Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) will die Jugend für den Klimawandel und dessen Folgen sensibilisieren. Drei Jahre lang soll eine Multivisionsshow durch Deutschland touren.
"2005 war das aktivste Hurrikan-Jahr seit Beginn der Beobachtungen. Im Atlantik bildeten sich 28 tropische Wirbelstürme. Der Hurrikan Wilma war der stärkste je im Atlantik gemessene Wirbelsturm und Katrina der verheerendste in den USA."
Die Multivisionsshow zum Klimawandel beginnt dramatisch. Aber die Dramatik der Realität spricht längst für sich. Gut 600 Schüler haben sich in der Aula der Städtischen Handelsschule Flensburg versammelt. Alle waren zum Erstaunen der Lehrer bereit, den Eintritt von 2,50 Euro zu bezahlen, obwohl viele von ihnen von Bafög leben oder neben der Schule durch einen Job für ihren Unterhalt sorgen müssen. Für die Lehrerin Monika Angermann ist Umweltunterricht in Form einer Multivisionsshow wichtig:
"Ich finde die technisch hervorragend gemacht, und ich finde es ganz besonders wichtig, dass Schüler das über andere Kanäle und von anderen Leuten mal erzählt kriegen als immer nur von Lehrern, dass sie sehen, dass Schule kein isoliertes System ist."
Horst Willes, Energieberater aus Karlsruhe, begleitet die Show des BUND. Für ihn kommt es darauf an, dass man nicht nur mit dem Finger auf Länder wie China zeigt, sondern an die eigene Klimageschichte erinnert:
"Die Schau hat die Vision, diesen Überblick zu schaffen, wie sich die Menschheit entwickelt hat, dass vor 30 Jahren man fast nur die Hälfte an Energie gebraucht hat."
"Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht mehr zu übersehen. Besonders hart trifft es die armen Länder der Südhalbkugel und damit die Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben."
"Eine doppelte Ungerechtigkeit: Denn sie leiden am stärksten unter verheerenden Stürmen und Dürrekatastrophen und haben kaum Möglichkeiten, sich auf die Veränderungen vorzubereiten."
Auf dem riesigen Panoramabildschirm wird eine unberührte Landschaft immer wieder durch Bilder der Zerstörung und des Elends kontrastiert. Meeresspiegelanstieg und Treibhauseffekt werden mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln dargestellt und erklärt:
"Täglich gelangt dreimal so viel CO2 in die Atmosphäre, wie das Ökosystem Erde vertragen kann. Wir Deutschen produzieren pro Kopf elf Tonnen CO2 im Jahr. Das Klima unseres Planeten verträgt aber nur eine Tonne pro Erdenbürger."
Die CO2-Problematik ist die Kernaussage der Show. Till Weber vom BUND lässt keinen Zweifel dran, dass eine CO2-Reduktion schwer zu erreichen ist:
"Wenn wir sofort den CO2-Ausstoß auf Null fahren, kommt die erste Veränderung tatsächlich erst in 30 Jahren."
Diese Perspektive löst unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen glauben, dass die Industrie der Hauptschuldige ist. Anderen wird klar, dass man bei sich anfangen muss, wenn man etwas verändern will:
"Unser Haus ist nicht gerade gut isoliert, und die Heizung läuft auch immer auf volle Pulle."
Erkan Sentö will darüber mit seinen Eltern sprechen. Für Florian Jessen ist trotz der Klimaproblematik die Kernenergie keine Alternative:
"Ich finde das nicht so toll, auch wegen Tschernobyl und so, dass die anderen knapp daran vorbeigerauscht sind. Das war schon ein Zeichen, würde ich sagen. Davon weg, auf jeden Fall."
Schließlich regt die Show die Diskussion über die Reduktion der Autoabgase an, die auch die Jugendlichen besonders interessiert. Dass in der Autoindustrie aber Umweltschutz ein wirtschaftlicher Erfolg sein kann, daran mag man noch nicht so recht glauben:
"Ich denke, jeder Mensch kauft sich Autos, und zwar bei VW, haben die irgendwann mal gesagt, dass die was für die Umwelt tun? Und es gibt ja schon Elektroautos, werden die gekauft, obwohl sie dieses geile Image haben? Nein, weil sich keiner dafür interessiert, und weil die teilweise zu teuer sind."