Laut Statistik werden bundesweit pro Jahr circa 400.000 Fahrräder gestohlen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, trotzdem können Verbraucher vorbeugen. Lohnt sich eine spezielle Versicherung? Und wie macht man Langfingern das Handwerk schwer?
An diesem Morgen ist Kirstin Schallück schon spät dran und muss sich richtig beeilen. Doch als sie an die Stelle kommt, an der sie gestern ihr Fahrrad gekettet hat, findet sie nur noch das Schloss - aufgebrochen. Das Fahrrad ist weg
Ich war erstmal baff und konnte das nicht glauben. Ich hab mein Fahrrad mit einem dicken Schloss abgeschlossen und dachte, das ist sicher. Doch das Ärgerlichste ist, dass ich das Fahrrad erst vor einem Monat für 400 Euro gekauft habe. Es war nagelneu.
Kirstin Schallück erstattet bei der nächsten Polizeidienststelle Anzeige gegen unbekannt. Auch wenn die Chance erst einmal gering ist, das gestohlene Fahrrad zurückzubekommen, sollten Betroffene den Diebstahl immer melden. Dieser Meinung ist auch Stefan Berendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club, kurz ADFC. Er kennt den neuesten Trick der Diebe: das so genannte Picking. Dabei werden gebogene Metalldrähte in den Schließzylinder eingeführt und öffnen so fast jedes Schloss.
Beim Picking geht man mit ganz kleinen Werkzeugen, die man bequem in der Hosentasche tragen kann, an den Zylinder des Schlosses und knackt den Zylinder. Macht das Schloss also nicht mechanisch kaputt, das Schloss wirkt von außen unbeschädigt. Das Werkzeug dafür wird im Internet teuer verkauft und es gibt sogar spezielle Vereine, die sich damit brüsten, wie schnell sie bestimmte Schlosstypen knacken können.
Bei 30-60 Sekunden liegt der Rekord. Egal ob Picking oder andere Werkzeuge, wie zum Beispiel Bolzenschneider, die Grundregel ist: Je härter das Material, je teurer das Schloss, desto schwieriger hat es der Dieb. Ab 40 Euro aufwärts kosten die Schlösser - egal ob Bügel-, Kettenschloss oder eine andere Form. Sparen lohnt deshalb nicht:
Das zeigen auch alle Untersuchungen der letzten Jahre von den Verbraucherschutzorganisationen, die teuren Markenfabrikate schneiden immer am besten ab. Die billigen Baumarktfabrikate sind unsicher. Wirken zwar sehr groß, fest und schwer, aber sie haben alle eine oder mehrere Schwachstellen, die die Diebe dann schnell herausfinden.
Ist das Schloss an der Mitte des Rahmens, vor allem bei Herrenrädern, angebracht, lässt sich das ganze Rad bequem drehen und besonders bei billigen Bügelschlössern leicht aufhebeln. Doch wie können Bürger sich vor dem Fahrradklau schützen ? Stefan Berendt gibt Tipps
Viele Diebe sind auf einen bestimmten Schlosstyp spezialisiert und da macht es Sinn zwei Schlösser zu nehmen, von zwei verschiedenen Herstellern, die unterschiedlich funktionieren. So dass man mit einem Bügelschloss das Fahrrad an einem Laternenpfahl oder an einer anderen Möglichkeit fest anschließt und mit einem festen Rahmenschloss zum Beispiel das Vorderrad schützt.
Ein weiterer Tipp ist, das Fahrrad erkennbar machen. Das heißt, zum Beispiel fotografieren, Rahmennummer notieren und die Rechnung aufbewahren. Damit können Betroffene dann nachweisen, wer der rechtmäßige Besitzer ist, sollte das Rad wieder auftauchen. Noch besser ist Codieren: Fahrradhändler, Radclubs oder Polizeiwachen gravieren eine Abkürzung von Wohnort, Straße und dem Namen des Besitzers in den Rahmen.
Wann es lohnt eine Fahrradversicherung abzuschließen, erklärt Stefan Berendt:
Fahrradversicherungen gibt es sehr wenige. Sie lohnen sich für Besitzer von hochwertigen Fahrrädern, die auch viel unterwegs sind. Man sollte aber auch immer prüfen, ob nicht die eigene Hausratversicherung die Möglichkeit bietet, das Fahrrad zusätzlich mitzuversichern. Bei vielen Versicherungen geht das, besonders, wenn die Summe, die man versichert hat, eh schon relativ hoch ist. Das ist die günstigere Art das Fahrrad zu versichern.
Vorsicht auch beim Kauf von gebrauchten Rädern. Interessenten sollten immer nach der Herkunft fragen und die Original-Rechnung verlangen, damit sie nicht einem Fahrraddieb auf den Leim gehen.
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