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23.10.2007
Kaffeeplantage in Guatemala. (Bild: AP Archiv) Kaffeeplantage in Guatemala. (Bild: AP Archiv)

Erneuerbare Energien in Guatemala

Warum auf Kaffeeplantagen zunehmend Wasserkraftwerke zum Einsatz kommen

Von Ruth Reichstein

Der Klimaschutz rückt nun auch bei der Weltbank in den Vordergrund. In den armen Ländern soll die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen in besonderem Maße gefördert werden, darauf haben sich die Mitgliedsländer des internationalen Kreditinstituts auf ihrer Jahrestagung in Washington geeinigt. Ein großes Potenzial hat Guatemala. Schon heute kommen hier Wasserkraftwerke auf Kaffeeplantagen zum Einsatz.

Die Turbine im Mini-Wasserkraftwerk von Andy Burg würde ohne Probleme in einen handlichen Koffer passen. Sie hat nichts zu tun mit industrieller Energieproduktion. Auf der Kaffeeplantage von Burg im Süden Guatemalas wird Strom mit Wasser und nach Maß produziert:

"Als ich die Finka übernommen habe, haben wir nach einer Alternative gesucht zum Öl. Natürlich war es damals noch billiger, aber es wurde eben auch immer teurer, und die saubere Energie, die wir hier produzieren, ist wesentlich billiger, und wir verschmutzen die Umwelt nicht",

sagt der Besitzer der Kaffee-Finka. Seit 1978 hat er sein eigenes kleines Kraftwerk. An einem der zahlreichen Flüsse, die durch seine Finka fließen, hat er ein nicht mal 30 Quadratmeter großes Staubecken gebaut. Durch ein Metallrohr rauscht das Wasser dann über einige Höhenmeter Unterschied bis zur Turbine. Die wandelt das Wasser in Strom um. Der reicht, um die Kaffeeproduktion und die Wohnhäuser auf der Finka mit Strom zu versorgen. Das Unternehmen von Andy Burg mit über 70 Angestellten ist so zu 100 Prozent unabhängig von der nationalen Stromversorgung. Das ist besonders wichtig, weil die meisten Kaffee-Finkas in abgelegenen Gebieten liegen, in denen Stromausfälle häufig sind. Das weiß auch Carlos Torrebiarte, Andy Burgs Nachbar. Auch er produziert Kaffee und Strom:

"Die Leute haben Strom, aber es ist eine sehr schlechte Qualität. Besonders in den kleinen Dörfern fällt immer wieder der Strom aus. Die Lichter gehen einfach aus, weil die Priorität der nationalen Unternehmen die großen Städte sind."

Carlos Torrebiarte hat drei Wasserkraftwerke auf der 900 Hektar großen Finka. Selbst verwendet er nur rund zehn Prozent dieser Energie. Für den Überschuss gibt es keine Verwendung. So geht es vielen Kaffeebauern in Guatemala. Aber genau das könnte sich demnächst ändern. Denn die Regierung und die Wirtschaft entdecken die Bauern als Produzenten billiger und sauberer Energie. Die notwendigen Anlagen gibt es bereits, das Wasser kostet nichts. Investiert werden müsste nur in den Anschluss der Finkas an das nationale Stromnetz.

"In den 90er Jahren kamen 92 Prozent unserer gesamten Energie aus erneuerbaren Quellen. 1997 waren es nur noch 47 Prozent und 2006 35 Prozent. Das bedrückt uns, weil Guatemala ein immenses Potenzial an erneuerbarer Energie hat. Wir arbeiten daran, dass sich diese Tendenz wieder umkehrt. Dabei sind die zwei Elemente gleich wichtig: Erst einmal geht es tatsächlich um den Preis, aber natürlich geht es auch um Umweltschutz",

sagt Carlos Colom, Chef des staatlichen Energieproduzenten INDE. INDE ist der größte Energiekonzern in Guatemala. Zahlreiche private Firmen sind ebenfalls auf dem Markt. Der Großteil des Energiebedarfs wird mittlerweile durch Öllieferungen aus den USA abgedeckt. Das Parlament Guatemalas arbeitet zurzeit an einem Gesetz, das es auch solchen Kleinproduzenten wie den Kaffeebauern erlauben soll, ihren überschüssigen Strom in das nationale Stromnetz einzuspeisen. Der Kaffeeverband Anacafé tüftelt gemeinsam mit INDE schon daran, wie man die Kaffeebauern am besten ans Netz anschließen könnte. Gleichzeitig setzt bei den Kaffeebauern ein Umdenken ein. Carlos Torrebiarte:

"Du machst Dir plötzlich viel mehr Gedanken um die Erhaltung der Wasserquellen in Deiner Finka, denn Du bist ja direkt auf sie angewiesen. Du wirst Dir also plötzlich darüber bewusst, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen."

Auch Umweltschützer halten die Minikraftwerke für eine willkommene Alternative zu neuen Großstaudämmen. Knapp 20 davon gibt es schon, und die zerstören mit ihren überdimensionalen Ausmaßen nicht nur die Umwelt, meint José Chacon von der Umweltschutzorganisation Madre Selva:

"Man kann nicht sagen, dass das Entwicklungsprojekte sind. Es sind Wirtschaftsprojekte. Die meisten Dörfer um die großen Anlagen herum haben keinen Stromanschluss. Wie kann man denn da von Entwicklungspolitik sprechen?"


 
 

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