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Politisches Feuilleton
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3.4.2004
Die Manager-Gehälter
Von Klaus Leciejewski

In Düsseldorf müssen sich zurzeit einige der bekanntesten deutschen Manager wegen des Vorwurfs der persönlichen Bereicherung und Pflichtverletzungen vor Gericht verantworten. Einer der ehemals mächtigsten Gewerkschaftsbosse gehört ebenfalls dazu. Was ist passiert? Im zurückliegenden Jahr sind die Einkommen zahlreicher Vorstände erheblich stärker angestiegen als die Erträge, Löhne und Produktivität ihrer Unternehmen. Gleichzeitig ist das Ansehen der deutschen Manager auf einen Tiefpunkt gesunken. Aber nicht nur das der Manager. Das Versagen der Bundesregierung, d. h. schlicht die handwerkliche Unfähigkeit vieler Politiker bei der Lösung dringender Probleme unseres Landes und eine gewisse Bereicherungsmentalität - weniger bei den monatlichen Bezügen als bei der Altersversorgung, von der die Bevölkerung nur träumen kann - lässt die Wertschätzung der Politiker in der öffentlichen Meinung ebenfalls abstürzen.

Ein schlechtes Beispiel gibt auch die Unterhaltungsindustrie ab, zu der zunehmend der Sport gehört. Wenn für Sänger oder Trompeter im zarten Alter von 20 Jahren, die weder singen noch blasen können oder für Fußballer, die außer großem Talent noch keine Leistung dauerhaft unter Beweis gestellt haben, Millionengagen bezahlt werden, dann färben derartige Zustände auch auf das Verhalten breiter Teile der Bevölkerung ab. Es entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass Einkommen von Leistung entkoppelt wird und dies sogar nachhaltig. Immer stärker verbreitet sich eine Spielermentalität in der Gesellschaft. In ihr wird der Sinn eines Einkommens durch redliche Arbeit ernsthaft in Frage gestellt und statt dessen die Hoffnung auf ein schnelles Einkommen ohne langjährige Arbeitsbiographie genährt, zum Beispiel durch jegliche Art publicityträchtiger Vermarktung, ja sogar durch Betrug und Flucht in illusionäre Welten.

Auch der Staat trägt zu vielfachem Verdruss bei. Wenn ein Bürger zum Ausfüllen einer undurchschaubaren Lohnsteuererklärung kostenpflichtig einen Lohsteuerhilfeverein in Anspruch nehmen muß, oder an Straßenabschnitten ohne Verkehrsgefährdung geblitzt wird, dann empfindet er dies als staatlich organisierten Betrug an seinem Geldbeutel. Und das wirkt sich auf sein eigenes weiteres Verhalten aus.

In unserem Volk hat sich eine allgemeine Stimmung verbreitet, nach der sich ehrliche Arbeit nicht mehr so richtig lohnt. Wer die Möglichkeit dazu hat, sich irgendwo und irgendwie zu bereichern, fährt damit besser als der ehrliche, bodenständig seiner Arbeit nachgehende Bürger. Noch vor zwei, drei Jahrzehnten war es eine unumstößliche Gewissheit, dass Arbeit und Leistung in unserer Gesellschaft unlösbar zusammengehören. Wir alle haben es versäumt, gesellschaftliche Sanktionen gegen diese Bestrebungen, die Grundlage unseres Gemeinwesens auszuhöhlen, aufzubauen. Politiker, die versagt hatten, konnten an anderen Stellen weiter Karriere machen. Loyalität zu einer Person wurde höher als die eigentliche Leistung geschätzt und nicht gesellschaftlich geächtet. Skurrile Persönlichkeiten wurden als Medienstars angehimmelt und nicht als infantiler Auswuchs behandelt. Selbstherrliche Manager wurden in Aufsichtsräte berufen und nicht von konsequenten Kontrolleuren abberufen. Wir alle haben dies mitzuverantworten und jeder einzelne hat in unserer Gesellschaft immer noch die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

Klaus Leciejewski, wissenschaftliche Laufbahn als Ökonom in der DDR, Referatsleiter im Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft, Direktor der Deutschen Bank, Aufbau des Filialnetzes nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland, Geschäftsführer Tochtergesellschaft Egon Zehnder International, seit 1999 geschäftsführender Gesellschafter der KDL-Consulting in Köln, Publizist u. Autor mehrerer Bücher.

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