Wer Strom spart, spart Geld. Trotzdem achten noch viel zu wenig Verbraucher beim Kauf von Elektrogeräten auf die Energiebilanz. Denn nicht immer ist erkennbar, ob ein Gerät umweltfreundlich ist. Jetzt hat das Bundesforschungsministerium Politikwissenschaftler der Universitäten Münster und Berlin mit einer Studie beauftragt, die klären soll, wie man energiesparendes Verhalten im Haushalt steuern kann.
Bei ihren Umfragen in Essen, Magdeburg und Münster, ob Verbraucher energiesparende Geräte kaufen würden oder nicht, trafen die Wissenschaftler zumeist auf Antworten wie diese:
Da schaue ich erst einmal nach, welche Größe das ist. Ich muss das ja auf meinen Haushalt abstimmen, und dann, wie viel Energie der verbraucht.
Obwohl die Frage des Energiesparens nicht an erster Stelle steht, fehlt es den Verbrauchern nicht an den entsprechenden Kenntnissen, hat der Politologe und Volkswirt Ulrich Hamenstädt von der Universität Münster herausgefunden:
Es sind schon sehr, sehr viele Leute da, die wir befragt haben, die sehr gut informiert sind über den Zusammenhang von Strompreis und stromsparenden Geräten. Die dann auch bereit sind, hohe Preise für Geräte zu zahlen. Demgegenüber steht auch ein Teil von Probanden, die eher auf billige Geräte setzen.
Um in Deutschland deutlich Strom und damit CO2 zu sparen, müssen aber alle erreicht werden. Dafür berücksichtigt die Politik derzeit weder die unterschiedlichen Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher, noch ist die Information leicht zugänglich. Wer sich zum Beispiel nach den Etiketten auf den Geräten richtet, auf denen die sogenannten Energieeffizienzklassen verzeichnet sind, ist zumeist nicht auf dem aktuellsten Stand, erläutert Professor Doris Fuchs von der Universität Münster:
Hier ist allerdings das Problem, dass diese Energieeffizienzklassen bereits 1998 festgelegt wurden. Das heißt, wenn ich heute ein Gerät der Energieeffizienzklasse A kaufe, ist das schon nicht das Beste, was auf dem Markt ist. Da muss noch dezidierter drauf hingewiesen werden, dass es Besseres gibt, und wie schnell sich das dann wieder gelohnt hat, ein energiesparendes Gerät zu kaufen.
Die Politik muss Hersteller, Handel und Energieversorger an einen Tisch bringen. Transparenz ist notwendig, um Strom zu sparen. Das gilt auch für die Stromrechnung, damit ich sehen kann, ob ich zum Beispiel im Vergleich zu meinem Nachbarn gut oder schlecht abschneide, welche Geräte die größten Stromfresser, und welche besonders günstig sind. Diese Transparenz ist bei uns noch Zukunftsmusik. In Dänemark ist sie bereits Realität. Hier gibt es einen offiziellen Verbrauchscheck per Internet. Schnell und kostenlos:
Wenn Sie Ihre Daten über die Größe Ihres Hauses eingeben und die Geräte, die Sie benutzen. Dann erhalten Sie einen Grundriss mit den Standorten Ihrer Haushaltsgeräte. Je genauer Ihre Angaben sind, welche Geräte Sie haben, und wie Sie sie benutzen, desto besser können wir Ihnen sagen, wie Sie Geld sparen können.
Auch Stromsparen im Haushalt durch gezielte staatliche Lenkung wie beim japanischen Top-Runner-System wäre für die Politikwissenschaftlerin Hildegard Pamme durchaus denkbar, wenn es dafür einen europäischen Konsens gäbe:
Da gibt der Staat einen Standard vor, wie viel Strom Haushaltsgeräte verbrauchen dürfen, die noch auf dem Markt und im Handel sind. Das heißt, wenn dann ein Verbraucher oder eine Verbraucherin in die Lage kommt, sich ein neues Gerät anschaffen zu müssen, haben die Verbraucher keine Informationsschwierigkeiten mehr, sondern der Handlungsspielraum ist so eng geführt, dass es nur noch stromsparende Geräte auf dem Markt gibt.
Dass auch bei uns gezielte Lenkung und umfassende Information erfolgreich sein können, zeigt derzeit ein bundesweiter Anbieter von Elektrogeräten. Bei Kühlschränken bietet er nur die höchsten Energieklassen A++, A+ und A an. B führt er überhaupt nicht mehr. Auf den Etiketten gut sichtbar steht der Kilowattverbrauch pro Jahr. Die umweltfreundlicheren Geräte kosten zwischen 50 und 100 Euro mehr als die mit A ausgezeichneten Geräte. Dafür verbraucht ein Kühlschrank der Kategorie A++ fast nur halb so viel Strom pro Jahr. Die Mehrkosten sind also schnell verdient.
Mit einem Rabattsystem, das auch der Bundesregierung vorschwebt, werden Kunden von gut informierten Verkäufern animiert, einen stromsparenden Kühlschrank zu kaufen. Das entspricht auch den vorläufigen Ergebnissen der Studie. Doris Fuchs:
Insofern geht es nicht nur darum, die Informationen bereitzustellen, sondern sie auch so bereitzustellen, dass sie zum richtigen Zeitpunkt sehr leicht abrufbar sind, um dem Verbraucher wirklich zu helfen.
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