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02.05.2006
Ein Mähdrescher bei der Ernte konventioneller Gerste. (Bild: AP Archiv) Ein Mähdrescher bei der Ernte konventioneller Gerste. (Bild: AP Archiv)

Gen-Gerste im Freiland

Gießener Forscher haben erste Saat in Deutschland ausgebracht

Von Ludger Fittkau

Forscher der Gießener Universität haben zum ersten Mal in Deutschland Gerstensaat aus dem Genlabor auf den Acker gebracht. Die Ernte ist bisher nicht für den Verzehr durch Mensch und Tier zugelassen. Dennoch ist der Versuch heftig umstritten.

Auf dem Versuchsgelände der Universität Gießen glättet ein Traktor die Fläche für die so genannte Mantelsaat. Ein etwa zehn Meter breiter Schutzmantel aus konventioneller Gerste wird rund um die 5000 gentechnisch veränderten Gerstepflanzen ausgesät, um deren unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Versuchsleiter in Gießen ist Biologie-Professor Karl-Heinz Kogel:

"Es geht uns darum, die Effekte von Transgenen gegenüber Bodenorganismen zu untersuchen. Wir haben hier zwei Gerstetypen. Wir haben eine Gerste mit erhöhter Widerstandsfähigkeit gegen parasitäre Pilze, und wir haben eine Gerste, die eine verbesserte Futterqualität hat, die enthält ein Enzym Beta 1,3 und 1,4 Lukanase und verbessert dadurch die Verfütterung an Hühner zum Beispiel, hat auch bessere Brauqualität."

Beim Gießener Freilandversuch handele es sich nicht um wissenschaftliche Forschung, sondern um reine Produktentwicklung und damit um Missbrauch öffentlicher Gelder, kritisiert Greenpeace die Aussaat der Gen-Gerste. Schließlich seien die Genpflanzen aus den USA und bereits acht Jahre alt. Der Gießener Professor Karl-Heinz Kogel begründet seine Versuche jedoch damit, dass in Europa andere Umweltbedingungen herrschten als in den USA:

"In den USA ist diese Gerste auch schon untersucht worden, wir haben diese Gerste auch schon im Labor untersucht, haben im Prinzip keine Effekte auf nützliche Pilze gesehen, wir wollen das aber verifizieren unter Freilandbedingungen, sozusagen unter europäischen Bedingungen."

Doch in Europa und speziell in Deutschland ist das Interesse an den Eigenschaften der Gen-Gerste bisher gering. Vor allem an den verbesserten Braueigenschaften, die die Gießener Genforscher versprechen, sind die heimischen Bierbrauer nicht interessiert. Axel Jürging vom Brauerbund Hessen und Rheinland-Pfalz:

"Wir können als Brauer auf so viele verschiedene Gerstensorten am Markt zurückgreifen, dass wir aus unserer Sicht keine Notwenigkeit sehen, das durch genetische Manipulationen zu ergänzen, dieses Angebot. Wir verwenden keine genetischen Rohstoffe und glauben auch nicht, dass in nächster Zeit solche Rohstoffe zum Einsatz kommen."

Auch Vertreter des Deutschen Bauernverbandes reagieren eher zurückhaltend auf die Entwicklung genetisch veränderter Gerste. Manfred Paul, der Vorsitzende des Bauernverbandes Lahn-Dill-Gießen, lehnt die Forschungen der Gießener Universität zwar nicht rundweg ab. Aber:

"So einfach würde ich da nicht draufspringen. Das müsste schon von allen Seiten abgesichert sein, dass da nichts Verkehrtes in die Schiene kommt, das würde uns dann irgendwo als Lebensmittelerzeuger böse aufsteigen. Also ich bin keiner, der nach vorne springt und sagt: Das ist es jetzt."

Obwohl Karl-Heinz Kogel mit seinem Gießener Gen-Experimenten offenbar den Bedarf der heimischen Bier- und Lebensmittelhersteller nicht trifft und sich neben Greenpeace auch Gießener Hochschulgruppen kritisch zu den Versuchen geäußert haben, hofft der hessische Pflanzenschutz-Forscher, dass die auf drei Jahre angelegten Freilandversuche unmittelbar neben den Uni-Gebäuden ungestört verlaufen können:

"Wir haben nur den normalen Trennzaun hier, wir haben keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen. Wir hoffen einfach, dass es hier nicht zu Zerstörungen kommt, insbesondere, weil wir ja hier im Bereich Bio-Sicherheit arbeiten und weil wir auch mit der Gerste eine sehr geeignete Pflanze untersuchen. Es gibt ja keine Probleme mit Auskreuzungen, weil die Gerste zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist. Selbst wenn es zu einer Freisetzung von Pollen kommen würde, würde der Pollen sehr schnell inaktiviert im Sonnenlicht und unter Feuchtigkeit. Und Wildgersten sind auch nicht betroffen, weil es niemals zu fruchtbaren Nachkommen kommen würde. Alle Hybride wären steril."


 
 

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