Die Landesregierung von Baden-Württemberg plant eine neue Landesbauordnung für Neubauten. Und die hat es in sich: Der Einsatz erneuerbare Energien soll zur Pflicht werden.
Allerspätestens 2008 sollen fossile Energieträger wie Öl oder Gas aus den Heizungskellern in Baden-Württemberg verbannt sein, zumindest bei allen Neubauten. Die Alternativen: Holzpellets, Solaranlagen oder Geothermie, Hauptsache erneuerbar. Der CDU-Fraktionschef Stefan Mappus hat die neue Öko-Verordnung für Häuslebauer auf den Weg gebracht. Die Landesbauordnung wird also länger, aber den Energiemix im Detail will Mappus niemandem vorschreiben:
"Wir wollen das den Bauherren überlassen. Das hängt ja auch von der Region ab. In Baden-Württemberg sind 50 Prozent der Flächen für Oberflächen-Geothermie geeignet, die anderen 50 Prozent eben nicht. Welche Energieform gewählt wird, ist uns relativ egal."
Längst nicht mehr egal ist der politische Handlungsdruck. Die Abhängigkeit von Öl und Gas wurde Europa spätestens im russischen Pipeline-Konflikt wieder schmerzlich bewusst, deutliche Klimaveränderungen vertragen erst recht keine Vogel-Strauß-Taktik. Laut Stefan Mappus ist deshalb auch ein zusätzliches Gesetz nötig:
"Wir wollen Impulse geben und müssen eben manche zu ihrem Glück zwingen. Geothermie ist nach einer Amortisationsphase von sieben Jahren voll wirtschaftlich. Die Hausbesitzer sparen danach Geld. Das ist nicht allen bekannt. Häufig sind erneuerbare Energien mit dem Label versehen: gut aber teuer. Wir wollen einfach Schrittmacher sein, zumal der Klimawandel eines der beherrschenden Themen der Zukunft ist."
Die Heizungsbau-Industrie hat die passenden Konzepte wohl schon längst in der Schublade, zumindest hat sich noch kein Unternehmen bei Mappus über dessen Steilvorlage beschwert. Und selbst wenn die neue Verordnung die Investitionskosten weiter in die Höhe treibt, reagiert Carmen Mundorff von der Architektenkammer Stuttgart gelassen:
"Bei den Bauherren von Einfamilienhäusern sehe ich kein Problem. Probleme sehe ich eher bei den Investoren. Die bauen nach Rendite-Gesichtspunkten, nicht nach den Gedanken der Nachhaltigkeit."
Um das neue Gesetz zu versüßen, sind schon jetzt fünf Millionen Euro zusätzliche Fördergelder im aktuellen Stuttgarter Haushalt eingeplant. Für Professor Stefan Pelz von der Fachhochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg zählt sogar noch ein anderer Faktor in die Klima-Rechenspiele:
"Seriöse Studien sprechen von 200 bis 300 Dollar pro Tonne CO2 an Schadkosten für die Gesellschaft. Wenn wir das noch mitberechnen, sieht das volkswirtschaftlich wieder ganz anders aus."
Ein clever konstruiertes Niedrigenergiehaus spart jährlich bis zu zwei Tonnen des Klimakillers und kommt mit zwei mittelgroßen Bäumen aus, was ungefähr 300 Litern Heizöl entspricht. Wer mit einem alten Brenner und einem schlecht isolierten Haus bislang bis zu 4000 Liter Heizöl in die Atmosphäre pustet, dem treibt es bei dieser Rechnung nicht nur aus Klimaschutzgründen die Tränen in die Augen.
Damit die Ressourcen reichen, forschen die Rottenburger Wissenschaftler in alle Richtungen, erfassen per Satellit den kompletten Waldbestand, machen also Inventur. Wie lange reicht das Holz, wie schnell kann es nachwachsen? Auch Schilf, Stroh und Elefantengras wandern in Versuchsstationen in den Brenner und den Schornstein und werden dort zu Feinstaub. Das allerdings sollte man nicht überdramatisieren, warnt Professor Stefan Pelz:
"Also die Feinstaubthematik ist überwiegend eine Thematik der alten Anlagen. Und wenn auf höchstem Niveau Feinstaub vermieden werden soll, also wenn Grenzwerte von 20 Milligramm pro Kubikmeter Luft im Raume stehen, dann bleibt nichts anderes übrig, als in entsprechende Filtertechnik zu investieren und die Forschung und Entwicklung darauf hin zu lenken - auch mit Unterstützung, mit Anreizprogrammen, damit solche Systeme dann auch eingesetzt werden können."
Eine andere Lösung existiert momentan nicht. Die Brennstoffzelle wird noch 10 Jahre reifen müssen, Tiefen-Geothermie vielleicht 20 Jahre schätzen Experten. So lange will Baden-Württemberg auf keinen Fall warten. Bleibt zu hoffen, dass mehr übrig bleibt als Schall und Rauch, denn verfassungsrechtliche Bedenken könnten der neuen Öko-Verordnung noch kräftig einheizen.
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