Rund 15 Prozent der Deutschen sind laut Allgemeinen Deutschen Fahrradverband täglich mit dem Rad unterwegs. Die wenigsten allerdings mit einem Helm. Und viele die einen tragen, haben den falschen. Aber was muss ein Fahrradhelm können? Und worauf muss ich beim Kauf achten?
Michael Sonntag ist ein begeisterter Radfahrer. Nicht nur in der Freizeit, auch auf dem Weg zur Arbeit tritt der Essener mehrmals in der Woche in die Pedale. Einen Helm hat er bei diesen Fahrten lange Zeit nicht getragen. So wie die meisten Deutschen. Schätzungen des Fahrradclubs ADFC gehen davon aus, dass nur rund zehn Prozent der Fahrradfahrer mit Helm unterwegs sind. Doch inzwischen hat Sonntag seine Meinung zum Helm geändert.
"Ich war eigentlich nur sporadischer Helmträger. Bei längeren Touren klar. Ausschlaggebend war dann eigentlich ein Negativerlebnis: Ich hatte einen Unfall, hab mir einen Arm gebrochen mit dem Fahrrad bei dem Sturz. (…) Das war eigentlich der Tag an dem ich gesagt hab, ab jetzt nur noch mit Helm und ich hab's einfach gespürt, wie wichtig es ist und wie hilfreich."
Wer sich für einen Helm entscheidet, sollte auf jeden Fall ein Fahrradfachgeschäft besuchen. Von Angeboten in Supermärkten oder Kaufhäusern rät der ADFC ab. Denn eine gute Beratung gibt es schon gar nicht. Doch gerade die ist beim Kauf unumgänglich. Nicht jeder Helm passe auch auf jeden Kopf, sagt der Fahrradverkäufer Heiko Rüdiger.
"Die Passform sollte gegeben sein. Er sollte am gesamten Kopf aufliegen, nicht nur am Oberkopf oder im Seitenkopfbereich. Der Helm sollte Verstellmöglichkeiten haben. Er sollte auch möglichst im angezogenen Zustand, ohne Kinngurt, so sitzen, dass er nicht rutscht, verrutscht direkt. Er sollte dann stramm sitzen."
Der Kinngurt habe nur die Funktion, dass man bei einem Sturz den Helm nicht verliere, sagt Heiko Rüdiger. Wichtig ist dabei, dass der Gurt verstellbar ist. Ein Helm soll außerdem circa zwei Zentimeter oberhalb der Augenbrauen enden, so der Experte. Weil ein Kauf so individuell ist, komme ein Fahrradhelm auch nicht als Geburtstagsgeschenk infrage. Zu groß sei die Gefahr, dass er nicht ideal passe. Wie so oft, sind auch bei Fahrradhelmen die Preise nach oben hin offen. Käufer können sich aber an einem Durchschnitt orientieren, sagt Bettina Cibulski vom ADFC.
"Also, wir sagen immer: 40 bis 60 Euro ist ein realistischer Preis. Die teureren Modelle sind dann nicht unbedingt besser, sondern eher hübscher designt. Das ist dann mehr so ein Stylefaktor."
Das Styling, also das Aussehen, ist vielleicht auch Schuld daran, dass so viele Radfahrer auf einen Helm verzichten. Doch wer bereit ist, mehr zu bezahlen, findet auf dem Markt auch Fahrradhelme, die eher wie eine Baseballkappe oder ein schicker Hut aussehen. Egal für welches Modell in welcher Preisklasse man sich aber entscheidet: Für die Ewigkeit sind Fahrradhelme nicht gemacht. Je nachdem wie oft der Helm benutzt wird, setzt nach einigen Jahren Verschleiß ein und der Helm sollte ausgetauscht werden, sagt Fahrradverkäufer Heiko Rüdiger.
"Es ist so ein bisschen davon abhängig, wie lange der Helm der Sonne ausgesetzt wurde, weil da sind auch Materialien, die unter der Sonne leiden. Und zum zweiten ist es ganz einfach so: Nach einem Sturz sollte man wirklich schon einen neuen Helm nehmen, wenn man gerade auch mit dem Kopf irgendwie aufgekommen ist. Dass Styropor ist dann schon ein bisschen gestaucht und der Sicherheitsaspekt ist dann nicht mehr gegeben."
Das gilt auch, wenn von außen keine Risse oder Beulen im Helm zu sehen sind. Eine generelle Helmpflicht lehnt der ADFC übrigens ab: Das würde viele Hobbyradler verschrecken. Auch für E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 Stundenkilometer gibt es derzeit keine Helmpflicht.
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Verbrauchertipp: Fahrradhelme - Individualität ist Trumpf
Sendezeit: 29.05.2013 11:55
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