Schon Ungeborene planen für die Zukunft. Nicht bewusst natürlich, doch schon in der Gebärmutter nimmt der Fetus seine Mutter und damit indirekt deren Umwelt wahr, registriert, ob sie hungert oder satt ist, ob sie sich sicher fühlt oder unter Anspannung steht. Diese Signale von Außen nutzt das Baby, um sich auf künftige Herausforderungen einzustellen.
Gibt es Anzeichen für ein hartes Leben, wird eine Art Notfallplan aktiviert. Es kommt zu dauerhaften Veränderungen in der Genaktivität, die Organe entwickeln sich anders und auch die Verschaltung im Gehirn passt sich an. Nach der Geburt ist der Körper des Kindes darauf eingestellt, jede Kalorie zu speichern, und sein Geist reagiert besonders wachsam. In der Frühgeschichte des Menschen sicherte die Strategie das Überleben.
In der Wohlstandsgesellschaft dagegen führen die Signale den Fetus leicht in die Irre: Übergewicht, Diabetes, Aufmerksamkeitsstörungen - viele Zivilisationsleiden haben ihre Wurzeln im Notfallplan der Babys. Und so stellt sich die Frage, ob sich eine fatale Weichenstellung im Mutterleib verhindern - oder gar nach der Geburt rückgängig machen lässt.
Manuskript zur Sendung:
Weichenstellung im Mutterleib
Weiterführende Links:
Die Ohnmacht des Erbguts
(Wissenschaft im Brennpunkt, 18.10.09)
Nach dem Genom
(Forschung und Gesellschaft, 01.10.09)
Jenseits der Gene
(Dossier, 14.12.07)
Epigenetik-Portal der EU
AG Experimentelle Geburtsmedizin, Charité, Berlin
Professor Moshe Szyf, McGill Universität, Montreal
Professor Matthew Gillman, Harvard University, Boston
Abteilung Diabetes, King-Edward-Memorial-Hospital, Pune
Abteilung Endokrinologie, Universität Edinburgh, Edinburgh
School of Medicine, University of Southampton, Southampton
Beiträge zum Nachhören
Wissenschaft im Brennpunkt
Sternzeit 12. Februar 2012
Sendezeit: 12.02.2012, 16:57
WiB: Tiefenrausch
Sendezeit: 12.02.2012, 16:30
Sternzeit 05. Februar 2012
Sendezeit: 05.02.2012, 16:57
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