Rund 180 junge Umweltschützer aus mehr als 80 Ländern haben sich zum Jugend-Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Leverkusen versammelt. Ihr Ziel eint sie, auch wenn die Probleme in den einzelnen Ländern recht verschieden sind.
Im Aufenthaltsraum des Konferenzgebäudes ist kein Platz mehr frei. Die Delegierten aus mehr als 80 Ländern nutzen die Mittagspause, um einander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Yajia Lu aus China, Penna Utanih aus Namibia, Herman Areas aus Nicaragua und Alonzo Cortez aus Venezuela sitzen an einem kleinen runden Tisch und berichten einander von den Umweltproblemen in ihrer Heimat:
"In Venezuela haben wir vor allem ein Energieproblem. Wir fördern Erdöl, und wir müssen dringend nach Alternativen suchen. Außerdem sind die beiden größten Seen unseres Landes total verschmutzt, und der Regenwald wird immer weiter abgeholzt."
Der 20-jährige Biologiestudent aus Venezuela seufzt. Manchmal habe er das Gefühl, dass es sich überhaupt nicht lohne, gegen die Umweltverschmutzung vorzugehen. Penna Utanih nickt. Sie wisse nur zu gut, wie schwer es sei, sich in einem Land für den Naturschutz zu engagieren, in dem ein Großteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebe. In Namibia habe sie deswegen als Umweltaktivistin auch keinen leichten Stand. Dennoch habe sie festgestellt, dass es sich lohne, die Probleme anzusprechen:
"Langsam ändert sich bei uns die Einstellung zu dem Thema. Noch vor fünf Jahren haben sich selbst junge Leute nicht dafür interessiert. Sie dachten, der Klimawandel sei kein wirkliches Problem. Viele meinten, wir haben ja noch so viel Zeit. Doch mittlerweile verstehen vor allem Schüler und Studenten, wie dringlich es ist, und sie engagieren sich in Umweltorganisationen."
Am schwierigsten sei es dabei, die Politiker in den Städten und Gemeinden zu überzeugen, um wirklich etwas verändern zu können. Deswegen wolle sie auf der Konferenz an der Arbeitsgruppe Lobbyarbeit teilnehmen, um dort gemeinsam mit den Anderen Strategien zu entwickeln, wie man auch von offizieller Seite Unterstützung bekommen könne, sagt Penna Utanih:
"Ich hoffe, ich kann mehr über die Probleme in anderen Gegenden der Erde lernen. Ich möchte wissen, welche Lösungen man dort gefunden hat. Vielleicht funktionieren sie ja auch bei uns zu Hause. Ich hoffe, dass wir dann zum Beispiel wirksamer gegen die Wüstenbildung bei uns vorgehen können."
Herman Areas aus Nicaragua hört seinen Tischnachbarn aufmerksam zu. Wie schön zu merken, dass es überall auf der Welt engagierte junge Leute gebe, denen Naturschutz etwas bedeute und mit denen man sich austauschen könne, sagt der 26-Jährige:
"Ich habe hier festgestellt, dass wir alle ähnlich denken. Wenn wir es schaffen, zumindest die junge Generation in der ganzen Welt davon zu überzeugen, dass wir die Natur schützen und nicht weiter zerstören, dann können wir wirklich etwas bewegen. Es ist jetzt Zeit zu handeln und nicht erst in der Zukunft.
Die Reise hat sich gelohnt, meint auch Yajja Lu aus China. Sie hat im vergangenen Jahr bereits an einem asiatischen Jugend-Umweltgipfel teilgenommen. Von den Kontakten, die sie dort geknüpft habe, profitiere die Naturschutzorganisation, für die sie arbeite, bis heute:
"Ich habe dort mit jungen Leuten aus Japan gesprochen. Ihr Land ist im Vergleich zu unserem zum Beispiel viel weiter beim Bau von Kläranlagen. Mittlerweile arbeiten wir mit ihnen zusammen. Und von den Südkoreanern habe ich dort gelernt, wie man in ihrem Land gegen Sandstürme vorgeht, die auch bei uns ein großes Problem darstellen. Wir bekommen jetzt Unterstützung von ihnen bei einem Aufforstungsprojekt. Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr hilfreich."
Von der Konferenz der UN-Umweltbehörde in Leverkusen erhofft sich Lu nun ähnlich gute Kontakte zu Jugendlichen aus Europa, Lateinamerika und Afrika. Sie gibt ihren Tischnachbarn ihre E-Mail-Adresse und verabschiedet sich. Denn gleich beginnt ein Workshop mit dem Titel "Sechs Schritte zu einem funktionierenden Netzwerk", und den will sie auf keinen Fall verpassen.
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