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Fazit • Kultur vom Tage Samstag bis Donnerstag • 23:05 |
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1.9.2003
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Liegen lernen
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Film über die 80er Jahre
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Von Jörg Taszman
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Irgendwann dazwischen hatte ich das Spiel begriffen. Ich wusste wie die Liebe ging, das Bumsen und das Lügen. Jahrelang war ich damit durchgekommen. Aber jetzt war ich Anfang 30 und es war soweit.
Männer und der Fluch der ersten großen Liebe. Bei Helmut war sie blond, Schulsprecherin, politisch engagiert und hieß Britta. Nach einer gemeinsamen Nacht verschwand sie auf fast Nimmerwiedersehen nach Amerika und dann kamen bei Helmut noch Gisela, die Nette, Barbara, mit der er nur fickte, Gislea, die Extravagante, und Tina, die er schwängerte. Helmuts Liebesleid beginnt Anfang der 80er Jahre, als es schick war, gegen den Nato-Nachrüstungsbeschluss zu opponieren und die Ära von Helmut Kohl begann. Einen Tag vor der Abwahl des großen Aussitzers Birne endet das Martyrium des anderen Helmut in einer Pfütze. Fabian Busch, bekannt aus Filmen wie "23" oder "Unter der Milchstraße", über die Herausforderjungen der Rolle.
Also, interessiert hat mich natürlich dieser Altersunterschied. Das man einfach eine Figur über so einen langen Zeitraum begleiten kann, obwohl er sich ja nicht so wirklich verändert. Es vergeht viel Zeit. Das andere Spannende fand ich, dass der Helmut im Roman ja 'ne ziemlich unsympathische Figur ist und man ihn trotzdem im Film irgendwie zum Sympathieträger machen muss, damit man dem irgendwie folgt. Das waren die zwei Dinge, die mich wirklich gereizt haben.
Verfilmt hat das Kultbuch von Frank Goosen Hendrik Handloegten, der vor 2 Jahren mit "Paul is Dead" auf sich aufmerksam machte. Seinem Abschlussfilm an der Berliner DFFB, der für das Kleine Fernsehspiel produziert wurde. Handloegten, Sohn eines Diplomaten, wuchs selber größtenteils im Ausland auf und ist doch ein vorzüglicher Chronist für die BRD in den 80 er Jahren.
Bei "Paul is dead" war das so, dass ich schon die Jahre 78 bis 82 an der deutsch-schweizerischen Grenze verbracht habe, in einem Schweizer Thermalkurort, wozu die Schweizer "Flecken" sagen. Daher kannte ich das und das war das Vorbild für "Pauil is dead". Darüber hinaus habe ich immer meine Verwandten besucht, vor allem meine Oma in Celle und habe Deutschland auch immer bereist als Kind und Jugendlicher. Ich habe aber für die Arbeit das jetzt als sehr angenehm empfunden, so einen gewissen Abstand zu haben zu den Sachen. Vielleicht hat man dann etwas mehr den Blick fürs Wesentliche.
Hendrik Handloegten ist auch immer Autor seiner Filme. Er versucht sich wie viele jüngere Regisseure an einem Autorenkino, dass sich bewusst auch an die Bedürfnisse des Publikums wendet. Bevor er auf eine Filmhochschule besuchte, gehörte er zu den Machern des Berliner Off-Kinos Eiszeit, lernte bereits damals Tom Tykwer und Stefan Arndt kennen, die ihrerseits Kinos betrieben. Später gründeten letztere dann zusammen mit Wolfgang Becker X-Filme und die lockeren Kontakte aus Kinobetreiberzeiten wurden Jahre später reaktiviert.
Neben seinen beiden Regiearbeiten für X-Filme schrieb Handloegten auch an einer späten Drehbuchfassung von "Goodbye Lenin" mit. War es auch von Vorteil, dass Hendrik Handloegten eine Zeitlang in Ostberlin wohnte und doch jeden Tag in Westberlin zur Schule ging ?
So kurz war ich da nicht von 85-90. Ja, ich finde schon, dass das eine Rolle gespielt hat. Ich hatte dadurch eine ziemliche Innenansicht. Ich wusste schon, wie es dort aussah. Das war einfach wichtig, das zu wissen. Es war jedoch ein später Zeitpunkt, um in die Geschichte einzusteigen. Das Buch war ja schon da. Aber ich fand das war schon von Vorteil.
Fabian Busch kann mit Recht für sich behaupten, mit "Raus aus der Haut" in einem der besten deutschen Filme gespielt zu haben, die die DDR thematisierten, bevor "Sonnenallee" und "Goodbye Lenin" einen Boom auslösten. Er selbst stammt aus dem Osten und musste nun einen ganz typischen Westdeutschen in einer Kleinstadt in den 80er Jahren verkörpern. Fiel ihm diese Rolle nun schwerer als andere ?
Ich find ja, dass Helmut gar nicht so unbedingt auf das Westdeutsche festgelegt ist. Ich glaub, so 'ne Figur wie Helmut gab's immer und wird es immer geben. Deshalb war der Charakter für mich völlig greifbar. Er ist völlig zu verstehen und völlig losgelöst von irgendwie westdeutsch oder so was. Klar, die Umstände sind natürlich andere. Britta wäre natürlich 'ne ganz andere gewesen. Nee, fiel mir nicht schwerer deshalb.
Zusammen mit Florian Lukas, August Diel, Daniel Brühl und Tom Schilling gehört er einer neuen Schauspielergeneration an, die nicht nur oft im Kino zu sehen ist, sondern auch innerhalb der Filmbranche eine kleine, verschworene Gemeinschaft darstellt. Sie wollen versuchen, auch eigene Ideen zu entwickeln, weil die Drehbücher immer schlechter werden. Trotz Goodbye Lenin geht es dem deutschen Film nicht so gut, weiß Fabian Busch. So viele geplatzte Projekte wie in diesem Jahr gab es noch nie, sagt er nachdenklich.
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