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22.05.2006
Zerstörtes Haus bei Zürich nach dem Orkan "Lothar" am 26. Dezember 1999 Zerstörtes Haus bei Zürich nach dem Orkan "Lothar" am 26. Dezember 1999

Wetterbedingte Schadensereignisse und ihre Auswirkungen

Welthungerhilfe und Germanwatch stellen Klima-Risiko-Index vor

Von Susanne Kuhlmann

Die zuletzt veröffentlichte Bilanz des Versicherungsunternehmens Münchener Rück fiel verheerend aus. Bei diesem Unternehmen kann man sich gegen Schäden versichern, die durch Naturkatastrophen entstehen. Und 2005, so die Münchener Rück, war das teuerste Naturkatastrophenjahr in der Geschichte der Versicherungen. Als Ergänzung dazu haben heute in Bonn die Nichtregierungsorganisation Germanwatch und die Deutsche Welthungerhilfe einen neuen Klima-Risiko-Index vorgestellt, den Fachleute von Germanwatch entwickelt haben.

Der Klima-Risiko-Index stellt dar, welche Länder am meisten unter wetterbedingten Schäden wie Wirbelstürmen und Überschwemmungen zu leiden hatten. Wie stark ein Land von einer Naturkatastrophe betroffen ist, bemisst sich unter anderem an der Anzahl der Todesopfer und an der Summe der Schäden im Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes. Die Rangfolge zeigt deutlich, dass wenig entwickelte Länder durch Wetterkatastrophen erheblich stärker geschädigt werden als Industriestaaten. Warum das so ist, erklärt Sven Anemüller. Er ist bei Germanwatch Referent für Klima und Entwicklung.

Bei uns in Deutschland zum Beispiel sind alle Häuser so gebaut, dass sie auch sehr starken Stürmen standhalten. In ärmeren Ländern, wo viele Menschen in einfach gebauten Hütten leben, ist die Gefährdung natürlich sehr viel größer. Zudem ist dort die Katastrophenvorsorge und auch die Katastrophenhilfe häufig sehr viel schwieriger, weil viele Orte sehr abgelegen sind. Nicht zuletzt erholen sich die Gesellschaften nach Katastrophen auch sehr viel langsamer, weil der Aufbau von zerstörter Infrastruktur sehr viel länger dauert oder Finanzmittel nicht bei den wirklich Bedürftigen ankommen.

Die aktuellsten Daten liegen für 2004 vor. In dem Jahr war Somalia der am schlimmsten betroffene Staat, gefolgt von der Dominikanischen Republik, Bangladesh und den Philippinen. Auf Platz 8 und 9 finden sich mit Japan und den USA die ersten Industrieländer. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Heftigkeit tropischer Wirbelstürme zugenommen hat. Woran das liegen könnte, erläutert Sven Anemüller.

Bei dieser Debatte geht es aktuell vor allem um die Hurrikans in der Karibik. Und zwar ist es so, dass die Entstehung und Intensität von Hurrikans sehr stark abhängig ist von der Meeresoberflächentemperatur. Seit den siebziger Jahren hat man in der Karibik eine deutliche Zunahme besonders heftiger Hurrikans der Klassen 4 und 5 festgestellt. Und diese geht einher mit einem ähnlichen Anstieg der Temperatur. Dieser Temperaturanstieg der Meeresoberfläche ist ohne den menschengemachten Temperaturanstieg nicht erklärbar.

Der Klimawandel ist da, sagen viele Wissenschaftler, auch wenn einzelne Unwetter nicht unmittelbar damit zu erklären sind. Warum wetterbedingte Naturkatastrophen immer schlimmere Auswirkungen haben, ist also das eine, womit sich Forscher beschäftigen. Zum anderen beobachten sie sogenannte Risikobereiche, Regionen auf der Welt, für die ein Anstieg der Erdtemperatur gravierende Folgen hätte. Dazu gehören zum Beispiel tief liegende Gebiete wie Bangladesh, die überschwemmt würden, wenn der Meeresspiegel anstiege. Das betrifft aber auch kontinentale Gebiete, zum Beispiel Deutschland, wo es in Zukunft häufiger Hitzewellen wie im Sommer 2003 geben könnte. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das dicht besiedelte Asien.

Ein Beispiel, was zunehmend wissenschaftlich untersucht wird, ist die Frage, wie sich der indische Sommermonsun in der Zukunft entwickeln wird. Der Monsun ist für über eine Milliarde Menschen von großer Bedeutung. Und man hat festgestellt, dass es in den letzten dreißig Jahren große extreme Ausschläge zwischen einerseits größerer Trockenheit und in anderen Jahren extremerer Niederschläge gab. Da sind insbesondere die Dürre 2002 und extreme Niederschläge im letzten Jahr zu nennen. Und man geht davon aus, dass diese Extreme noch stärker werden, der Monsun noch stärker auspendelt zwischen beiden Extremen. Da sind Hunderte von Millionen Menschen betroffen , und leichte Ausschläge Richtung Trockenheit können schon zu extremen Ernteeinbußen führen.

Aufhalten lassen sich diese Veränderungen in absehbarer Zeit nicht. Es bleibt nur, sich so gut wie möglich darauf einzustellen.

Es gibt rein technische Maßnahmen wie zum Beispiel Deichbau, der begrenzte Möglichkeiten zum Schutz gegen den Meeresspiegelanstieg bietet. In Kuba wurden intensive gesellschaftliche Bildungsmaßnahmen durchgeführt, um die Menschen auf Hurrikans vorzubereiten. Das auch mit deutlichem Erfolg, dass die Todesopferzahl gesunken ist. Ein weiteres wichtiges Instrument können Versicherungssysteme für die Ärmsten sein, an deren Entwicklung Germanwatch auch beteiligt ist. Ohne Versicherungen stehen die Menschen nach Katastrophen vor dem Nichts. Insgesamt muss man sagen, dass die Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen, aber mit einer massiven Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen einhergehen muss. Und zwar auf globaler Ebene um fünfzig Prozent Mitte des Jahrhunderts. Daher heißt unsere Devise: Das Unvermeidbare bewältigen und das Unbewältigbare vermeiden.


 
 

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