Gerade im Alter steigt das Risiko, sich durch einen Unfall ernsthaft zu verletzen. Wer eine Senioren-Unfallversicherung mit speziellen Hilfeleistungen abgeschlossen hat, ist dann meist auf der sicheren Seite. Die Stiftung Warentest hat Tarife verglichen und Mindestanforderungen formuliert.
Eine Seniorenunfall-Versicherung gibt es als Einzeltarif oder als Baustein einer klassischen Unfallversicherung. Mit zunehmendem Alter wird es manchen Anbietern allerdings zu riskant. Einige Versicherer nehmen Kunden über 75 Jahren gar nicht erst an, andere Anbieter verhindern durch ein Höchstversicherungsalter, dass Menschen, die älter als 85 sind, versichert bleiben können. Trotzdem eignen sich spezielle Seniorenpolicen besser für die Belange und Nöte älterer Menschen als eine klassische Unfallversicherung. Aline Klett von der Stiftung Warentest:
"Bei einer klassischen Unfallversicherung gibt es ja Geld. Mit diesem Geld kann man beispielsweise das Haus umbauen. Okay, aber eigentlich ist es für Senioren besonders wichtig, wenn sie aus dem Krankenhaus kommen, dass da jemand da ist. Der sich kümmert - der das Essen kocht, der auch mal putzt, der die Wäsche wäscht. Und es gibt halt auch inzwischen viele allein lebende Senioren, die niemanden in der Nähe haben. Es ist auch dann geeignet, wenn die Kinder weiter weg wohnen. Dass eben sofort jemand vor Ort ist, um dann zu helfen."
So leisten Senioren-Unfallversicherer mitunter auch, wenn eine Verletzung ursächlich nicht auf einen Unfall zurückgeht, sondern eine Krankheitsfolge ist. Beispielsweise bei Oberschenkelhalsbruch als Folge von Osteoporose.
Im Idealfall übernehmen die Versicherer zudem nicht nur Kosten für Hilfe und Pflege, sondern sie arbeiten auch mit Hilfsdiensten zusammen, die alles organisieren. Damit ältere Kunden auch nach einem Unfall in der eigenen Wohnung verbleiben können, sollte in der Police ein Mindestumfang an Leistungen vorhanden sein.
"Zum Beispiel der Menu-Bringdienst, also ein Menu am Tag. Es zählen auch Tätigkeiten im Haushalt wie Wäsche- und Putzservice dazu. Natürlich sollte auch die Grundpflege abgesichert sein - Hilfe bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen."
In dieser Untersuchung fielen vor allem Versicherer durch, die die Hilfe nur wenige Wochen leisten. Die Stiftung Warentest plädiert hier für mindestens 6 Monate. Das ist keine zufällige Zeitvorgabe, denn nach dieser Frist entscheidet sich in der Regel, ob der Kunde bei entsprechender Gutachter-Einstufung Ansprüche aus der Gesetzlichen Pflegeversicherung geltend machen kann. Warentesterin Aline Klett.
"Wenn ein Mensch aus dem Krankenhaus kommt, ist nicht unbedingt sofort absehbar, ob er auf Dauer Pflege braucht oder nicht. Vielleicht berappelt sich die Person auch und kann am Ende wieder laufen. Oder er ist vermehrt auch auf Pflege angewiesen. Dann kann er nämlich bei der Pflegekasse eine Pflegestufe beantragen."
Neben dem Mindestumfang an Leistungen bieten einige Tarife weitere Hilfsleistungen wie Tag- und Nachtwachen oder sogar eine Haustierbetreuung an. Empfehlenswerte Angebote gibt es bereits ab rund 100 Euro Jahresbeitrag. Aline Klett.
"Das sind einmal der Tarif "Exklusiv-Aktiv" der "Signal Iduna" und auch der Unfallschutzbrief der "Arag". Beide sind für unter 100 Euro zu haben. Es gibt aber auch die Tarife "60 Aktiv" der "Allianz", das "Notfallprogramm Variante Smart" der "Bayerischen" und "Vital Soforthilfe" der "Ergo". Die bieten guten Schutz, sind aber auch teurer."
Fazit: Für Ältere, die an sofortigen Hilfeleistungen nach einem Unfall interessiert sind, die der Versicherer bezahlt und organisiert, ist eine Senioren-Unfallversicherung geeignet - wenn der Anbieter nicht allzu sehr bei den Leistungen spart.