Weil die Biobauern auf den Einsatz von Chemie verzichten, müssen Obst- und Gemüsesorten für den Öko-Landbau anders sein als die in der konventionellen Landwirtschaft verwendeten Pflanzen. Traditionelle Sorten beispielsweise spielen deshalb bei den Bio-Bauern eine wichtige Rolle. Und mittlerweile ist auch eine eigenständige Pflanzenzucht für diese Branche entstanden.
Gehen Sie doch auch mal vorbei und schmecken die verschiedenen Möhren, damit sie merken, wie unterschiedlich die einzelnen Exemplare sein können. Wie groß das Spiel ist innerhalb einer Sorte.
Dieter Bauer, biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter, lädt zur Möhrenverkostung. Rodelika, Robila und Milan heißen seine Sorten, den Sprung auf die offizielle Sortenliste haben sie längst geschafft. Probieren, schmecken und sich über das Geschmeckte austauschen, das gehört zur jährlichen Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Hier treffen sich Züchter, Landwirte, verarbeitendes Gewerbe, Handel bis hin zum Verbraucher -- die ganze Kette, um sich über Neuigkeiten zu informieren. Die ökologische Pflanzenzüchtung verzichtet auf gentechnische Verfahren. Sie nutzt die alten Methoden - Auslese und Kreuzung. Ihre neuen Sorten sollen samenfest sein, das heißt auch in der Folgegeneration noch im Feld gedeihen. Aber auch Öko-Züchter experimentieren, um den Nahrungspflanzen neue Eigenschaften zu entlocken. So erwies sich in mehrjährigen Versuchen, dass Saatgut auf Klänge reagiert und sich anders entwickelt als Samen, die keine Musik zu hören bekommen. Welche Eigenschaften müssen die Nahrungspflanzen von morgen haben fragte Weizenzüchter Martin Timmermann:
Wie müsste eigentlich ein Weizen aussehen, der mit dem Klimawandel auskommt? Nicht jetzt global gedacht, sondern regional, ganz lokal gedacht - für Nordostdeutschland? Wie muss der aussehen? Muss das mehr ein Weizen sein, der einen Einzelährentyp hat, der seinen Ertrag über einzelne dicke Ähren bringt oder ein Weizen, der mehr über den Bestand seinen Ertrag bildet?
Die Züchter tragen damit eine große Verantwortung.
Wir können sagen, bei jedem zweiten Weizenbrot oder jedem zweiten Weizenbrötchen, was wir essen stecken gerade Mal sieben Entwickler drin. Sieben Persönlichkeiten. Wenig Züchterpersönlichkeiten entscheiden da drüber, welchen Weizen wir, welchen die Tiere essen. Und natürlich auch darüber, welche Methoden eingesetzt werden in der Züchtung.
Immer wieder geht es um Fragen der Qualität: Wie kann sie entwickelt und wie kann sie überprüft werden. Farbe, Geschmack, Verarbeitungsfähigkeit einer Pflanze sind das Eine. Aber wie viel Leben steckt noch in den Lebensmitteln? Bei der Einzelhandelskette tegut, werden Getreide, Äpfel und andere Früchte mit Lichtfrequenzen getestet, berichtet Herwart Groll vom Qualitätssicherung-Team bei tegut :
Offensichtlich machen die Lebensmittel irgendetwas mit dem Licht. Das heißt die Frequenzen, mit denen sie bestrahlt werden, sind nicht die gleichen, die sie abstrahlen. Und aus solchen Messreihen kann man Rückschlüsse ziehen auf Qualitätseigenschaften von den Lebensmitteln.
Verschiedene Prüfverfahren sind in der Entwicklung, um die Wirkung von Nahrungsmitteln auf den menschlichen Organismus erfassbar zu machen. Herwart Groll:
Ich kenne Unterschiede bei Getreidesorten, sagen wir mal Weizen. Wo die eine Sorte eben doch, ja, sich bei mir in meiner Wahrnehmung dahin auswirkt, dass sie die Atmung eher erleichtert, zum Durchatmen animiert. Dass sie einem eher den Impuls gibt, das Rückgrat durchzubiegen und aufzurichten. Und im Vergleich andere, die einem das Gefühl geben, wie schwer der Körper ist und alles eben auch, ja, ein stückweit runterzieht.
Ob es eine neue Sorte aus dem Zuchtgarten in die Ladenregale schafft, hängt auch davon ab, ob sie nachgefragt wird. Wenn Landwirte und Handel nicht zugreifen, hat die beste Sorte keine Chance. Die Bauck GmbH in Norddeutschland hat darum ein Projekt gestartet, das einen Dinkel fördert. Ökotrophologin und Bäckermeisterin Mirjam Hartmann :
Wir haben einen Serino-Dinkel, eine neue bio-dynamische ZüchtungDinkelsorte von Peter Kunz aus der Schweiz in Dinkel-Müslis für den Naturkostbereich. Wir haben eine schöne Mischung aus getrockneten Früchten. Das ist abgerundet. Aber die Flocke kann man so nicht mehr hundertprozentig rausschmecken. Wichtig ist das, was hinter der Flocke steht. Und wir fördern damit halt die alternative Saatgutzüchtung und damit unsere Artenvielfalt.
Auch hier gilt also die Devise: Erhalten durch Aufessen.
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