Der Motor eines Elektrofahrrads: Die Stiftung Warentest bewertete nur zwei E-Bikes mit "gut". (Bild: Michael Latz/ddp)
Pedelecs erleben derzeit einen Boom. Doch die Stiftung Warentest bewertete mehr als die Hälfte von 16 getesteten Gefährten mit mangelhaft. Teilweise sind die Fehler sogar lebensgefährlich.
Fahrraduntersuchungen gehören bei der Stiftung Warentest längst zum Standardprogramm. Doch diesmal waren die Tester schon erstaunt oder besser gesagt entsetzt - denn bei der Untersuchung von 16 Elektrofahrrädern schnitt mehr als die Hälfte mangelhaft ab. Herbert Noll von der Stiftung Warentest:
"Dreimal war der Lenker gebrochen, zweimal war der Rahmen gebrochen - in dieser Fülle haben wir das bei uns in den Untersuchungen noch nicht erlebt. Man könnte sich vorstellen, dass ein Anbieter sich denkt, Antriebe und Akkus sind so teuer, da spare ich lieber bei den restlichen Bauteilen. Aber das ist schlicht Spekulation."
Fahrer eines Pedelecs können Steigungen leichter überwinden und mit Gegenwind fertig werden, denn der Elektroantrieb unterstützt die Muskelkraft - bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde.
Brüche von Rahmen oder Lenker oder ein Versagen der Bremsen können lebensgefährlich sein. Auch dies kam bei mehreren Modellen vor.
"Die Fahrräder wiegen rund doppelt so viel, wie ein herkömmliches Fahrrad ohne Elektroantrieb. Wir gehen aber davon aus, dass das größte Gewicht immer noch der Fahrer mitbringt, beziehungsweise auch das draufgeladene Gepäck. Dann sind die Anforderungen gar nicht mal so unterschiedlich. Aber die Bremsen sollten schon auf das Fahrrad abgestimmt sein, auch auf das zulässige Gesamtgewicht. In der Untersuchung haben wir halt auch festgestellt, dass einige Bremsen nicht stramm genug bremsen."
Die Akkus bei den Pedelecs haben eine Reichweite zwischen 25 und 80 Kilometern. In der Untersuchung gab es ab einer Reichweite von 55 Kilometern eine gute Bewertung. Die tatsächliche Leistung hängt aber auch stark von der gewählten Unterstützungsstufe beim Treten und der Konstitution des Fahrers ab.
Die Ladedauer des Akkus betrug im besten Fall zweieinhalb Stunden, der Negativrekord lag bei unglaublichen zwölf Stunden. Und es gab sogar einen Totalausfall. Warentester Herbert Noll über das Modell "Leviatec Demission" für 1.200 Euro:
"Es funktionierte nicht. Der Akku war leer. Wir haben dann den Akku nachgeladen. Der Akku war immer noch leer, er war kaputt. Somit haben wir ein zweites Prüfmodell gekauft. Auch hier war der Akku leer. Auch beim dritten Prüfmodell war das so, der Akku war kaputt. Wir haben beim Anbieter nachgefragt, der sagte, dass dies alles nicht sein könne. Doch dann checkte er im Lager nach und stellte fest, dass bei all diesen Modellen der Akku defekt war. Bis dahin hatte er dies nicht gemerkt."
Die Pedelecs in dieser Untersuchung kosten zwischen 700 und immerhin knapp 2.700 Euro. Mangelhafte Bewertungen gab es in jeder Preisgruppe. Die Stiftung Warentest bewertete nur zwei Modelle mit gut.
"Stevens - E-Courier SX. Kostet 2.500 Euro und bekam die Note 'gut', 2,4. Das Fahrrad ist in Ordnung, einziges Manko: Wenn man mit viel Gepäck fährt, dann wirkt das Fahrrad ein wenig instabil. Etwa die gleiche Bewertung, 'gut', 2,5, hat das 'Kettler Obra RT' bekommen. Kostet auch 2.500 Euro. Es macht einfach auch Spaß, mit diesem Fahrrad zu fahren."
Manche Fahrer müssen zudem befürchten, auf ganz überraschende Weise Ärger mit der Polizei zu bekommen. Vier der Pedelecs hatten Probleme mit dem Abschirmen ihrer Leistungselektronik. Die dadurch verursachte Strahlung kann den Funkverkehr von Polizei und Feuerwehr stören, was hierzulande nicht erlaubt ist.
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Verbrauchertipp: Pedelecs
Sendezeit: 28.05.2013 11:55
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