dradio.de

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wirtschaftundgesellschaft/2138440/


10.06.2013
Frankfurter Skyline: Den Banken geht es wieder besser. (Bild: picture alliance / dpa) Frankfurter Skyline: Den Banken geht es wieder besser. (Bild: picture alliance / dpa)

Lage der Banken stabilisiert sich

Ratingagentur Fitch stellt Geldhäusern gute Zeugnisse aus

Von Brigitte Scholtes

Im vierten Jahr nach der Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich die Lage der Banken deutlich entspannt, sagt die Ratingagentur Fitch. Allerdings ist das niedrige Zinsniveau schwierig für die Geldhäuser.

Die Lage der Banken weltweit ist stabiler geworden. Die Finanzinstitute kämpfen jedoch mit den Herausforderungen des niedrigen Zinsumfeldes - vor allem in den USA und in Europa. Amerikanische Banken haben sich in den letzten Jahren zwar sehr gut erholt, meint Joo-Yung Lee, Analystin bei Fitch Ratings. Ihre Kapital- und Liquiditätsausstattung sei so hoch wie nie. Aber die Immobilienpreisblase, die die Finanzkrise 2007 in den USA auslöste, wirkt immer noch nach, meint Joo-Yung Lee:

"Die größte Sorge haben wir mit Bezug auf die Qualität der Immobilienkredite. Die Qualität der Vermögenswerte hat sich zwar beständig verbessert in den letzten Jahren. Die problematischen Werte betreffen vor allem Immobilien. Wir sorgen uns, dass bei steigenden Zinsen die Kreditnehmer bei der Rückzahlung in Schwierigkeiten kommen könnten. Darauf werden wir verstärkt achten."

Auch die amerikanischen Banken bereiten sich derzeit schon auf Basel III vor. Die neuen Regeln für die Eigenkapitalunterlegung der Geldhäuser sind zwar noch nicht im Detail klar, sie treten erst 2019 in Kraft. Aber die Finanzkrise hat auch den Amerikanern klargemacht, dass sie sich dieses Mal diesen Regeln unterwerfen müssen - das Vorgängerregelwerk Basel II hatten sie nicht umgesetzt. Auch wenn Basel III erst in sechs Jahren Realität wird, so sorge schon der Gruppenzwang dafür, dass die Kreditinstitute die notwendigen Anforderungen an ihr Kapital schon vorher erfüllen würden, glaubt Fitch-Analyst James Longsdon, der die europäischen Banken im Blick hat. Aber die Gewinnsituation sei schwieriger geworden:

"Die Banken tun sich im Niedrigzinsumfeld schwerer, Gewinne zu erwirtschaften. Aber es gibt andere Möglichkeiten, die Kapitalausstattung zu verbessern. Die Gewinne werden wohl eher einbehalten, aber der Schuldenabbau wird vorangetrieben, das sehen wir in Spanien, Deutschland, Italien und anderswo. Die Banken versuchen, ihre Risikoaktiva loszuwerden. Und wir sehen insgesamt eine signifikante Verbesserung der Kapitalausstattung."

Auch die Banken in Südeuropa seien auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen, meint Longsdon. So seien einige spanische Banken schon wieder in der Lage, sich selbst am Markt zu refinanzieren. Zwar seien einige Geldhäuser zurückhaltend mit der Kreditvergabe, aber in den Schuldenländern gebe es auch weniger Nachfrage nach Krediten. Dem Analysten reichen die erzielten Fortschritte jedoch noch nicht:

"Die Banken müssen weiteres Kapital aufbauen und eine ausgeglichene, nachhaltige Finanzierungsstruktur erreichen. Dazu brauchen sie etwas Rückenwind. Eine Eskalation der Euroschuldenkrise wäre da wenig zuträglich."

Doch insgesamt seien die Banken derzeit in einer besseren und komfortableren Lage als noch vor einem Jahr.