Gedächtnis und Nase.
Der einzige Weg, der uns dahin bringt, ist der hier. Sollen wir den fahren? Na, den Kolonnenweg können wir nicht fahren. Eben, das dachte ich mir. Der sieht nicht befahren aus. Ja, genau.
Verirrung und Verwirrung. So war es einst gewollt - niemand sollte sich zurechtfinden an der Grenze, außer die Grenzer selbst. Naturparkmitarbeiter haben mit GPS einige Strecken nun neu kartiert. Es geht vorbei an der Stasi-Schleuse, einer Röhre, durch die DDR-Spione unregistriert in den Westen gekrochen sein sollen. Wer sich gruseln will, findet hier Stoff.
Dennoch: die ehemalige Grenze ist Hoffnungsland. Denn die Niemandsland-Areale vor und hinter dem Zaun waren belebt. Die Zeit der Abgeschnittenheit war ein Segen für Flora und Fauna. Stopp an einer Kalkmagerrasen-Wiese. Hier blühen Blauer und Deutscher Enzian, Baldrian, Mauerpfeffer, Majoran:
Wir haben hier die Wolfsmilch, zum Beispiel die Zypressenwolfsmilch mit drin, wir haben den Dost, Johanniskraut.
Und das Highlight: der immense Orchideenreichtum hier oben auf der Gobert, wir haben hier Knabenkräuterarten - das ist schon faszinierend. Die blühen Ende Mai, Anfang Juni. Zum Beispiel das stattliche Knabenkraut, Purpurknabenkraut, das Helmknabenkraut. Ganz besonders wertvoll auch eine weitere Orchideenart - das ist der Frauenschuh.
Ein heimischer Schäfer hat hier seine Schafe und Ziegen. Sie grasen und halten die Sträucher kurz, sonst wäre dieses Biotop innerhalb weniger Jahre vom Wald überwachsen. In einem Naturschutzgroßprojekt soll das verhindert werden. Unter Federführung der Sielmannstiftung läuft gerade die Vorphase. Holger Keil recherchiert momentan die Eigentümer:
Entweder man kommt mit einem hoheitlichen Naturschutz und sagt: diese Lebensräume sind so wertvoll, wir müssen hier etwas tun. Und da gibt es diese Duldungspflicht der Grundeigentümer. Aber wir fassen die Sache eigentlich von einer anderen Seite an. Wir nehmen Kontakt mit den Privateigentümern auf, und versuchen dann, Naturschutz zu machen, indem wir mit den Grundeigentümern übereinkommen.
Mithilfe des Großprojektes könnten die wertvollen Flächen gepachtet oder im Notfall gekauft werden, bzw. die Landwirte können einen Nachteilsausgleich erhalten, wenn sie umweltgerecht wirtschaften, zum Beispiel nicht düngen.
Letzter Halt: eine Abbruchkante. Hier geht es 200 m tief ins Werratal. Man schaut in die wunderbare Muschelkalk-Tafelberg-Landschaft des Obereichsfeldes. Sie könnte Beispielregion werden für einen Länder- und Landkreisübergreifenden Naturschutz. Und damit für eine stabile Heimat für Wildkatze und Schwarzstorch.
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