Wunden der Erde
Ein Reisetagebuch
Der Mensch formt und verändert die Erdoberfläche seit Jahrtausenden. In den vergangenen Jahrzehnten aber verursacht der Hunger nach Rohstoffen immer drastischere Eingriffe mit immer verheerenderen Folgen. Seit Anfang der 1980er-Jahre werden in den Appalachen im Osten der USA ganze Bergkuppen abgesprengt, um Kohle zu gewinnen. In Kanada werden zum Ölsandabbau riesige Wälder gerodet. In Australien wird im großen Stil Sand abgebaut und das Ökosystem einer ganzen Insel gefährdet. Unsere Reporterin Monika Seynsche macht sich in den kommenden Wochen auf den Weg zu solchen Wunden der Erde und schildert ihre Eindrücke in einem Reisetagebuch.
Wunden der Erde - Themenschwerpunkt zum Einfluss des Menschen
Die Recherchereise zu den "Wunden der Erde" wurde mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjournalismus gefördert.
Aus der Ferne betrachtet wirkt North Stradbroke Island wie ein Paradies. Ich stehe auf dem Autodeck einer kleinen Fähre, die gerade das Hafenstädtchen Cleveland im Südosten Queenslands verlässt und langsam durch die Mangrovenwälder der Moreton Bay auf einen grünen Streifen am Horizont zusteuert.
Peter McQuillan ist ein schmächtiger Mann mit grauen Haaren und Brille. Um neun Uhr morgens klingelt er und nimmt mich mit auf eine Exkursion ins Weld Valley, einige Dutzend Kilometer südwestlich von Hobart.
Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass der 18. November 2011 in meinem Leben nicht stattgefunden hat. Ich bin am 17. abends in San Francisco ins Flugzeug gestiegen und zwölf Stunden später am Morgen des 19. Novembers im neuseeländischen Auckland ausgestiegen.
Ich habe noch nie so tiefe Temperaturen erlebt, wie hier in Anchorage. Ich sitze bibbernd in meinem Hostelzimmer, während der Wind durch die Fensterritzen pfeift und meine Zehen auf der bullernden Heizung nur langsam auftauen.
Ich habe eine kleine Ferienwohnung in Cordova gemietet und nach drei Nächten ist sie fast heimelig. So viel Zeit habe ich nicht mehr an einem Ort verbracht, seit ich Köln verlassen habe.
"Forschung Aktuell" möchte ein Kollegengespräch mit mir machen. Also stehe ich wegen der Zeitverschiebung besonders früh auf und bastle ich mir ein Radiostudio. Fast alle Zutaten dafür finden sich in jedem Hotelzimmer der Welt.
Ich hätte Stiefel mitbringen sollen. In Anchorage liegen etwa 30 Zentimeter Schnee, nach Ansicht des Taxifahrers ungewöhnlich viel für diese Jahreszeit.
Ich sitze im Bürgerzentrum von Fort McKay, einer kleinen, indigenen Gemeinde mitten in den Ölsandfeldern. Neben mir hat eine etwa 70-jährige Frau in einem langen Fellmantel Platz genommen, mit tiefschwarzen Haaren, mintgrün lackierten Fingernägeln und gleichfarbigen Ringen an jedem Finger. Sie ist wütend.
Ich sitze schon wieder im Flugzeug und versuche, meine persönliche CO2-Bilanz zu verdrängen. Dabei fällt mir der geringe Frauenanteil in der Maschine auf. Außer der Stewardess und mir sehe ich genau fünf. Die restlichen etwa 80 Passagiere sind Männer.
Das Motel in Charleston ist günstig. Dafür erschöpft sich das Frühstücksbuffet auch in Tee, Kaffee und traurig aussehenden Donuts vom Vortag.
Bei meinem dritten Forscher ist noch keine Spontanheilung eingetreten. Also fahre ich am nächsten Morgen nicht nach Morgantown, sondern direkt zweieinhalb Stunden Richtung Süden nach Charleston in West Virginia. Hier bin ich mit Larry Gibson verabredet.
Mein Taschenmesser darf mit in die USA reisen. Ich hatte es im Rucksack vergessen und will gerade den Sicherheitsbeamten fragen, ob ich wenigstens den Karabiner behalten darf, der am Messer hängt, als er mich freundlich anlächelt und es mir zurückgibt.
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
Schmalspurbahn in Lettland
Sendezeit: 16.06.2013, 11:30
Kulturinsel Einsiedel
Sendezeit: 16.06.2013, 11:30
Vidin-Calafat- Brücke
Sendezeit: 16.06.2013, 11:30
dradio-Recorder
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