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09.10.2008
Die Gletscher schmelzen schneller, als gedacht. (Bild: Stock.XCHNG / Michael Waylett) Die Gletscher schmelzen schneller, als gedacht. (Bild: Stock.XCHNG / Michael Waylett)

Erderwärmung stärker als erwartet

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zu neuen Erkenntnissen der Klimaforschung

Von Dieter Nürnberger

Allen Klimaschutzanstrengungen zum Trotz steigt der Ausstoß von Treibhausgasen weiter an und hat sich sogar noch beschleunigt. Der Klimaschutz muss also ehrgeiziger werden, zumal neue Erkenntnisse darauf hinweisen, dass sich das Weltklima noch schneller wandelt, als bisher vermutet. In Berlin hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zusammen mit Vertretern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung neue Ergebnisse präsentiert.

Es sind durchaus dramatische Szenarien, die heute Vormittag hier in Berlin skizziert wurden. Denn die Erderwärmung und somit auch der Klimawandel würden inzwischen rascher voranschreiten, als noch vor kurzem ohnehin befürchtet wurde. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat internationale Berichte ausgewertet - und diese Statistiken und auch Beobachtungen würden zeigen, dass beispielsweise der Anstieg der Meeresspiegel derzeit schneller zunehme, sagt der Leiter des Potsdam-Instituts, Hans Joachim Schellnhuber.

Wir müssen uns auf einen Meter Meeresspiegelanstieg in diesem Jahrhundert einstellen. Das hängt massiv mit einer beschleunigten Abschmelze der Himalaja-Gletscher und des grönländischen Eisschildes zusammen.

Bislang hatte man einen Anstieg des Meeresspiegels von deutlich unter einem Meter erwartet. Die Ursachen seien klar, es ist die Luftverschmutzung vor allem aus den Schwellenländern, so Schellnhuber.

20 Prozent der Partikel, die das grönländische Eisschild grauer machen und dadurch mehr Wärme absorbieren lassen, stammen nachweislich aus den chinesischen Kohlekraftwerken. Wenn die Fläche des Eises nicht mehr so weiß ist, reflektiert sie das Sonnenlicht nicht mehr so gut. Sie wird somit wärmer und schmilzt noch schneller ab. Das gilt auch für die Gletscher im Himalaja. Das heißt, die Luftverschmutzung spielt eine massive Rolle bei der Beschleunigung des Klimawandels.

Die aktuellen Beobachtungen der Klimaforscher zeigen zudem eine Art Dilemma auf. Denn zum einen trage die Luftverschmutzung - wie bei den Eisbergen und Gletschern - zur Beschleunigung des Klimawandels bei. Aber: Durch Schmutzpartikel in der Atmosphäre würde auch eine Art Schirm gebildet, der die Sonneneinstrahlung auf die Erde etwas reduziere. Was wiederum die Erderwärmung verlangsame. Das Kohlendioxyd in der Luft, das ist das wichtigste Treibhausgas, würde aber gleichzeitig dafür sorgen, dass die Erde von einer Art durchsichtigen aber nicht durchlässigen Decke umhüllt würde. Auch dies führt zur Erwärmung des Planeten. Die Botschaft von Hans-Joachim Schellnhuber ist deshalb klar: Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase seien wichtiger denn je.

Jedes Zögern in dieser Frage würde aus wissenschaftlicher Sicht bedeuten, dass die Klimaschutzziele nicht mehr erreicht werden können.

Diese Anstrengungen dürften auch in Zeiten der Finanzkrise nicht nachlassen, fügte Schellnhuber hinzu. Bundesumweltminister Gabriel unterstützte dies ausdrücklich.

Wer sozusagen bis zu drei Billionen Dollar weltweit in den Casinos verjubelt, der soll uns bitte jetzt nicht die Empfehlung geben, wir sollten es an den rund 100 Milliarden Dollar, die wir pro Jahr für den internationalen Klimaschutz brauchen, mangeln lassen.

Und Deutschland müsse sich da auch nicht fürchten, denn schließlich sei man technologisch gut aufgestellt auf den Weltmärkten. Eine ambitionierte Klimapolitik würde zudem bis zum Jahr 2020 rund 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland schaffe, so der Bundesumweltminister. Er verteidigte die beschlossenen Klimaschutzpakete der Bundesregierung, will aber in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Gebäudesanierung künftig die Anstrengungen noch verstärken. Gerade in Zeiten der Finanzkrise müsste auch die reale Wirtschaft wieder gestärkt werden, und dies hieße - auf technologische Innovationen in der Umwelttechnik zu setzen. Für den SPD-Politiker gilt da folgende Formel:

Klimaschutz ist gleich Produktivitätssteigerung. Produktivitätssteigerung heißt Energiesparen. Und dies heißt Geld sparen.

Auch bei diesem Aspekt erhielt Gabriel die Unterstützung der Klimaforscher. Wenn schon heute die gesamte Welt mit deutscher Energietechnologie arbeiten würde, dann könnten die globalen CO2-Emissionen nahezu halbiert werden. Es gibt also deutliche Anzeichen, dass sich der Klimawandel auf dieser Erde mit allen negativen Auswirkungen beschleunigt, sagen die Klimaforscher. Und für die Politik müsse dies allein bedeuten, die Anstrengungen beim Klimaschutz zu verstärken. Und nicht etwa wegen der weltweiten Finanzkrise einzuschränken.


 
 

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