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10.06.2013
Die deutsche Industrie ist auf Rohstoffimporte angewiesen. (Bild: dpa / Christian Charisius) Die deutsche Industrie ist auf Rohstoffimporte angewiesen. (Bild: dpa / Christian Charisius)

Deutsche Industrie sorgt sich um Rohstoffnachschub

Firmen fordern von der Politik Absicherungen

Von Stefan Maas

Mehr als die Hälfte der deutschen Industrie befürchtet negative Auswirkungen bei einem längerfristigen Ausfall eines Lieferanten. Das ergab eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen sieht sich bei der Rohstoffbeschaffung im Nachteil gegenüber Konkurrenten aus rohstoffreichen Ländern. Deren Vorteile:

"Das sind geringere Einkaufspreise, weniger Umweltauflagen, mehr staatliche Unterstützung sowie geringere Handelsschranken und Transportrisiken."

erklärt Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, das für die Umfrage rund 2000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes befragt hat. Jedes fünfte Unternehmen ist demnach überzeugt, dadurch weniger wettbewerbsfähig zu sein:

"Die größten Versorgungsrisiken sind aus Sicht der Unternehmen Protektionismus und staatliche Eingriffe, also die Störung des Freihandels."

Deshalb liege es nicht allein bei den Unternehmen, diese Probleme anzugehen. Auch die Politik sei gefragt. Durch internationale Freihandelsabkommen müsse sie gegen Protektionismus, Exportsteuern und ähnliche Handelseinschränkungen vorgehen. Das aber gehe nicht im Alleingang, hier müssten sich auch die EU-Staaten besser absprechen, was bisher nicht immer gelinge:

"Der Streit um die Zölle auf die Solarzellenimporte aus China machen das deutlich. Die Bundesregierung hat dagegen votiert, vielleicht auch etwas spät begonnen, sich überhaupt zu positionieren. Hier macht die EU-Kommission Politik, die in den Ländern unterschiedliche Konsequenzen haben."

Auch die Internationalisierung der Rohstoffpolitik sei leichter gesagt als getan. Das zeige sich beim Blick auf die unterschiedlichen Industrieanteile in den Mitgliedsstaaten:

"Die haben damit auch unterschiedliche Bedarfe an Rohstoffen. Und insofern ragt das deutsche Interesse hier ein bisschen solitär heraus."

Ebenso unterschiedlich, wie die Interessen, seien die Herangehensweisen an das Thema Rohstoffsicherung innerhalb der EU. Frankreich beispielsweise setze trotz des Versuchs internationaler Koordinierung sehr stark auf bilaterale Abkommen, Großbritannien profitiere, weil es noch immer eine stark britisch geprägte Rohstoffindustrie gebe, sagt Hubertus Bardt, beim IW Leiter des Kompetenzfeldes Umwelt, Energie, Ressourcen. Deutschland habe zwar einen hohen Industrieanteil, aber wenige Unternehmen, die direkt mit Bergbau zu tun hätten. Mit dem Versuch der Politik, Versorgungssicherheit durch gezielte Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern wie Kasachstan oder der Mongolei einzugehen, sei Deutschland grundsätzlich auf einem guten Weg, sagt Bardt, aber:

"Die Rohstoffpartnerschaften leiden nach meinem Dafürhalten etwas dafür, dass es noch nicht gelungen ist, das tatsächlich in praktisches Handeln umzusetzen."

Weil die deutsche Industrie etwa benötigte Metalle fast zu 100 Prozent importieren muss, müssten die Unternehmen auch selbst für mehr Sicherheit sorgen, etwa durch die Zusammenarbeit mit mehreren Zulieferern für Vorprodukte, die die benötigten Materialien enthalten, langfristige Lieferverträge oder aber auch verstärkte Forschung, um nach Alternativen zu suchen. Das sei natürlich für große Firmen leichter als für kleinere. Ein Beispiel dafür ist die Rohstoffallianz, in der sich Großkonzerne wie VW oder BASF zusammengetan haben.


 
 

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Sendezeit: 10.06.2013 17:10

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