Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
22.08.2008
Die Schweiz macht eine Anti-Feinstaub-Politik nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche.  (Bild: AP) Die Schweiz macht eine Anti-Feinstaub-Politik nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche. (Bild: AP)

Verbote zugunsten guter Luft

Die Anti-Feinstaub-Politik der Schweiz

Von Kirstin Hausen

Wer aus dem Norden Europas per Auto nach Italien will, fährt oftmals durch die Schweiz. Doch in der Alpenrepublik mehren sich die Widerstände gegen den Status als Transitland. Die Schweizer Regierung hat sich deshalb von freiwilligen Vereinbarungen verabschiedet: Verbote wurden erlassen, um der Feinstaubbelastung Herr zu werden.

Zehn nach zwölf am Ufer des Zuger Sees. Wie jeden Mittag legt die MS RIGI zur Rundfahrt über den See ab. Die Motoren sind extrem leise, die Tische im Schiffsinnern fein gedeckt:

Ja, das ist sehr entspannend, man kann es empfehlen.

Passagier Ingo Böckli weiß um die gute Küche, die hier angeboten wird. Was er nicht weiß: die MS RIGI, die mit Diesel betrieben wird, gehört zu den ersten Schiffen auf den Schweizer Seen, die mit Partikelfilter gegen Feinstaub ausgestattet werden. Der Zuger Regierungsrat hat diese Maßnahme im Dezember 2007 verabschiedet und damit Pionierarbeit geleistet. Gabriele Llopart vom Umweltamt des Kantons Zug:

Die sind schon runtergegangen, die Emissionen in den letzten 15, 17 Jahren, aber wir haben noch nicht die Zielwerte erreicht. Ein Thema, das jetzt vor der Vollendung steht, sind die Busse, also Öffentlicher Nahverkehr. Die sind zum großen Teil bei uns im Kanton Zug, etwa zu 90 Prozent ausgestattet mit Dieselpartikelfiltern, und das dritte Thema sind die Baumaschinen.

Ab 37 Kilowatt müssen Baumaschinen zwingend Filter haben:

Und das ist eine gewisse Schwierigkeit. Die Schweiz ist tatsächlich Vorreiter in diesem Bereich, das heißt wenn die Maschinen importiert werden, zum Beispiel aus der EU, müssen die noch ausgerüstet werden.

Die Schweiz macht eine Anti-Feinstaub-Politik nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite gibt es Anreize, statt das Auto die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, wie das ÖPNV-Monatsticket zum halben Preis in den besonders feinstaubgefährdeten Monaten. Auf der anderen Seite treten bei Feinstaubwerten von mehr als 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft Verbote in Kraft. Zum Beispiel für Autofahrer. Der Kanton Zug war im Januar 2006 der erste Schweizer Kanton, der die Fahrgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 80 Stundenkilometer drosselte. Die Feinstaubbelastung lag damals bei 142 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft:

Das greift natürlich auch in die individuelle Freiheit ein, aber es geht nicht so darum, riesig Verbote zu machen, sondern es geht darum, durch so eine Temporeduktion in Extrembelastungssituationen wie im Februar 2006 die Belastungsspitzen kappt und es nicht weiter ansteigt.

Die Schweiz als Transitland leidet besonders unter dem Feinstaubausstoß von Pkw und Lkw:

Wenn ich an Kanton Uri denke, wo die A2 durchgeht, der ganze Nord-Süd-Verkehr, und wenn dann noch eine Inversionslage hinzukommt, das heißt oben warm - unten kalt, dann sammelt sich das in diesem Tal und dann haben die Leute wirklich zu leiden drunter.

Und dann ist auch Verständnis da für die Notwendigkeit von Verboten:

Die Sensibilisierung für gute Luft in der Bevölkerung ist sicher da, weil die meisten Schweizer sind irgendwo aufgewachsen, wo sie noch atmen konnten.

Sagt Urs Raschle, Geschäftsführer von "Zug-Tourismus":

Und die Luft, hat man in strategischen Seminaren entdeckt, könnte ein entscheidender Faktor werden zum Erfolg des schweizerischen Tourismus.

Denn wenn die Luftverschmutzung in ganz Europa zunimmt, wird frische Luft zum Standortvorteil:

Es gibt Maßnahmen, wo wir weiter sind als die EU, aber wir sind durch die GATT-Verträge auch gebunden an EU-Recht.

Erklärt Gabriele Llopart. Die Umweltexpertin erinnert sich noch gut an den Versuch des Schweizer Bundesrates, die Feinstaubgrenzwerte für Diesel-Pkw zu verschärfen:

Der Bundesrat ist da vorstellig geworden in Brüssel, um gewissermaßen das Extra-Zückerli zu machen, aber das hat so nicht funktioniert.

Wer nicht mit dem Auto, sondern per Bahn durch die Schweiz reist, belastet die Luft wesentlich weniger. Der größte Teil der Lokomotivenflotte der schweizerischen Bundesbahn wird mit Strom betrieben. Und die im Rangierbetrieb und für Unterhaltsarbeiten eingesetzten Dieselloks haben Rußpartikelfilter.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 19:10 Uhr
Sport am Samstag
Nächste Sendung: 20:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Umwelt und Verbraucher

Patientenvertreter fordern Nachbesserung beim Patientenrecht

Sendezeit: 10.02.2012, 11:51

Mediationsgesetz-Kläger und Beklagter müssen künftig an den Verhandlungstisch

Sendezeit: 10.02.2012, 11:46

Neues Abfallrecht beschlossen: Gut für die Umwelt, gut für die Bürger?

Sendezeit: 10.02.2012, 11:42

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link