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04.06.2013
Harz-Gebirgslauf in Wernigerode: ein Beispiel für Breitensport (Bild:  picture alliance / dpa /  Matthias Bein) Harz-Gebirgslauf in Wernigerode: ein Beispiel für Breitensport (Bild: picture alliance / dpa / Matthias Bein)

Der spezielle Riegel für den Sportler

Breite Angebotspalette an Sportlernahrung und -getränke

Von Leonard Ameln

Oftmals hilft die Fruchtsaftschorle genauso gut wie der teure Sportlerdrink. Nur in seltenen Fällen macht der Kauf spezieller Sportlernahrung für gesunde Menschen Sinn - und sie sollte dann auch genau auf ihre Inhaltsstoffe kontrolliert werden.

Etwa die Hälfte der Deutschen treibt Sport - ein großer Markt für die Anbieter von Sportnahrungsmitteln. Dazu gehören etwa Nahrungsergänzungsmittel, isotonische Getränke, Kohlehydratgels, spezielle Riegel oder zusätzliche Gaben Eiweiß:

"Es wird viel versprochen. Es heißt, man kann die Leistung dadurch steigern - in entsprechenden Studien kommt aber nicht so viel bei rum für den Breitensportler. Es ist eher das Gefühl, dass ich mir was Gutes getan habe",

sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ihr Tipp:

"Wichtig ist es, täglich möglichst vielfältig zu essen. Das heißt, aus den verschiedenen Lebensmittelgruppen auszuwählen. Das heißt natürlich, täglich Gemüse und Obst, Getreideprodukte, Milch und Milchprodukte gehören dazu."

Der leicht erhöhte Bedarf an Proteinen, die Sportler zur Regeneration benötigen, ist mit der durchschnittlichen Ernährungsweise in Deutschland voll abgedeckt. Auch isotonische Getränke machen für den Hobbysportler nur begrenzt Sinn und sind außerdem schnell selbst gemacht. Antje Gahl:

"Günstiger geht zum Beispiel eine Fruchtsaftschorle 2:1, also zwei Teile Wasser, ein Teil Fruchtsaft mit einem 100-Prozent-Fruchtsaft. Die Mineralstoffverluste für den Breitensportler werden hauptsächlich über die Ernährung ausgeglichen und müssen nicht während der Belastung über ein Getränk ausgeglichen werden."

Auch die vielen als Energieriegel oder -getränk angepriesenen Produkte sind bei kohlehydratreicher Ernährung überflüssig, aber es gibt Ausnahmen:

"Bei ausdauernden Belastungen ist es sicherlich richtig, dass der Magen-Darm-Trakt eingeschränkt ist. Deshalb sollte ich ihn nicht mit schwer Verdaulichem belasten. Und da können spezielle Kohlehydratpräparate wie Drinks, Gels und Riegel durchaus sinnvoll sein."

Zum Beispiel während einer langen Rennradfahrt oder einem Marathon, rät Karsten Köhler, Ernährungswissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule. Den Meisten ist auch in dieser Situation mit einer Banane oder einer Fruchtsaftschorle geholfen. Da ein gesunder Körper von Natur aus bestrebt ist, ein energetisches Gleichgewicht zu halten, holt er sich an Nährstoffen, was er braucht - auch bei sportlicher Belastung. Mit hoch konzentrierten Energieriegeln und -getränken kann es also auch schnell zu viel des Guten werden. Festhalten lässt sich, dass Nahrungsergänzungsmittel für Sportler hauptsächlich bequem sind, aber nicht notwendig. Mit einer Ausnahme:

"Wenn in bestimmten Situationen die Zufuhr über die Nahrung nicht ausreichend ist. Bei eingeschränkter Lebensmittelauswahl aufgrund von Unverträglichkeiten, Allergien kann es Sinn machen, gezielt einzelne Nährstoffe gezielt zu supplementieren."

Für vegetarisch sich ernährende Kraft- oder Ausdauersportler können Produkte zum Beispiel aus Soja- oder Milchprotein ein guter Fleischersatz sein. Karsten Köhler empfiehlt jedoch, genau hinzuschauen:

"Bei den Eiweißpräparaten gibt es zum Teil sehr teure Produkte, die durchaus minderwertige Eiweiße enthalten, die dann aber - warum auch immer - für teures Geld angeboten werden."

Ernährungswissenschaftler sehen auch die isolierte Gabe von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen, wie sie häufig in Riegeln und anderen Präparaten zu finden sind, eher skeptisch. Langzeitwirkungen sind größtenteils nicht erforscht - und negative Effekte nicht ausgeschlossen.