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16.02.2009
Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg (Bild: AP) Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg (Bild: AP)

Quecksilber-Verbot: Jedes Gramm zählt

UNO-Umweltminister wollen das Gift weltweit verbieten

Von Ralph Ahrens

In Nairobi beginnt heute ein fünftägiges Treffen der Umweltminister der UNO. Dabei geht es um Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und die Lösung von Umweltproblemen angesichts der Finanzkrise. Zum Beispiel, wie sich der Ausstoß hochgiftigen Quecksilbers in die Umwelt senken lässt - auch bei uns.

Allein in Ghana leben mindestens 30.000 Goldwäscher. Sie setzen bei ihrer Arbeit Quecksilber ein. Es bildet mit Gold ein flüssiges Amalgam. Das wird erhitzt, Quecksilber verdampft, rohes Gold bleibt zurück. Viele der Goldwäscher arbeiten illegal, doch sie haben keine andere Wahl, erklärt Daniel Owusu-Koranteng von WACAM, einer ghanaischen Selbsthilfe-Organisation zum Schutz der Menschen vor Goldabbau.

"Ja, Quecksilber ist billig und einfach zu handhaben. Aber es schadet! Die Menschen arbeiten mit nackten Händen, beim Abrauchen bilden sich giftige Dämpfe. Und natürlich gelangt Quecksilber so auch in die Umwelt."

Daniel Owusu-Koranteng hofft, dass die Goldwäscher bald ohne Quecksilber ihr Geld verdienen können. Das hätte auch für Menschen in Deutschland Vorteile. Uwe Lahl vom Bundesumweltministerium.

"Es verteilt sich aufgrund der Flüchtigkeit weltweit. Und jedes Gramm, jede Tonne, die wir künftig nicht weiter in die Umwelt geben, ist eine Teilmenge, die wir dann auch zukünftig in Deutschland weniger haben."

Über ein weltweites Quecksilberverbot diskutieren diese Woche daher Umweltminister aus der ganzen Welt in Nairobi am Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Für viele gilt die Quecksilberpolitik Europas als vorbildlich.

"Wir haben natürlich die Quecksilberbelastung in den letzten 20, 30 Jahren deutlich absenken können. Wir sind in einem Spurenbereich. Aber ich kann überhaupt nicht ausschließen, das in diesem Spurenbereich auch Wirkungen eintreten. Zumindest ist unsere Pflicht, die Belastung weiter herunterzusetzen, weil Quecksilber ein sehr schädliches Element ist - allein aus Vorsorgegründen."

Das meiste Quecksilber stammt heute aus Kohlekraftwerken. Allein in Deutschland verteilen sich aus den Schornsteinen der Energiewirtschaft jährlich fast 2,8 Tonnen über Land und Wasser. Und das, obwohl hierzulande die Kraftwerke seit 2004 den weltweit schärfsten Tagesgrenzwert von 30 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Abluft einhalten müssen. Uwe Lahl:

"Das hat sich bisher weltweit keiner getraut so scharf da ranzugehen. Das hat dann dazu geführt, dass die Betreiber von Kohlekraftwerken bei der Kohle jetzt sehr genau gucken, wie viel Quecksilber dort enthalten ist. Und die betreiben auch ihre Rauchgasreinigung entsprechend."

Die Rauchgase werden dazu auf geschickte Art und Weise entstickt, entschwefelt und entstaubt. Das Metall wird dabei zusammen mit den anderen Luftschadstoffen abgetrennt. Deutsche Kraftwerke filtern so inzwischen rund drei Viertel des Quecksilber heraus. Würden alle Kraftwerke auch in Asien und Amerika solch einen Grenzwert einhalten, wäre viel gewonnen für die Gesundheit der Menschen weltweit, sagt Uwe Lahl. Doch das ist aufwendig und teuer.

"Deswegen ist China auch so sehr gegen ein solches ein Regime, ein Quecksilberregime, eingestellt gewesen. Weil in China geht jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz."

In Nairobi diskutieren die Umweltminister daher auch über Übergangsfristen - also darüber, ab wann etwa Chinas Kraftwerke europäische Standards einhalten müssen. Und das Waschen von Gold mit Quecksilber? Möglicherweise wird der Handel mit Quecksilber in einigen Jahren so geregelt sein, dass das Metall nicht mehr erhältlich ist. So lange will Daniel Owusu-Koranteng aus Ghana aber nicht warten. Er will die Goldwäscher aus der Illegalität holen.

"Wenn alle Goldwäscher offiziell registriert wären, könnte wir besser helfen. Etwa durch Training und den Verkauf von Öfen, die helfen, ihre Gesundheit ein wenig zu schützen. Das Grundproblem: Ihnen fehlen meist die Mittel, die Belastung für die Umwelt und natürlich für sich zu senken."



 
 

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