Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat in Berlin seinen Jahresbericht 2007 veröffentlicht. Der Umweltschutzverband nahm dies gleichzeitig zum Anlass, die Umweltpolitik der Bundesregierung zu kritisieren. Insbesondere die Diskussion über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke sei angesichts der jüngsten Störfälle in Frankreich und des gescheiterten Versuchsendlagers Asse II unverantwortlich.
Der BUND über eine recht deutliche Kritik an der Arbeit der Bundesregierung im vergangenen Jahr 2007. Und im Grund gilt diese Kritik auch für die gesamte Amtszeit der Großen Koalition seit Herbst 2005. Deutschland sei inzwischen etwas abgerückt von der so oft beschworenen Vorreiterrolle - international - beim Klimaschutz. Und der BUND warnt nun sogar vor Rückschritten oder gar einem Stillstand in so wichtigen umweltpolitischen Feldern wie dem Klimaschutz. Zwar unterstütze man das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen einzusparen, doch seien die bisherigen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichend, um diese Quote zu erreichen. Es fehle an Finanzmitteln für mehr Energieeffizienz, es fehlten die Maßnahmen zu einem entschlossenen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und es fehlten wirksame Klimaschutzvorgaben für die Autoindustrie. Vor allem aber kritisierte der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger, die Verschwendung von Energie in den Kraftwerken:
"Allein die Abwärme unserer großen Kraftwerke in Deutschland, vor allem Kohle und Atom, die wir nicht nutzen, mit der wir die Atmosphäre aufheizen oder auch unsere großen Flüsse, reicht aus, um die gesamte Wärmeenergie-Versorgung Deutschlands zu realisieren. Darin eingeschlossen sind sämtliche privaten und staatlichen Gebäude. Konkret: Zwei Drittel der in den Kraftwerken im Schnitt eingesetzten Primärenergie wird nicht genutzt."
Und bei diesem Punkt gab es dann eine direkte Kritik an der Bundeskanzlerin: International spiele sie ihre Rolle als Klimaschützerin recht überzeugend, die Hausaufgaben zuhause im eigenen Land würden dagegen sträflich vernachlässig. Und gerade die Energiepolitik liefere dafür des Öfteren Belege. Die Rolle der CDU/CSU hinsichtlich der Diskussion über eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wurde denn auch hier in Berlin heute Vormittag scharf angegriffen. Der BUND verweist unter anderem auf die jüngsten Störfälle in französischen Atommeilern. Hubert Weiger:
"Es ist unverantwortlich. Und es sollte auch kein Politiker das Wort von der Nachhaltigkeit in den Mund nehmen, der den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken propagiert. Angesicht der Tatsache, dass national und auch international das Entsorgungsproblem nicht einmal ansatzweise gelöst ist. Das Versuchsendlager Asse 2 ist letztendlich mehr als gescheitert. Wir wissen nicht, was damit passieren soll. Wir haben ein erhebliches Risiko damit für Tausende von Jahren, damit haben wir den kommenden Generationen viele Probleme aufgelastet"
Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit der BUND ist natürlich der Naturschutz. Hier gehe es vor allem um die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie. Zudem: Die Vereinbarungen, die beispielsweise auf der Welt-Naturschutzkonferenz im Mai dieses Jahres in Bonn getroffen wurden, die seien sicherlich beachtlich. 500 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren für den Schutz tropischer Regenwälder bereitgestellt werden - auch dies sei der richtige Ansatz. Allerdings gelte auch hier, man müsse im eigenen Land bei diesem Problem vorankommen, so der BUND-Vorsitzende:
"Da muss jetzt sehr vieles umgesetzt werden bis zum Jahr 2010. Doch angesichts der realen Situation sind die Chancen dafür extrem gering. Denn es würde bedeuten, dass man aufhört, das eigene Land durch Infrastrukturmaßnahmen weiter zu zerschneiden. Wir haben nach wie vor einen Landverbrauch von täglich über 100 Hektar. Wir sind somit auch Weltmeister im Landverbrauch. Wir überbauen keine Wüsten, sondern fruchtbare Böden. Und wir betreiben eine Landwirtschaft, die in vielen Fällen zu einer weiteren Belastung der Umwelt führt."
Und zur Bilanz 2007 des BUND gehören auch Angaben zur Entwicklung der eigenen Organisation oder Arbeit. Und hier sticht vor allem heraus, dass der Bund für Umwelt- und Naturschutz erstmals in seiner über 30-jährigen Geschichte mehr als 400.000 Mitglieder hat, ein Plus von drei Prozent. Auch bei den Mitgliedsbeiträgen und Spenden geht es weiter nach oben, knapp acht Prozent mehr.
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