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31.03.2008
Braunbär. (Bild: AP Archiv) Braunbär. (Bild: AP Archiv)

Von Bären, Wölfen und Menschen

Konfliktträchtige Schutzpolitik im Nationalpark Abruzzen

Von Christiane Büld Campetti

Im mittelitalienischen Abruzzen-Naturschutzpark leben zahlreiche Bären und Wölfe. Die Bevölkerung rund um den Park hatte das akzeptiert. Aber im vergangenen Oktober fand man in der Gegend acht vergiftete Tiere. Friedliche Koexistenz - das war einmal.

Paola Fontani zeigt auf das grüne Flusstal unterhalb ihres Heimatortes San Sebastiano. Dort habe sie den Bären Bernardo im Sommer 2005 das erste Mal gesichtet, erklärt sie. Mit Gleichgesinnten habe sie daraufhin den Freundeskreis "Amici di Bernardo" gegründet. Der Plan: den Marsicabären, eine Unterart des Braunbären, die nur in der mittelitalienischen Region Abruzzen vorkommt, bei jedem Auftauchen sofort mit Licht und Lärm zu verscheuchen und ihm dafür andernorts Futtergaben auf den Weg zu legen:

"Die Bären sollen in den Bergen leben. Es ist nicht richtig, dass sie hinunter in die Dörfer kommen. Deswegen versuchen wir, sie auf Abstand zu halten. Nur wird dort das Land nicht mehr bestellt, und so sind sie gezwungen, andernorts Nahrung zu suchen. Daher haben wir begonnen, neue Obstplantagen anzulegen, extra für die Bären."

Bernardo wird von diesen Maßnahmen nicht mehr profitieren können. Das ausgewachsene Tier wurde im letzten Herbst vergiftet. Er hatte von einer Ziege gefressen, die mit Unkrautvernichtungsmittel gefüllt war. Man vermutet, dass erzürnte Tierzüchter dahinter stecken, um die Schutzpolitik der Parkverwaltung in Misskredit zu bringen.

Sie hätten einen Freund verloren, meint Paola Fontani unter Tränen, der Abruzzen-Nationalpark jedoch seinen guten Ruf.

In diesem ältesten Naturschutzpark in Europa war es dem charismatischen Direktor Franco Tassi im Laufe von 30 Jahren gelungen, die Zahl der heimischen Braunbären auf 40 Exemplare zu erhöhen und die Region zum beliebten Urlaubsziel zu machen. Sein Nachfolger jedoch war nicht in der Lage, die Erfolgsbilanz weiterzuführen. Stattdessen wird ihm verfehlte Personalpolitik und mangelnder Kontakt zur Bevölkerung vorgeworfen. Das hat selbst überzeugte Naturschützer wie Nunzio Marcelli zu Kritikern werden lassen. So polemisiert der Biobauer heute gegen das Weideverbot in großen Teilen des Parks, nennt es eine reine Kopfgeburt von Bürokraten, die die Tradition der Region nicht berücksichtige:

"Ich halte Naturschutz, der jedwedes Eingreifen durch den Menschen untersagt, für eine Dummheit. Wir brauchen hier nicht noch mehr Kontrolle. Was wir fordern, ist Mitspracherecht bei Entscheidungen, die uns betreffen. Manchmal hat man hier den Eindruck, dass die Entscheidungsträger im Park glauben, sie hätten es mit einer Kolonie zu tun und nicht mit einem Territorium, indem die Menschen seit Jahrhunderten ihren Lebensunterhalt verdienen. Und welche Alternativen bieten sie uns dafür? Womit sollen unsere Kinder denn ihr Geld verdienen?"

Bernardos Tod hat die Parkdirektion gezwungen, sich erstmals seit langer Zeit wieder mit Vertretern der unterschiedlichen Interessengruppen auf dem Parkgebiet zusammenzusetzen. Nur so ließe sich gewährleisten, dass die Anstrengungen der Vergangenheit nicht zunichte gemacht werden, so Giuseppe Rossi, Vorsitzender des Verwaltungsrates des Abruzzen-Nationalparks:

"Wir können heute nicht mehr sicher sein, dass es uns gelingt, den Marsica-Bären vor dem Aussterben zu retten. Darum ist es wichtig, mehr über seine Gewohnheiten zu wissen. Wir müssen ihn auch bei seinen Ausflügen schützen, und das ist ein Problem. In den Abruzzen gibt es nicht nur einen Nationalpark, es gibt gleich mehrere Schutzgebiete, die wie Inseln über die Region verstreut liegen. Wir müssen auch konkrete Vorschläge machen, wie sich die lokale Wirtschaft ankurbeln lässt, ohne dass dies mit den Lebensbedingungen der Bären kollidiert."

Nichts einfacher als das - findet übrigens Manuela Cozzi, die im Auftrag der EU nach Wegen sucht, um vor Ort die Entwicklung im ländlichen Raum zu fördern. Schließlich ist für sie der Abruzzen-Nationalpark der Ort schlechthin für naturnahen Tourismus:

"Was wir hier brauchen, sind Übernachtungsmöglichkeiten im gesamten Parkgebiet. Doch würde es reichen, die vielen leerstehenden Wohnungen und Höfe umzubauen. Wir müssen auch das Angebot der Gastbetriebe verbessern: mit regionalen Lebensmitteln beispielsweise. Mit anderen Worten: Die Situation erfordert Zusammenarbeit und nicht Eigenbrötler wie bisher."


 
 

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